https://www.faz.net/-gzg-716f3

Bewerbung um den Titel : Marburg will Welterbe werden

  • Aktualisiert am

Ist von ihrer Ausrichtung her der Hochschulstadt Tübingen sehr ähnlich: die Stadt Marburg. Bild: dapd

Es kann zum jahrzehntelangen Prozess werden, bis die Entscheidung gefallen ist. Die Stadt Marburg kämpft um den Titel ’Welterbe’.

          Seit Jahrhunderten gehören Studenten und Wissenschaftler zum Stadtbild Marburgs. Aus Sicht der Kommune ist das akademische Leben hier so besonders, dass es den Welterbetitel verdient. Darauf kann die Stadt allerdings lange warten.

          Marburg hofft auf den Welterbetitel der Unesco. Die mittelhessische Kommune und die Philipps-Universität bewerben sich um die Auszeichnung der UN-Kulturorganisation, die die Uni-Stadt als besonderen kulturellen Raum würdigen soll. Das baden-württembergische Tübingen mit seiner ähnlichen Hochschultradition beteiligt sich an dem Antrag. Er wurde am Freitag dem Land Hessen übergeben.

          „Prototyp der europäischen Universitätsstadt“

          Marburg unterscheide sich wegen seiner engen Verbindung zwischen Uni und Stadt von anderen vergleichbaren Hochschulorten in Europa, heißt es in dem Gutachten zur Bewerbung. Es habe sich „faktisch zum Prototyp der europäischen Universitätsstadt“ entwickelt, stellt dabei der niederländische Historiker Willem Frijhoff fest. Darin sei der Stadt nur noch Tübingen ähnlich.

          Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sagte, man bewerbe sich, weil es nur wenige Orte gebe, „wo die Symbiose von Universität und Stadt so eng ist“. In den vergangenen Jahrhunderten sei ein einzigartiger kultureller Raum und ein besonderes geistiges Erbe entstanden. Uni-Präsidentin Katharina Krause sprach davon, dass die Institutionen, Studenten und Mitarbeiter der Uni seit jeher die Stadt mitgeprägt hätten - und es weiterhin tun würden.

          Wartezeit: möglicherweise Jahrzehnte

          Die Universität wurde 1527 gegründet und gilt als die weltweit älteste noch bestehende protestantische Hochschule. Sie hat rund 21.500 Studenten und fast 4000 Beschäftigte. Institute verteilen sich übers ganze Gebiet der 80.000-Einwohner-Stadt. Für die Initiatoren der Welterbe-Bewerbung ist klar: Marburg ist ein besonderer, von der Hochschule geprägter Kulturraum, der sich an den Gebäuden, universitären Sammlungen, dem akademischen Leben und dem Selbstverständnis ablesen lässt. Zudem erfüllten Forschung, Lehre und Gesundheitsfürsorge seit Jahrhunderten wichtige Funktionen.

          Bis zu einer möglichen Aufnahme in die Unesco-Liste ist es allerdings ein langer Weg: Eine Entscheidung könne frühestens 2017/2018 fallen, eine Wartezeit von Jahrzehnten sei durchaus realistisch, erklärte Gerd Weiß, der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, der auch Hessens Welterbebeauftragter ist. Das habe mit dem aufwendigen Bewerbungsverfahren zu tun.

          In Konkurrenz mit Wiesbaden und Darmstadt

          Zuständig ist die Kultusministerkonferenz, die die aussichtsreichsten Kandidaten auf eine „Tentativliste“ setzt. Diese wird der Unesco vorgelegt. Die aktuelle Vorschlagsliste ist voll, die neue in Vorbereitung. Dafür kann jedes Bundesland bis 1. August in der Regel zwei Bewerber vorschlagen. Neben Marburg hoffen Wiesbaden und Darmstadt auf die Aufnahme in den Club der Welterbe-Orte. Frankfurt diskutiert die Beteiligung an einem Antrag Berlins.

          Hessen hat bislang fünf Welterbestätten: das Kloster Lorsch und Oberes Mittelrheintal, die Grube Messel, den Limes sowie die Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee.

          Weitere Themen

          Hipster, ab aufs Land!

          FAZ Plus Artikel: Strukturwandel : Hipster, ab aufs Land!

          Die Bundesregierung will benachteiligten Regionen helfen: mit Geld und schnellem Internet. Dass sich dort mittlerweile bizarrerweise Pendlerströme umkehren, kann man mit diesen Mitteln aber nicht beheben. Denn oft geht es um ein Lebensgefühl.

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.
          Die kommissarische Partei-Vorsitzende Malu Dreyer

          Diskussion um CO2 : SPD will „Klimaprämie“ einführen

          Wer weniger CO2 verbraucht, soll nach Willen der Sozialdemokraten künftig belohnt werden, sagt die kommissarische Partei-Chefin Dreyer nach der Sitzung des Klimakabinetts. Insbesondere Geringverdiener sollen dadurch entlastet werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.