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Falsche Handwerker : Wenn der Betrüger zwei Mal klingelt

Vorsicht vor falschen Handwerkern: Besonders ältere Menschen fallen Betrügern zum Opfer (Symbolbild). Bild: dpa

Dreiste Betrugsmasche: Derzeit geben sich Kriminelle häufig als Handwerker aus. Im Visier haben sie vor allem ältere Menschen.

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          Als die Männer an der Tür von Edda Fries klingelten, blieb der Frankfurterin kaum Zeit, darüber nachzudenken, wer da vor ihr stand. Es war Dienstagmittag, Besuch erwartete die Achtundachtzigjährige eigentlich nicht. Die beiden Unbekannten trugen dunkelblaue Jacken, weiß-karierte Hemden, Jeans und graue Gartenhandschuhe. Sie sagten, sie seien Mitarbeiter eines Wasserwerks und müssten wegen eines Wasserschadens die Leitungen in der Wohnung überprüfen. Dann waren sie auch schon drin.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer der Männer drehte den Hahn im Badezimmer auf, ließ die Badewanne volllaufen und lenkte Edda Fries, die eigentlich anders heißt, ab, während sein Komplize unbemerkt die Zimmer nach Geld und Schmuck durchsuchte. Mehr als eine halbe Stunde lang dauerte der Besuch, dann brachen die Männer plötzlich auf. Als Edda Fries bemerkte, dass Schmuck fehlte, waren die Täter längst fort.

          Fälle kommen in Frankfurt häufig vor

          Fälle wie dieser gibt es in Frankfurt derzeit fast täglich, mitunter mehrere an einem Tag. Der Schaden durch die Diebstähle geht meistens in die Tausende – vom ideellen Wert ganz abgesehen. Nach dem sogenannten Enkeltrick und dem Trick, sich gegenüber älteren Menschen als Polizist auszugeben, ist der „Handwerkertrick“ derzeit die am häufigsten angewendete Betrugsmasche. Das liegt laut Polizei vor allem daran, dass zu Jahresbeginn oft Strom oder Wasser abgelesen oder Geräte gewartet werden und die Opfer deshalb keinen Verdacht schöpfen.

          Allerdings handelt es sich nach Erkenntnissen der Frankfurter Polizei bei den Tätern um besondere Gruppen. Während beim Enkeltrick die Spuren meist in die Türkei führen, haben die Ermittler beim Handwerkertrick Banden aus Südosteuropa im Blick, „die häufig im Familienverbund agieren“, wie es im Polizeipräsidium heißt. Ihre Opfer suchen sie sich nicht zufällig aus. Man wisse, „dass sich die Tätergruppierungen unterschiedlicher Quellen bedienen, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wo und wie ihre späteren Opfer wohnhaft sind“, sagt Polizeisprecher Marc Draschl. „Tatsächlich ist es nicht unüblich, dass Listen mit Namen und Anschriften von potentiellen Opfern geführt werden, die dann innerhalb des Täterkreises weitergereicht werden.“ In einigen Fällen hätten die Täter ihre Opfer auch beim Einkaufen oder beim Aufsuchen ihres Geldinstituts ausgespäht. Anschließend seien sie ihnen dann bis zur Wohnung gefolgt.

          Psychische Folgen bei Opfern

          Für die Opfer sind außer dem Verlust von Geld und Wertsachen vor allem die psychischen Folgen sehr belastend. Die Frankfurter Polizei hat deshalb vor einigen Jahren die AG Säm gegründet, eine Ermittlungsgruppe, die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen verfolgt. Die Opfer empfänden nicht selten Scham, wenn sie realisierten, dass sie auf die Masche hereingefallen seien, heißt es dort. Deshalb würden Taten manchmal gar nicht angezeigt oder Verwandten berichtet.

          Die Polizei rät, fremde Personen gar nicht erst ins Haus zu lassen. Sollte doch einmal jemand klingeln, der den Wasser- oder Stromzähler ablesen will oder behauptet, er müsse dringende Reparaturen vornehmen, solle man sich im Zweifelsfall nicht scheuen, die Polizei zu rufen. „Gerade bei den Trickdiebstählen an der Haustür ist der Kreativität der Täter keine Grenze gesetzt“, sagt Draschl. Immer gehe es darum, das Vertrauen der älteren Menschen zu gewinnen, um in die Wohnung zu gelangen, ob als angeblicher Heizungsableser oder Schornsteinfeger. Die Täter treten mit gefälschten Dienstausweisen, Visitenkarten und in berufstypischer Arbeitskleidung auf. Manchmal kündigen sie sich sogar telefonisch an oder fälschen Aushänge wie etwa der Mainova. Mittlerweile informiert die Polizei auf mehreren Wegen über immer neue Maschen der Haustür-Betrüger, so unter anderem in Familienzentren, Seniorentreffpunkten und bei Bürgergesprächen in den Stadtteilen. Dabei kooperiert sie mit der Mainova, die ihrerseits vor den Betrügern warnt.

          Nicht immer jedoch kommen die Täter an ihr Ziel. Vor einigen Tagen scheiterten Unbekannte an einem aufmerksamen Nachbarn. Ihm waren fremde Männer im Treppenhaus aufgefallen, er klingelte daraufhin bei seiner Nachbarin, bei der die Täter die Wohnung gerade durchsuchten. Immerhin konnten die Zeugen der Polizei anschließend Hinweise auf das Kennzeichen des Fluchtautos geben.

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