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Betreuung für Hunde : Zu Gast im Pfötchenhotel

  • -Aktualisiert am

Suite mit Gartenblick: Die Gäste von Petra Reinhardts Hundehotel in Bockenheim bekommen auf Wunsch auch ein Himmelbett. Bild: Rainer Wohlfahrt

Tagesstätten für Hunde kümmern sich um die Vierbeiner, wenn das Herrchen zur Arbeit muss oder in den Urlaub fährt. Sie bieten mehr als nur Betreuung.

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          Fünfzehn feuchte Schnauzen recken sich dem Besucher entgegen, der die Hundetagesstätte Nordend an der Bornheimer Landstraße betritt. Das schmale Holzgatter hinter der Ladentheke zu überspringen oder laut zu bellen, das wagt jedoch keiner der Hunde. Nur ein kurzes, freudiges Aufjaulen von Beagle Sunny, dann kehrt wieder Ruhe ein im Rudel. Und auf ein kurzes, aber energisches Schnipsen von Ann-Kathrin Schuhmann verschwinden alle auf ihren Sofaplätzen.

          Die Zweiunddreißigjährige hat das Rudel fest im Griff. Das muss sie auch, denn zwanzig Hunde aller Rassen, vom Chihuahua bis zur Dogge, hat sie an manchen Tagen zu betreuen. Die meisten werden früh morgens von ihren berufstätigen Herrchen gebracht und abends nach der Arbeit wieder abgeholt. Nur die „Urlaubshunde“, wie Schuhmann die Vierbeiner nennt, die bei ihr in Pflege sind, während ihre Besitzer reisen, bleiben auch nachts und am Wochenende.

          Sitzgruppe: Wer sich gut benimmt, darf mit Petra Reinhardt auf dem Sofa kuscheln.

          Entscheidendes Beschnuppern

          Wie der braune Labradorrüde Gando freuen sich die vierbeinigen Besucher der Tagesstätte gleich zweimal am Tag: wenn sie abgeholt, aber auch wenn sie morgens gebracht werden. Denn hier sind sie den ganzen Tag unter ihren Artgenossen, spielen gemeinsam und können sich auf einem riesigen Auslaufgelände außerhalb der Stadt richtig austoben. Danach gibt es Mittagessen für alle, und anschließend wird gemütlich gedöst und eng nebeneinander auf einem Sofa gekuschelt.

          So friedlich geht es nur zu, weil die Rangordnung geklärt ist. Jeder neu hinzukommende Hund muss zunächst seine Position im Rudel finden. Es gibt aber auch Hunde, die sich nicht einfügen und nach einem Tag des Beschnupperns wieder weggeschickt werden müssen. Oft liege das aber eher am Halter als am Hund, vermutet Schumann. Viele Hunde würden zu sehr vermenschlicht, und die Besitzer hätten Angst, sie mit den anderen Hunden allein zu lassen. Dabei könnten die Tiere am besten von ihren Artgenossen lernen und erzögen sich gegenseitig, meint sie.

          Nie Ärger mit Nachbarn

          Der zehnjährige Labradormischling Silas, der seit der Eröffnung der Einrichtung vor vier Jahren dabei ist und das Hunderudel anführt, hat schon manchen Neuankömmling in die Schranken gewiesen. „Ein Blick vom Rudelführer ist eine klare Ansage“, die oft mehr bewirke als jedes menschliche Bemühen und Zureden, sagt Ann-Kathrin Schuhmann. Viel Arbeit für sie und ihre drei Mitarbeiterinnen bleibt dennoch: Sechzig bis siebzig Stunden die Woche habe sie mindestens zu tun, schätzt die lebhafte Mutter einer fünf Jahre alten Tochter. Ihren Bürojob hat sie nach der Geburt ihrer Tochter aufgeben müssen, und auf der Suche nach einer Arbeit, die es ihr ermöglicht, Kind und Karriere zu vereinbaren, kam ihr die Idee mit der Hundebetreuung. Heute tollt die fünfjährige Amelie mit den Hunden herum, während ihre Mutter ein Auge auf Kind und Hund zugleich haben kann.

          Bis die Hundetagesstätte als eine der ersten dieser Art in der Frankfurter Innenstadt eröffnen konnte, war es jedoch ein langer Weg. Die Räume waren schnell gefunden, auch mit den Nachbarn habe es bis heute noch nie Ärger gegeben. Aber die Banken waren skeptisch, als Schuhmann ihren Businessplan vorlegte. Von einem Hundekindergarten hatten die meisten noch nie gehört. Letztlich konnte Schuhmann aber auch die Banken überzeugen und hat heute mit ihrem Geschäftsmodell Erfolg. Obwohl man als Hundebesitzer ganz schön tief in die Tasche greifen muss – 41 Euro kostet die qualifizierte Hundebetreuung pro Tag, günstiger wird es mit der Zwanzigerkarte – ist die Nachfrage enorm.

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