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Biber in Hessen : „Bald überall zu Hause“

  • Aktualisiert am

Kein seltener Anblick mehr: Biber breiten sich in Hessen immer weiter aus. Bild: ZB

Lange war der Biber aus Hessen verschwunden. Jetzt gibt es wieder 300 Tiere, und es werden jedes Jahr mehr. Mittlerweile haben die Nagetiere auch die Großstadt Frankfurt erreicht. Und damit ist noch lange nicht Schluss.

          Die Spuren sind nicht zu übersehen: Wie eine Sanduhr angefressene Bäume am Ufer der Nidda, am nördlichen Stadtrand von Frankfurt. „Vor einigen Wochen gab es die ersten Biber-Beobachtungen in der Stadt“, berichtet Biologe Mark Harthun vom Naturschutzbund (NABU) Hessen. Bald könne man die Tiere vom Eisernen Steg, der Fußgängerbrücke über den Main in der Frankfurter Innenstadt, beobachten. Biber werden bis zu 130 Zentimeter lang und 20 bis 30 Kilo schwer. Zu erkennen sind sie an ihrem charakteristischen platten Schwanz.

          Knapp 300 Biber bevölkern derzeit Hessens Flüsse und Bäche, berichtet Jürgen Siek vom Regierungspräsidium in Darmstadt. Jedes Jahr werden es mehr. Das Land ist nach Einschätzung der Experten auf einem guten Weg zur flächendeckenden Wiederansiedlung. Bundesweit liegt die Zahl der Biber nach Angaben von NABU-Biologe Harthun bereits zwischen 18 000 und 20 000 Tieren. Siek ist Hessens Bibermanager. Ehrenamtliche Biberbetreuer begleiten die Ausbreitung vor Ort.

          Nur positive Reaktionen auf die Biber

          Naturschützer sehen das durchweg positiv. „Der Biber ist ein Wegbereiter für die Renaturierung unserer Gewässer“, sagt Harthun. Er helfe kostenlos, die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union umzusetzen, die den guten Zustand aller Gewässer verlange. Der Biber bringe zudem andere Arten „im Schlepptau“ mit, vor allem Amphibien, aber auch Vögel wie die Uferschwalbe. „Dadurch steigt die Artenvielfalt an den hessischen Gewässern“, freut sich der NABU-Experte.

          Auch der Chef der unteren Naturschutzbehörde in Frankfurt, Volker Rothenburger, sieht keine Probleme durch die Ausbreitung des Bibers. „Ich habe bis jetzt nur positive Reaktionen erhalten.“ An Main und Nidda werde der Biber auch keine Dämme bauen. „Nur der Eingang zu seiner aus Stämmen und Ästen gebauten Höhle, der Biberburg, muss unter Wasser liegen. Dafür genügen 50 Zentimeter Wassertiefe“, erklärt Biologe Harthun. Deshalb stauten Biber das Wasser nur an flachen Gewässern auf.

          Der Bauernverband ist skeptisch

          Bäume fällen die Tiere an Main und Nidda allerdings trotzdem. „Sie wollen an die Triebspitzen kommen, das ist ihre Winternahrung“, erklärt Rothenburger. Treiben die gefällten Bäume den Fluss hinunter, könne das Treibgut an Brücken hängen bleiben und müsse aufwendig entfernt werden. „Das ist ein Mehraufwand, aber kein Schaden.“

          Skeptischer ist der Hessische Bauernverband. „Natürlich ist es nicht so toll, wenn der Biber durch seinen Dammbau die Felder überflutet“, sagt Verbandssprecher Bernd Weber. Das Problem sei aber überschaubar. „Wichtig ist, dass mit den Landwirten vor Ort gesprochen wird.“ Um Konflikte zu vermeiden, kauft das Land Hessen in Extremfällen den Bauern Land ab. 60 bis 70 Hektar habe Hessen bislang erworben, sagt Bibermanager Siek. In den vergangenen Jahren sei es aber nur vereinzelt zu Landkäufen gekommen. „Das Geld ist nicht grenzenlos verfügbar.“

          Aus 18 werden 300

          Vor mehr als 300 Jahren hatte die Geschichte des Bibers auf dem Gebiet des heutigen Hessens vorerst ein Ende. Intensive Jagd hatte dem größten Nagetier Europas den Garaus gemacht. Die Rückkehr der Biber begann 1987, als 18 Tiere an der Sinn im Main-Kinzig-Kreis ausgewildert wurden. Zunächst lebten sich die Nagetiere nur langsam ein. 1999 wurden gerade einmal 61 Exemplare in ganz Hessen gezählt. Mittlerweile steigt die Zahl der Biber rasant, im vergangenen Jahr um fast 50 auf knapp 300 Tiere. Behördenleiter Rothenburger ist deshalb überzeugt: „Der Biber wird auf Dauer in Hessen wieder heimisch werden.“

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