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Bildungsföderalismus : Illusion Deutschland-Abitur

Die Debatte um das Zentralabitur nimmt wieder Fahrt auf. Bild: dpa

Die Diskussion um das bundesweite Zentralabitur ist wieder aufgeploppt. Doch ist es wirklich so schlimm, dass sich die Bundesländer auf kein einheitliches Abitur einigen können?

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          Es sind Sommerferien, die Medien haben wenig zu berichten, und prompt ploppt das Thema bundesweites Zentralabitur wieder auf. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher behauptet, ein Abitur auf Landesebene habe „genauso wenig Sinn, wie dass jeder Provinzfürst seine eigene Währung druckt“ und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) springt ihm mit der Forderung nach „mehr Fairness und Vergleichbarkeit“ zur Seite.

          Nun ist es so, dass weder Schleicher noch Karliczek in der Sache wirklich etwas zu sagen haben. Entscheidend sind die Kultusminister der Länder, an der Spitze als derzeitiger Präsident der Kultusministerkonferenz der hessische Ressortchef Alexander Lorz (CDU). Er will sich heute zu dem Thema äußern, und es ist mehr oder minder absehbar, was er sagen wird: Dass die Länder bereits auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit sind, unter anderem mit dem gemeinsamen Abitur-Aufgabenpool.

          Einigung auf ein gemeinsames Abitur?

          Dabei könnte es durchaus schneller vorangehen. Es soll aber niemand glauben, der Weg werde in absehbarer Zeit zum Deutschland-Abitur führen. Selbst innerhalb eines Bundeslandes wie Hessen war es ein großer, übrigens von der Opposition heftig kritisierter Schritt, zu einem einheitlichen Abschluss zu kommen. Und dabei geht es nur um die Klausuren, also um ein Drittel der Note. Geradezu absurd ist die Idee, Bayern und Bremen könnten sich jemals auf ein gemeinsames Abitur einigen.

          Und ist das wirklich so schlimm? Die Befürworter einer bundesweiten Angleichung gehen unausgesprochen davon, dass diese auf einem – wie auch immer definierten – hohen Niveau stattfindet. Worauf gründet diese Annahme? Die Ergebnisse des Bologna-Prozesses bei den akademischen Abschlüssen, aber auch manche Auswirkungen der übrigens auch von der OECD angestoßenen Pisa-Debatte lassen eher das Gegenteil befürchten.

          Der Bildungsföderalismus ist besser als sein Ruf, unter anderem, weil er eine heilsame Konkurrenz bewirkt. Wer die Kultusminister als „Provinzfürsten“ bezeichnet, der diskreditiert nicht nur sie, sondern auch den Föderalismus insgesamt. Aber vielleicht ist das Grundgesetz für einen OECD-Direktor auch nicht die entscheidende Größe.

          1,0 Abitur in Hessen

          Die Durchschnittsnote hessischer Abiturienten wird immer besser. 2019 lag der Schnitt bei 2,37, wie das Kultusministerium in Wiesbaden berichtete. 2018 war die Durchschnitts-Abinote in Hessen 2,39. Seit Einführung des Landesabiturs 2007 steigen die Notenschnitte.

          96,21 Prozent der Prüflinge haben in diesem Jahr das Abitur bestanden; diese Quote ist seit Jahren in etwa stabil. Allerdings gab es seit der Reform nie so viele Abiturienten mit der Note 1,0 wie in diesem Jahr: 549 Schüler in Hessen haben das geschafft - und das bei sinkenden Abiturientenzahlen. Nur 23 108 Schüler sind 2019 angetreten, in den Vorjahren waren es stets über 25. 000.

          „Die hessischen Abiturientinnen und Abiturienten haben auch in diesem Jahr wieder gute Leistungen erzielt, über die ich mich sehr freue und zu denen ich ganz herzlich gratulieren darf - unabhängig davon, ob die erzielte Note den jeweiligen persönlichen Ansprüchen entsprochen hat“, erklärte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Seit Einführung des Landesabiturs 2007 könne Hessen „eine bemerkenswerte Kontinuität der Leistungen der Abiturjahrgänge verzeichnen“.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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