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Bibliotheken in Gefahr : Kein Wort in Gottes Ohr

  • -Aktualisiert am

Kinder im Blick: Bilderbuch-Kino mit Vorlesen und Dia-Show Bild: Michael Kretzer

Früher gab es Bibliotheken in fast allen Kirchengemeinden, mittlerweile kämpfen sie oft ums Überleben. Verantwortlich dafür ist aber nicht allein die Digitalisierung.

          Der Eingang liegt im Tiefparterre, der Türknauf dreht sich schwerfällig. Doch wer den Weg in die kleine Bibliothek der evangelischen Bethlehemgemeinde in Ginnheim gefunden hat, wird belohnt – mit einem hellen, freundlichen Raum voller Bücher, mit bunten Sitzgelegenheiten, einem Glas Wasser, und häufig auch mit einem guten Gespräch. Über Bücher, über die Kinder. Oder über ganz etwas anderes. „Nur so leise wie in anderen Bibliotheken ist es hier selten“, sagt Eva Basler und lacht. Seit fast 25 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für die Ginnheimer Gemeindebibliothek, und immer noch bereitet es ihr Spaß.

          Das Publikum hat sich gewandelt, das Angebot aber auch. „Aber wir haben unsere Nische gefunden“, sagt die Bibliothekarin. „Wir bieten Kindern und jungen Familien eine gemeinsame Oase, zwei Stunden Zeit zusammen, das wird gut angenommen.“

          Jeden Dienstagnachmittag hat die Gemeindebibliothek geöffnet. Acht ehrenamtliche Helfer im Wechsel betreuen Bü-cher und Besucher. Kindergarten- und Grundschulkinder mit Eltern oder Großeltern sind die eifrigsten Gäste, „manchmal lesen die Erwachsenen den Kindern vor, manchmal stöbert oder liest jeder für sich“, berichtet Eva Basler. Die meisten der rund 5500 Medien sind Kinderbücher, aber auch Romane, Krimis, Kochbücher, Hörbücher, DVDs, Spiele und religiöse Literatur sind zu finden. Alle Regale sind mit großen Buchstaben beschriftet, nach Alter und Kategorie sortiert. Vormittags kommen regelmäßig sechs Kindergartengruppen zum Lesen und Ausleihen. „In diesem Alter sind sie noch wunderbar offen und schnell zu begeistern“, sagt Basler. „Das ist die Zeit, um sie an das Lesen heranzuführen.“

          Von der Kirche finanziert

          Wie alle Gemeindebibliotheken in Hessen wird auch die Ginnheimer Bibliothek von der eigenen Kirchengemeinde finanziert, der Kirchenvorstand genehmigt in der Regel ein paar hundert Euro im Jahr, um neue Bücher und Medien anzuschaffen, gelegentlich wird auch die Kollekte im Gottesdienst der Bibliothek gewidmet. Wichtig ist Basler, dass ihre Arbeit auch ein Angebot für Menschen ist, die sonst wenig Kontakt zur Gemeinde haben. „Zu uns kann jeder kommen, egal ob ausgetreten, kirchenfern oder Muslim.“Sie findet nicht, dass es schwerer geworden sei, Kinder anzulocken. Aber die Konkurrenz sei gewachsen: „Selbst Grundschulkinder haben heute schon so viel vor.“ Außerdem habe mittlerweile fast jede Grundschule eine eigene Bibliothek.

          Die Ginnheimer Gemeindebibliothek ist eine von nur zwei verbliebenen der evangelischen Kirche in Frankfurt. Der Schwund ist kein lokaler Einzelfall. „2002 gab es im Gebiet der EKHN noch etwa 170 Gemeinde- und Krankenhausbibliotheken, heute sind es nur noch 90“, berichtet Frauke Richter, Geschäftsführerin des Verbandes der Evangelischen Gemeindebüchereien in Hessen und Nassau. Der Verein berät und betreut die kirchlichen Bibliotheken, auch in Einrichtungen wie dem Markuskrankenhaus; ferner organisiert er Fortbildungen für die fast ausschließlich weiblichen Ehrenamtler und publiziert Rezensionen, um Neuanschaffungen einfacher zu machen.

          Den starken Rückgang führt Richter nicht nur auf die zunehmende Bedeutung digitaler Medien zurück: „Bedarf und Interesse an den Bibliotheken sind da“, sagt sie, „aber es wird immer schwieriger, die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu finden.“ Auch sie beschreibt die stärkere Konkurrenz durch die Schulbibliotheken. Außerdem müssten viele Gemeinden aus Kostengründen ihre Räume verkleinern, was oft dazu führe, dass gleich die ganze Bibliothek geschlossen werde. „Dabei ist der große Pluspunkt der Gemeindebibliotheken, gerade in entlegeneren Stadtteilen oder ländlichen Gemeinden, das persönliche, nichtmissionarische Gesprächsangebot über Bücher und mehr“, sagt die Verbands-Chefin. „Sie sind ein wichtiges, niedrigschwelliges Angebot, auch für ausgetretene oder kirchenferne Besucher.“

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