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Mann in Main gestoßen : „Der stirbt, rennt weg!“

Ungeheuerliche Tat am Mainufer: Drei junge Männer sollen einen Betrunkenen misshandelt und dann in den Fluss gestoßen haben. Bild: Daniel Vogl

Drei Männer sollen einen Betrunkenen in Frankfurt misshandelt und dann in den Main geworfen haben. Die Anklage wirft den mutmaßlichen Tätern versuchten Mord vor.

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          Drei junge Männer sitzen mit gesenkten Köpfen auf der Anklagebank im Landgericht. Zwei tragen Atemschutzmasken, weshalb ihre Gesichter kaum zu erkennen sind. Aber es braucht weder einen unverstellten Blick auf sie noch die Reue-Bekundungen, die sie später von sich geben, um zu sehen, dass sich diese jungen Männer ganz gehörig unwohl in ihren Rollen fühlen. Was die Staatsanwaltschaft ihnen vorwirft, ist eine ungeheuerliche Tat. Die drei, 18, 21 und 27 Jahre alt, sollen einen jungen Mann am Mainufer fast bewusstlos geprügelt und dann in den Fluss geworfen haben. Ein Zufallsopfer, das in jener Augustnacht auf dem Heimweg vom Feiern mit einem Freund war und plötzlich drei aggressiven, betrunkenen Altersgenossen begegnete, die einfach nur auf Krawall aus waren. „Willst du nass werden?“ sollen die Worte gewesen sein, mit denen die Attacke begann. Und die letzten, als das Opfer schon im Wasser trieb und ein paar verzweifelte Schwimmzüge machte: „Der stirbt, rennt weg!“

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch während die Angeklagten wegliefen, zogen Passanten das Opfer mithilfe eines Schals aus dem Wasser. Der Vierundzwanzigjährige überlebte. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb Anklage wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen erhoben. In der Begründung heißt es, die jungen Männer hätten „absolute Dominanz über den Geschädigten demonstrieren“ wollen und „Freude am Misshandeln“ gehabt. Blutend habe er bäuchlings auf dem Boden gelegen und um Hilfe gerufen, weil er sich nicht mehr gegen die Schläge und Tritte habe wehren können.

          Es ist nicht die einzige mutmaßliche Tat der drei Angeklagten, die in diesem Prozess vor der Großen Jugendkammer verhandelt wird. Das Gericht hat noch eine Reihe anderer Vorwürfe mit dazu genommen, alle haben mit spontaner Gewalt gegen Unbekannte zu tun. Möglicherweise wird das ein oder andere eingestellt, weil der Mordversuch so schwer wiegt. Und nach allem, was der erste Verhandlungstag zeigt, gibt es am Tathergang keine Zweifel.

          Verdächtigen bestätigen Anklageschrift

          Alle drei Angeklagten sagen mehr oder weniger ausführlich, dass in der Anklageschrift die Wahrheit stehe. Demnach wollten die Jungs später nach Alt-Sachsenhausen zum Feiern und hatten sich noch mit anderen Freunden zum Vorglühen an einer Straßenbahnhaltestelle verabredet. Unterstützt von der Wirkung massenhaft konsumierten billigen Gins, Whiskeys und anderen Fusels, kam es dort zum ersten Angriff auf einen Mann, der sie aufforderte, die Musik leiser zu machen. Weder zwei Polizeieinsätze noch ein schlimmer Rollersturz eines Freundes aus der Gruppe hielt die drei davon ab, ihre Plan weiter zu verfolgen. Und so geschah spät in der Nacht am Main das, was ein Verteidiger mit den Worten beschreibt: „Sie waren in Aggressionsstimmung. Da kam der Geschädigte, der ihnen über den Weg lief, gerade recht.“ Doch auch ohne Geständnisse hätte das Gericht reichlich belastendes Beweismaterial zur Hand gehabt. Es gibt ein Video von der Tat, einer der Jungs filmte. Weil er, wie er sagt, wegen seines extremen Alkoholkonsums so oft Blackouts hat, dass er seit einer Weile automatisch filmt. Um am nächsten Tag zu wissen, was er im Suff getan hat.

          Im Gericht betonen zum Prozessauftakt alle drei ihre Reue. Sie sagen, dass sie niemanden töten wollten und dass ihnen die Schwere der Verletzungen nicht klar gewesen sei. Ein Angeklagter gibt zu, der Geschädigte habe sich zurecht von ihnen bedroht gefühlt. Es sei die Mischung aus Adrenalin und Berauschtheit gewesen, die ihn selbst nach der Tat noch dazu brachte, mit blutigem Shirt weiterfeiern gehen zu wollen. Erst nachts habe er riesige Angst bekommen und sich gefragt, ob sie den Mann womöglich getötet hätten. „Ich war sehr erleichtert als ich ein paar Tage später im Internet gelesen habe, dass er überlebt hat.“

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