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Gefälschte Luxus-Artikel : Geprellte Sparfüchse müssen keine Strafe befürchten

Teures Vergnügen: eine echte Prada-Tasche Bild: Reuters

Was tun, wenn man Opfer von Modefälschungen wurde? Die Staatsanwaltschaft beruhigt die betrogenen Käufer. Auch das Prada-Taschen-Imitat darf man zum Privatgebrauch behalten

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          Das muss für einige wie ein Stich ins Herz gewesen sein. Sie hatten in einer Frankfurter Boutique Taschen, Hosen oder Schuhe der Nobelklasse vergleichsweise günstig erworben. Doch in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass es sich um Fälschungen handelte. Vorbei war es mit Glauben, dass das Gute und Echte eben seinen Preis habe, man aber mit etwas Geduld und Spürsinn das ein oder andere edle Stück doch etwas günstiger bekommen könne. Der ganze Outlet-Boom gründet auf diesem wohligen Gefühl, mit Luxusartikeln oder was man dafür hält, ein Schnäppchen zu machten.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Inhaberin eines Geschäftes an der Alten Rothofstraße ist vergangene Woche unter dem Verdacht des fortgesetzten gewerbsmäßigen Betrugs verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der Achtunddreißigjährigen vor, gut kopierte Kleidung der Marken Prada, Gucci, Yves Saint Laurent und von anderen namhaften Designern als echt verkauft zu haben. Der Trick: Die Ware war als „1b“ ausgewiesen und der Preis nur moderat reduziert. So kostete zum Beispiel eine Handtasche statt 1950 Euro, wie im Prospekt des Herstellers ausgewiesen, „nur“ 1600 Euro. Weil auch das Ambiente des Ladens nobel war, kam kein Verdacht auf, es könne sich um Plagiate handeln.

          Schwindel im großen Stil

          Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen war das Ganze aber Schwindel im großen Stil. Als die Polizei vor etwa vier Wochen anrückte, stellte sie rund 500 Handtaschen und Portemonnaies, zudem etwa die gleiche Anzahl Schuhe und noch mehr Kleidungsstücke sicher, allesamt der ersten Prüfung nach gefälscht. Schon im Jahr 2016 waren in Geschäften der Hauptbeschuldigten Plagiate in großen Mengen sichergestellt worden.

          Als wäre all dies für die Geprellten nicht schon schlimm genug, tauchten in den sozialen Medien in den vergangenen Tagen Warnungen an Betrogene auf, besser nicht zur Polizei zu gehen. Denn dann bestehe die Gefahr, dass die Plagiate eingezogen und vernichtet würden. Die Geschädigten müssten dann mühsam ihr Geld einklagen.

          Beweisstücke dürfen auch behalten werden

          Alles Quatsch, heißt es von der Frankfurter Staatsanwaltschaft, natürlich in gesetzteren Worten. Wer Anzeige erstatte und damit bei den Ermittlungen helfe, bekomme die Beweisstücke nach Ende des Verfahrens in aller Regel zurück. Der Besitz von Plagiaten für den privaten Gebrauch sei nicht strafbar; nur Fälschungen, die dem Täter gehörten, würden vernichtet. Eine Sprecherin des Zolls am Flughafen bestätigte gestern diese Praxis: Wer nachweisen könne, dass er die im Urlaub für einige Euro erworbenen Markenartikel selbst nutzen wolle, dürfe sie behalten. Nicht etwa, weil er ein Recht dazu habe, sondern weil die Originalhersteller angesichts dieses Massensports darauf verzichteten, jeden Fall zu verfolgen.

          Im Fall der enttarnten Edel-Boutique dürfte es sich laut Staatsanwaltschaft für die Betrogenen sogar auszahlen, mit den Strafverfolgern zusammenzuarbeiten. Sollte es gelingen, Vermögenswerte zu beschlagnahmen und den kriminell erlangten Gewinn abzuschöpfen, würden mit dem Geld die Geprellten für ihren Verlust entschädigt. Wer dann allerdings bestimmt, wie viel die gefälschte Edeljeans wirklich wert ist, bleibt vorerst offen.

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