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Suche nach Auszubildenden : 60 Prozent der Firmen fehlen Fachkräfte

Betriebe im Rhein-Main-Gebiet beklagen Fachkräftemangel. Bild: dpa

In der Rhein-Main-Region herrscht gravierender Fachkräftemangel. Nun wollen Betriebe ihre Anforderungen für Auszubildende senken.

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          Erstmals beklagt mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Rhein-Main-Region einen Mangel an Arbeitskräften. 61 Prozent der Firmen hätten nun angegeben, dass ihnen Fachkräfte fehlen, während es fünf Jahre zuvor nur jede fünfte gewesen sei, heißt es in einer Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Frankfurter Goethe-Universität. Basis ist eine Umfrage, an der knapp 1000 Unternehmen teilgenommen hatten.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Mangel bedeutet offenbar nicht nur, dass Betriebe weniger Aufträge annehmen können, sondern auch immer schlechter geeignete Auszubildende und Mitarbeiter einstellen – was Folgen für die Qualität der abzuliefernden Arbeit haben dürfte. So sind immer mehr Unternehmen bereit, ihre Anforderungen an angehende Lehrlinge zu senken. Mehr als jeder dritte Betrieb gab an, inzwischen Kompromisse bei der schulischen Vorbildung zu machen, also etwa beim erwarteten Schulabschluss oder den erreichten Noten.

          Leerstellen bei Lehrstellen

          Dennoch gelingt es gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht, ausgeschriebene Lehrstellen zu besetzen. Etwa jeder zweite Kleinbetrieb mit weniger als zehn Mitarbeitern stellte laut der Umfrage weniger Auszubildende ein als geplant, bei großen Unternehmen war es ein Viertel. Das könnte auch daran liegen, dass kleine und mittelständische Firmen deutlich weniger in die Nachwuchswerbung investieren als große. Von den Unternehmen, die mehr als 250 Beschäftigte haben, werben nur zwei Prozent nicht aktiv um Auszubildende. Bei kleineren Betrieben sind es, je nach Mitarbeiterzahl, bis zu 28 Prozent. Im Branchenvergleich haben vor allem Industriebetriebe und Baufirmen die größten Probleme auf dem Ausbildungsmarkt, während es in der öffentlichen Verwaltung nur wenige Besetzungslücken gibt.

          Der Nachwuchsmangel ist allerdings noch größer, da ein erheblicher Teil der Ausbildungsverträge vorzeitig beendet werden. In etwa drei von zehn ausbildenden Betrieben kam es im Jahr 2018 zu Ausbildungsabbrüchen. Besonders oft passiere dies im Handel, eher selten dagegen in der Industrie und im öffentlichen Dienst.

          Der Nachwuchsmangel ist seit langem absehbar gewesen und dürfte auch noch eine Weile anhalten. Da gerade in den achtziger und neunziger Jahren die Geburtenraten stark gesunken sind, gibt es nun deutlich weniger Jugendliche als früher, die dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung stehen. Zugleich will ein immer größerer Anteil von ihnen lieber studieren. Zusätzlich verschärft wird der Personalmangel dadurch, dass aktuell und in den nächste Jahren relativ geburtenstarke Jahrgänge das Rentenalter erreichen und aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

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