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Entwicklungszentrum : Opel-Betriebsrat hält sich zu Plänen der Chefetage bedeckt

Wieder einmal vor schwierigen Verhandlungen: Opel-Chef Lohscheller (rechts) und Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender Schäfer-Klug Bild: dpa

Nach Wochen der Spannung hat das Opel-Management eine Idee zur Zukunft des Internationalen Entwicklungszentrums präsentiert. Der Betriebsrat will sie prüfen und schweigt vorerst. Politiker dagegen reden schon.

          Nach Wochen der Spannung hat das Opel-Management in Rüsselsheim eine Idee zur Zukunft des Internationalen Entwicklungszentrums präsentiert. Demnach könnten Teile des als Opel-Herzstück apostrophierten Betriebs an den französischen Entwicklungsdienstlester Segula Technologies abgeben werden. Das Management mit Michael Lohscheller an der Spitze versucht die Arbeitnehmervertreter mit den Hinweisen zu locken, im Falle einer Einigung würden die Franzosen Anlagen der Fahrzeug- und Antriebsentwicklung sowie bis zu 2.000 Mitarbeiter des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums übernehmen. Sie würden einen europäischen Engineering-Campus und ein Center of Excellence in Rüsselsheim sowie den gerade erst zwischen Opel und den Arbeitnehmervertretern vereinbarten Kündigungsschutz bis Juli 2023 erhalten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Betriebsrat gibt sich aber bedeckt. Auf Anfrage äußerte er sich nicht. Einem Flugblatt für die Belegschaft zufolge will er den Vorstoß prüfen und schweigt vorerst. Das passt zur Linie der IG Metall, die sich fast wortgleich geäußert hat. Politiker dagegen reden schon. In der Vergangenheit hatte der Betriebsrat schon verdeutlicht, einen externen Dienstleister als strategischen Partner abzulehnen.

          Carlos Tavares, Chef der Opel-Mutter PSA, erklärte derweil in einem Gespräch mit der F.A.Z., die Marke mit dem Blitz werde bald viel besser dastehen. Im Interview nimmt er auch zum Halbjahresgewinn von Opel und seinen Erwartungen die Betriebsräte Stellung.

          „Arbeitnehmer einbinden“

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) ließen in einer gemeinsamen Botschaft wissen: „Für die Hessische Landesregierung hat sich nichts an der Einschätzung geändert, dass das Opel-Entwicklungszentrum ein unverzichtbarer Garant für den Fortbestand Opels als eigenständiger Marke ist.“ Opel habe nur eine Zukunft, wenn das Entwicklungszenrum ausgelastet sei.

          Bouffier und Al-Wazir fordern mit Blick auf den neuen Vorstoß, Arbeitnehmerschaft und Betriebsrat einzubinden, um eine verträgliche Lösung für alle Seiten zu erreichen. „Die bereits gemeinsam getroffenen Vereinbarungen müssen eingehalten werden, nur so kann in einer fairen Partnerschaft gemeinsam die Zukunftsfähigkeit am Standort Rüsselsheim gesichert werden“, heben sie mit Blick auf den Kündigungsschutz hervor. Der müsse auch unter einem möglichen neuen Arbeitgeber gelten.

          TSG: Tavares´ Glaubwürdigkeit erschüttert

          Der Vorsitzende der Hessen-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, twitterte, der Teilverkauf des Entwicklungszentrums gefährde die Eigenständigkeit von Opel. Er sieht die Glaubwürdigkeit des Chefs der Opel-Mutter PSA, Carlos Tavares, als ernsthaft erschüttert an. PSA solle sich an seine Zusagen halten, an der Eigenständigkeit der Rüsselsheimer nicht zu rütteln.

          „Opel darf nicht zur reinen Hülle verkommen“, forderte Schäfer-Gümbel. Die Opel-Beschäftigten verdienten eine Perspektive. „Sie erwirtschaften die Gewinne, die erstmals seit Jahrzehnten geschrieben werden.“ Opel hatte zuletzt einen Halbjahresgewinn von einer halben Milliarde Euro berichtet, der vielfach als überraschend bewertet worden ist.

          „Neue Chancen für Rüsselsheim“

          Der wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, Jürgen Lenders, meinte, die aktuellen Pläne seien Bestandteil der Umstrukturierung. Sie könnten wie die Übernahme durch PSA neue Chancen für den Standort Rüsselsheim eröffnen. PSA habe Opel aus den roten Zahlen geholt. „Wir sollten froh sein, dass PSA an den Automobilstandort Hessen glaubt und weiter investiert, denn ohne das Engagement des französischen Unternehmens würde die Perspektive für Rüsselsheim dramatisch schlechter aussehen.“ Sollten bis zu 2000 Techniker und Ingenieure auf freiwilliger Basis zu Segula wechseln, wäre das aus seiner Sicht ein klares Signal für die Zukunft des Standorts Rüsselsheim.

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