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Pflicht zu Erste Hilfe? : Lieber eine Lösung außer Gericht

  • -Aktualisiert am

Lehrer in Hessen sind grundsätzlich gut auf Unfälle von Schülern vorbereitet. Bild: dpa

Der BGH hat über den Wiesbadener Sportunfall von 2013 geurteilt. Das Gericht überfordert die Pflichten der Lehrer nicht. Es betont Selbstverständliches: Sicherheit der Schüler hat Priorität.

          Das hört sich vernünftig an. Ob sofortige Erste Hilfe durch die Lehrer dazu geführt hätte, dass der Wiesbadener Schüler keinen schweren Hirnschaden erlitt, könne nur ein medizinischer Sachverständiger beurteilen, lautet der Tenor aus Karlsruhe. Der Bundesgerichtshof hat gestern in dem erschütternden Fall nicht die Pflichten von Lehrern überstrapaziert, sondern eigentlich Selbstverständliches im Sinne der Schüler festgestellt. Dazu gehört insbesondere die Anmerkung der Richter, der Staat hafte nicht erst, wenn sie aufgrund grober Fahrlässigkeit des Aufsichtspersonals verletzt werden.

          Alles zu tun, um das Leben und Gesundheit der ihnen Anvertrauten zu schützen, gehört zu den Kernaufgaben der Pädagogen. Die Befürchtung, ein Lehrer, der mit seiner Klasse einen Abenteuerspielplatz besuche oder eine Fahrt ans Meer unternehme, stehe schon mit einem Bein im Gefängnis, überzeichnet das Risiko dieser Berufsgruppe. Sicherheit zuerst, wer dieses Prinzip beherzigt, der wird selbst dann, wenn doch etwas passiert, nicht Gefahr laufen, sich vor Gericht verantworten zu müssen oder seinen Job zu verlieren.

          Sicherheit zuerst, das mag im Schulalltag zu mitunter seltsamen Folgen führen. So wie vor einiger Zeit in Hessen, als sogar die Lehrer, die seit Jahrzehnten tadellos Schwimmunterricht erteilen, dazu verpflichtet wurden, noch einmal einen Lehrgang zur Lebensrettung zu absolvieren. Dass der so bitter nötige Unterricht mancherorts deswegen für einige Wochen ausfiel, passte für manch einen ins Klischee vom Missmanagement im Lehrbetrieb.

          Das Unglück in Wiesbaden war ein absoluter Ausnahmefall

          Und es mag stimmen, dass noch vieles verbesserungswürdig ist im sich ständig wandelnden Kosmos Schule und dass Ministerium und Schulämter den Lehrern mehr Rückendeckung geben müssten. Aber man sollte auch nicht verkennen: Das Schicksal des Wiesbadener Abiturienten ist in seiner Tragik ein absoluter Ausnahmefall gewesen und geblieben. So schlecht können die Lehrer in Hessen also nicht auf Unglücksfälle vorbereitet sein.

          Vielleicht ist es deshalb höchste Zeit, außerhalb von Gerichtssälen eine Lösung für den jungen Mann zu finden, die sein künftiges Leben so weit möglich erleichtert. Noch einmal mehrere Jahre zu verhandeln, aufwendige Gutachten einzuholen, das wäre für ihn eine zusätzliche Tortur mit ungewissem Ende.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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