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Bildungscampus Gallus : Paul-Hindemith-Schule will nicht wachsen

Erste Geige: Die Hindemith-Schule ist das Kernstück des Bildungscampus Gallus, der sich in den nächsten Jahren entwickeln soll. Bild: Bernd Kammerer

Das erfolgreiche Konzept der Schule sei in Gefahr, wenn die Schule vergrößert werde, warnt die Schulleitung. Die CDU sieht das auch so, wird aber von der Bildungsdezernentin ausgekontert.

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          Die Paul-Hindemith-Schule warnt davor, dass die geplante Vergrößerung von vier auf sechs Klassen je Jahrgang zu Lasten der Schüler gehen werde. Das machten Schulleiter Matthew George und seine Stellvertreterin Cornelia Renner gestern im Bildungsausschuss der Stadtverordneten deutlich. Das erfolgreiche pädagogische Konzept der Integrierten Gesamtschule (IGS) sei auf vier Züge ausgelegt, sagte George. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) wies hingegen auf den stadtweiten Bedarf an IGS-Plätzen hin, der eine Erweiterung nötig mache.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Renner führte die schwierige Schülerschaft als Argument an. „Viele stammen aus bildungsfernen Elternhäusern, sie brauchen eine Struktur, die ihnen Orientierung bietet.“ Bei sechs Parallelklassen, also etwa 150 Kindern je Jahrgang, sei das kaum zu erreichen. Außerdem sei es ungerecht, dass die Stadt einerseits neue Integrierte Gesamtschulen wie die IGS Süd oder die IGS Kalbach-Riedberg auf vier Züge begrenze, die Paul-Hindemith-Schule aber über Gebühr belasten wolle.

          Entspannung frühestens für 2025 zu erwarten

          Weber sagte, sie müsse in der stadtweiten Schulplanung zwei Entwicklungen berücksichtigen: das allgemeine Wachstum der Schülerzahlen und die steigende Beliebtheit der Schulform IGS. In diesem Jahr hätten sich 30,6 Prozent der Viertklässler-Eltern für diese weiterführende Schulform entschieden, damit sei der Anteil auf hohem Niveau abermals gestiegen. Zugleich habe das Kultusministerium die Klassengrößen von 27 auf 25 Schüler verkleinert. „Sie sehen, dass wir keinen Spielraum haben.“

          Wegen des hohen Bedarfs habe die Stadt die Gründung der IGS 15 schon auf dieses Jahr vorgezogen, sagte Weber. Trotzdem werde Prognosen zufolge schon 2021 wieder die Kapazitätsgrenze erreicht. Im nächsten Schulentwicklungsplan sei daher noch eine weitere IGS vorgesehen. Alle geplanten Schulen dieser Form seien sechszügig. Eine Entspannung der Situation sei frühestens für 2025 zu erwarten. „Dann werden wir auch die Zügigkeit der Hindemith-Schule wieder reduzieren können.“ Renner schenkte dieser Zusicherung keinen Glauben: Wenn die Sechszügigkeit einmal festgeschrieben sei, dann werde es dabei bleiben.

          Kern des „Bildungscampus Gallus“

          Eigentlich steht die Hindemith-Schule vor einer glänzenden Zukunft. Sie soll der Kern des „Bildungscampus Gallus“ werden, der auf dem Karree zwischen Frankenallee, Krifteler, Idsteiner und Schwalbacher Straße entstehen soll. Mit dem Zuzug der Neuen Gymnasialen Oberstufe wird der IGS der langgehegte Wunsch erfüllt, dass ihre Absolventen im Gallus Abitur machen können. Zusammen mit der Stadtteilbibliothek, dem Jugendhaus und den Kinderbetreuungseinrichtungen, die bereits auf dem Karree arbeiten, soll ein baulich, organisatorisch und pädagogisch wegweisendes Projekt entstehen. Unter anderem in einen Teilneubau der Hindemith-Schule wird die Stadt einen wahrscheinlich hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

          Renner lobte die seit etwa einem halben Jahr unter Einbeziehung von Schule und Stadtteil laufende Planung als großen Wurf und sagte, man sei der Stadt dankbar dafür. Es sei aber frustrierend, dass in der zentralen Frage der Zügigkeit nicht auf die Expertise von Schulleitung und Kollegium gehört werde.

          CDU warnt vor „Überbevölkerung“ des Bildungscampus

          Die CDU im Bildungsausschuss stellte sich auf die Seite der Hindemith-Schule. „Das Konzept entspricht dem Bedarf im Stadtteil“, sagte der Stadtverordnete Thomas Kirchner. Die pädagogischen Erfolge dürften nicht gefährdet werden. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Sabine Fischer, warnte vor einer „Überbevölkerung“ des Bildungscampus Gallus mit insgesamt bis zu 2000 Schülern. Zudem sei zu beachten, dass unter den zusätzlichen Schülern, die der Hindemith-Schule zugewiesen werden sollen, auch viele seien, die eigentlich andere Schulen gewählt hatten. „Es ist nicht sinnvoll, die Schule mit Schülern aufzufüllen, die eigentlich nicht dort hinwollen.“

          Weber griff die Kritik der CDU mit der Bemerkung auf, die Partei lerne offenbar, wie zuvor schon die Frankfurter Eltern, die Schulform IGS zu schätzen. Damit spielte sie auf die bisher skeptische Haltung der CDU an, die unter anderem das Vorhaben Webers, eine IGS in Niederrad zu gründen, vereitelt hatte. Sie halte es für eine gute Idee, im neuen Schulentwicklungsplan nicht nur eine, sondern zwei neue Gesamtschulen vorzusehen, sagte Weber. Und sie freue sich, wenn sie dabei auf die Unterstützung der CDU zählen könne.

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