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Neu gewählte AfD-Vertreter : Biedermänner und Brandstifter?

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„Wer ist Herr Lorenz?““: Wiesbadener AfD-Spitzenkandidat Müller kennt den CDU-Fraktionschef nicht Bild: Marcus Kaufhold

Die große Unbekannte: Die wenigsten Vertreter der AfD, die demnächst den Kommunalparlamenten angehören werden, haben eine politische Vorgeschichte. Eine Spurensuche.

          Wussten die Wähler der Alternative für Deutschland (AfD), wen sie wählen? Und wissen die Vertreter der anderen Parteien, mit wem sie es künftig in den Kreistagen und in einigen Stadtverordnetenversammlungen zu tun bekommen? Die Antwort lautet: Eher nicht. Und beide Gruppen stören sich offenbar nicht daran. Für viele Protestwähler ist es zweitrangig, wer sie vertritt. Und die etablierten Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus.

          Es ist schwer, sich ein Bild von der personellen Zusammensetzung der AfD zu machen und daraus Rückschlüsse auf die politische Haltung ihrer Vertreter in der Region zu ziehen. Unter den vielen Männern und wenigen Frauen, die demnächst in die Kommunalparlamente der Rhein-Main-Region einziehen werden, befindet sich niemand mit regionaler, geschweige denn nationaler Bekanntheit. Die AfD ist eine Partei der Unbekannten, die womöglich sogar ein undeutliches Selbstbild hat.

          Kommunalpolitisch erfahrener Zahnarzt

          Das zeigt sich etwa daran, dass die Frankfurter AfD gestern erst einmal einen Fotografen beauftragt hat. Bisher gab es nur Fotos der ersten acht Kandidaten, es könnte aber sein, dass am Ende mehr AfD-Bewerber in den Römer kommen. Mit Abstand der bekannteste und politisch erfahrenste Mann der Frankfurter AfD ist Spitzenkandidat Rainer Rahn. Der 64 Jahre alte Zahnarzt im Ruhestand begann seine kommunalpolitische Laufbahn bei der Bürgerinitiative der Flughafenausbaugegner, später schloss er sich als Einzelstadtverordneter der FDP-Fraktion an, tat sich danach mit anderen Außenseitern zu einer Kleinstfraktion zusammen, bevor er schließlich Mitglied der AfD wurde. Rahn kann witzige Reden halten, aber viele im Rathaus bringt er mit seiner Besserwisserei in Rage. Mit rechtsextremen Positionen ist er bisher nicht aufgefallen.

          Auf eine ähnlich bewegte politische Vita wie Rahn blickt auch Hans Mohrmann. Der Spitzenkandidat der AfD für den Kreistag von Darmstadt-Dieburg hat sich in den neunziger Jahren in der Darmstädter Kommunalpolitik einen Namen gemacht: Er saß von 1992 bis 1996 für die Grünen ehrenamtlich im Darmstädter Magistrat, überwarf sich dann mit der Partei, trat der FDP bei und aus ihr wieder aus, das Gleiche geschah dann auch mit der CDU. In Darmstadt unterhält Mohrmann eine Anwaltskanzlei, er wohnt in Ober-Ramstadt, bezeichnet sich als liberal-konservativ und will mit dem Höcke-Flügel der Partei nichts zu tun haben.

          Der bekannteste und politisch erfahrenste Mann der Frankfurter AfD: Rainer Rahn

          Das gilt auch für die Vertreter der Darmstädter AfD, die sich öffentlich geäußert haben. Spitzenkandidat Siegfried Elbert, ein Maschinenbauingenieur, und der frühere Journalist und Professor für Medieninformation Wolfgang Schöhl werden der neuen Stadtverordnetenversammlung angehören. Beide sind Politik-Novizen und gaben sich am Wahlsonntag moderat. „Wir sind viel liberaler, als wir dargestellt werden“, sagte Elbert. Schöhl verwies auf das Wahlprogramm, das keinen Grund gebe, „um die Antifa zu schicken“. Darin fänden sich viele Dinge, „die nichts mit den Flüchtlingen zu tun haben“.

          Zu den Kandidaten mit Chancen auf ein Mandat zählen Thomas Arend auf Platz vier und Reinhard Ballhorn. Ahrend ist Verwaltungsangestellter in einem Wohlfahrtsverband und war früher für das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen tätig. In der Kommunalpolitik will er sich für eine bessere Integration einsetzen, was nur gehe, wenn man in der Zuwanderung „Maß und Mitte“ halte. Der Geowissenschaftler Ballhorn war früher beruflich im Umweltschutz tätig und will sich auf diesem Gebiet nun politisch engagieren. Auf der Internetseite der AfD versichert er, bei ihm könne man „keinen Hinweis auf rechtspopulistische Ansätze“ finden.

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