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Drogen und Sprengstoff : Bienen als geflügelte Fahnder

  • -Aktualisiert am

Kann mehr als nur Honig finden: Bienen können vielleicht schon bald Drogenfahnder unterstützen (Symbolbild). Bild: dpa

Dass Hunde exzellent beim Aufspüren von Sprengstoff und Drogen sind, ist ja bekannt. Doch nun haben Wissenschaftler gezeigt, dass auch Bienen den richtigen Riecher dafür besitzen.

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          Giessen. Bienen als Drogenfahnder und Sprengstoffschnüffler? Erst einmal klingt das absurd. Bei näherer Betrachtung drängt sich jedoch die Frage auf, warum das nicht längst gängige Praxis bei Zoll und Polizei ist. Schließlich kommunizieren die Tierchen über Duftstoffe, sogenannte Pheromone, miteinander und können selbst wenige Moleküle über eine Entfernung von mehreren Kilometern wahrnehmen. Gegenüber dem klassischen Spürhund, dessen Ausbildung Jahre dauert und der nach 20 Minuten Arbeit eine Pause braucht, punkten sie mit längerer Einsatzdauer, höherer Empfindlichkeit, schnellerer Konditionierung und geringeren Kosten, wie Merle Bartling berichtet, die seit zwei Jahren an der Universität Gießen ihre Doktorarbeit über das Lernverhalten von Bienen schreibt.

          „Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt“, ergänzt ihr Doktorvater Andreas Vilcinskas, Leiter des Instituts für Phytopathologie und Angewandte Zoologie. Bienen könnten beispielsweise an Flughäfen oder an Staatsgrenzen bei der Suche nach Drogen wie Kokain und Heroin oder nach Sprengstoff zum Einsatz kommen. Mit einer Art Staubsauger würde dann Luft aus Gepäckstoffen gesaugt und in eine Kammer mit Bienen geleitet, die auf bestimmte Duftstoffe konditioniert sind. Reagieren die Insekten, befinden sich mit großer Wahrscheinlichkeit illegale Substanzen im Koffer. In den Vereinigten Staaten werde dieses Verfahren schon seit einiger Zeit praktiziert, sagt Vilcinskas. Einzelheiten will oder darf er nicht preisgeben.

          Bartling setzt in ihrer Forschung auf die „aversive Konditionierung“ über negative Reize. Bienen werden in eine sechs mal sechs mal 15 Zentimeter große Acrylkammer gesetzt. Um sicher zu gehen, dass die Insekten von allen anderen Reizen abgeschirmt sind, ist die Kammer von einer Wand aus Lego-Bausteinen umgeben. Nun wird ein Duftstoff in eine Hälfte der Kammer geleitet, die andere Hälfte bleibt geruchsneutral. Begibt sich die Biene in die duftende Hälfte, erhält sie einen kurzen, sehr schwachen Stromstoß. In der anderen Hälfte bleibt sie unbehelligt. Nach einer knappen Viertelstunde hat sie ein ausgeprägtes Fluchtverhalten gegenüber dem Duftstoff entwickelt. In einem Belohnungssystem mit Zuckerwasser, nach dem Vorbild der Pawlowschen Hunde, dauerte die Konditionierung einen Tag.

          Zusammenarbeit mit Landeskriminalamt

          Die Gießener Wissenschaftler haben mit dem Landeskriminalamt in Wiesbaden zusammengearbeitet. Sie führten die Experimente mit tragbaren Geräten in den Laboren der Polizei unter deren Aufsicht auch mit Heroin und Kokain in Reinform durch. Zudem wurde Straßenware getestet, um sicherzustellen, dass die Bienen auf die Drogen reagieren und nicht auf die Streckmittel. Ob eine Biene für mehrere Düfte sensibilisiert werden könne, sei noch nicht erforscht, sagt die Doktorandin. Aufgrund ihrer Erfahrungen nimmt sie an, dass die Konditionierung lebenslang anhält. Die gewöhnliche Arbeitsbiene wird allerdings nur sechs Wochen alt.

          An der Uni ist das Forschungsprojekt abgeschlossen. Ein Praxistest kam noch nicht zustande. Dafür müsste eine interessierte Institution wie Zoll oder Polizei gemeinsam mit der Gießener Universität Fördermittel beantragen.

          Die Kölner Polizeikommissarin Sonja Kessler, selbst Imkerin, ist für ihre Bachelorarbeit „Untersuchung der Praxistauglichkeit von Bienen als Drogenschnüffler“ im Sommer mit dem „Zukunftspreis Polizeiarbeit 2019“ ausgezeichnet worden. Sie kam zu ähnlichen Ergebnissen wie die Gießener Wissenschaftler. Ein einziges Bienenvolk sei in der Lage, ein Gebiet von 50 Quadratkilometern abzusuchen, meint Kessler. Auch zum Aufspüren vermisster Personen könnten die geflügelten Fahnder genutzt werden. Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer „möglichen Revolution für die Polizeiarbeit“.

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