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Frankfurt : Betonblöcke gegen Anschläge mit Lastwagen

Auf Nummer Sicher: Betonblöcke am Rand des Opernplatzes. Bild: Helmut Fricke

Sperren an der Alten Oper, der Hauptwache und der Freßgass’ sollen für Sicherheit sorgen. Ästhetischere Alternativen werden folgen. Ist der Bedarf nach harmonischer Architektur etwa zweitrangig?

          Sicherheit geht vor Ästhetik: Nach diesem Motto haben Stadt und Polizei gestern in der Frankfurter Innenstadt mehr als 40 Betonblöcke aufstellen lassen. Sie sollen Lastwagen oder andere größere Fahrzeuge aufhalten, mit denen Terroristen Anschläge wie in Berlin, Nizza, London oder Barcelona verüben könnten. Weil sie nach einer Sicherheitsanalyse für solche Attentate als Schneisen am ehesten in Frage kommen, wurden zunächst der Platz vor der Alten Oper, die Fressgass’ und die Zufahrt zur Hauptwache abgesperrt.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Provisorien ist der „mobile temporäre Zufahrtsschutz“, so die amtliche Bezeichnung, allerdings kaum zu benennen. Die Blöcke wiegen jeweils 3,6 Tonnen und ruhen auf einer rutschfesten Gummimatte. Sie gehören der städtischen Tourismus und Congress GmbH und haben jeweils etwa 100 Euro gekostet.

          Auf dem Opernplatz stehen nun 18 dieser Blöcke, längs zur gegenüberliegenden Bockenheimer Landstraße, von wo ein Attentäter Fahrt aufnehmen könnte. Durch diese Ausrichtung bilden die Sperren einen größeren Widerstand und würden nach Ansicht von Polizeipräsident Gerhard Bereswill selbst einem 7,5-Tonner standhalten. Eine zweite Blockreihe an der Fressgass’ soll Fahrzeuge stoppen, die an anderer Stelle auf die Einkaufsmeile eingebogen sind. Als weitere mögliche Anfahrtsroute Richtung Zeil via Hauptwache hat die Polizei die Strecke vom Kaiserplatz über den Roßmarkt zur Katharinenkirche ausgemacht. Nach der Sicherheitsanalyse gelten auch die Konstablerwache und der Römerberg als Orte, die angesichts der dort regelmäßig stattfindenden Feste und Märkte demnächst besonders geschützt werden müssen.

          Anspruch, Bedarf und Beschaffenheit

          Laut Bereswill gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass in Frankfurt ein Anschlag geplant ist. Allerdings sei in Deutschland insgesamt die abstrakte Gefahr nach wie vor hoch. Stadtrat Markus Frank (CDU) versprach, die Sicherheit in der Stadt werde Schritt für Schritt erhöht. Und mittelfristig werde es „städtebaulich ansehnliche“ Lösungen geben. Man sei gerade dabei, die Angebote zu sondieren, der Markt dafür wachse angesichts der Terrorgefahr. Gesucht werde ein „Mobiliar“, das nicht nur ästhetisch zum Umfeld passe, insbesondere zur Alten Oper, sondern das auch den Beschaffenheiten des Untergrundes Rechnung trage. Daher sei, wenn man versenkbare Sperren wolle, zu bedenken, wie an diesen Stellen der Boden beschaffen sei. Mit Blick auf die Türme der Deutschen Bank sagte Frank, es sei zum Beispiel fatal, am Finanzplatz Frankfurt Datenkabel zu zerstören. Wenn man das Pflaster aufreiße, werde einem erst klar, was sich darunter alles befinde.

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          Überlegungen, wie der Anlieferverkehr weiter funktionieren und im Notfall trotz der Sperren schnell Hilfe kommen kann, sind laut Frank in das Konzept eingeflossen; sogar der Radius der neuen Drehleitern der Feuerwehr sei bedacht worden. Der Stadtrat bremste jedoch Erwartungen, schon bald könnten die Betonblöcke durch architektonisch anspruchsvollere Barrieren ersetzt werden. Solche Investitionen müssten mittlerweile europaweit ausgeschrieben werden.

          Bisher seien die Reaktionen auf die Quader, die schon in den vergangenen Monaten zum Schutz des Weihnachtsmarktes und der Silvesterfeiern am Main aufgestellt worden seien, weitgehend positiv ausgefallen, fügte Frank hinzu. Auch die Verantwortlichen der Alten Oper hätten der visuell brutalen Störung des harmonischen Gesamteindrucks zugestimmt, ergänzte der Polizeipräsident. Mit Blick auf die vielen Besucher sei die Sicherheit von überragender Wichtigkeit.

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