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Bester Roman 2013 : Buchpreis für Terézia Mora

Der Preis gehört mir: Terézia Mora im Kaisersaal des Frankfurter Römers. Bild: Röth, Frank

Mit dem Buchpreis 2013 für den besten Roman des Jahres wurde Terézia Mora im Frankfurter Römer mit ihrem Buch „Das Ungeheuer“ ausgezeichnet.

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          Als die Entscheidung verkündet und ihr Name gefallen ist, als der kräftige Applaus begonnen hat und sie sich einen Weg durch den hellerleuchteten Kaisersaal und das Gedränge der Fotografen und Kameramänner nach vorne bahnt, hat Terézia Mora keine Dankesrede dabei. Kleingläubig, wie sie sei, habe sie nichts vorbereitet, sagt die 1971 im ungarischen Sopron geborene Autorin. Schließlich wisse sie, dass alles, was für ein Buch spreche, auch gegen es verwendet werden könne. Der Formwille zum Beispiel, den die Jury des Deutschen Buchpreises ihrem Roman „Das Ungeheuer“ bescheinigt hat. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hat die Begründung der sieben Juroren soeben vorgelesen. So bleibt Mora nur der Dank an die, die ihr das Schreiben ermöglichen: „Auch für ein Buch braucht es ein Dorf.“

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber Mora wäre nicht Mora, gelänge es ihr nicht, in ihre Dankesworte die eine oder andere Bemerkung einzuflechten, die beiläufig daherkommt, aber sehr ernst gemeint ist. Die Formulierung zum Beispiel, es komme darauf an, so zu schreiben, dass man mit dem gesamten Leben hinter jedem Satz stehe. Oder den Hinweis, wie dankbar sie dem Juryvorsitzenden Helmut Böttiger für seine Bemerkung sei, es gehe an Abenden wie diesem darum, Gegenwartsromane auszuzeichnen und nicht etwas, das es auch schon im 19.Jahrhundert hätte geben können. Romane, hatte Böttiger zuvor betont, müssten sich für eine Auszeichnung mit dem Buchpreis als Kunstwerke aus Sprache beweisen und mehr sein als nur der Vorwand für ein Drehbuch. Dabei könnte Mora, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin zur Drehbuchautorin ausgebildet wurde, zur Not auch ein Skript abliefern. „Das Ungeheuer“ aber fügt sich der Verwertbarkeit nicht.

          Ein Roman über den Jedermann Kopp

          In ihrem dritten Roman, der Anfang September bei Luchterhand erschienen ist, schildert Mora die Irrfahrt eines ratlosen Mannes, der seine Arbeit verloren hat und nicht weiß, wo er die Asche seiner Frau beisetzen soll, die sich, für ihn völlig überraschend, das Leben genommen hat. Während Darius Kopp mit einer Urne neben sich durch Osteuropa fährt, liest er die Computerdateien, die Flora ihm hinterlassen hat. Ihm wird klar, dass das gemeinsame Leben sich für sie ganz anders ausnahm als für ihn. Kopp, der Jedermann, dem Mora schon den Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ gewidmet hat, soll zu gegebener Zeit ein drittes Buch erhalten. Zunächst aber werden die Verkaufszahlen des „Ungeheuers“ von der Vergabe des Buchpreises profitieren, während seine Verfasserin auf der morgen beginnenden Frankfurter Buchmesse von Termin zu Termin eilt.

          Der Buchpreis, hatte Honnefelder zu Beginn des Abends gesagt, habe dafür gesorgt, dass Schriftsteller heute nicht nur gelesen würden: „Das Publikum will seine Autoren erleben, sehen und hören.“ Er sprach im Kaisersaal zum letzten Mal als Vorsteher des Börsenvereins, dessen neugewählter Vorstand seine Arbeit nach der Buchmesse aufnimmt. Honnefelder blickte zurück: „Wie vor neun Jahren, so bin ich mir auch heute sicher – gäbe es diesen Preis nicht, er müsste sogleich gestiftet werden.“ Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) dankte ihm: „Sie haben sich um das Buch, den Buchhandel und Frankfurt als Sitz des Börsenvereins verdient gemacht.“

          Buchpreis mit 25000 Euro dotiert

          Unter den sechs Verlagen der für den Buchpreis Nominierten waren in diesem Jahr auch Schöffling & Co. und S. Fischer aus Frankfurt. Mehr als 100 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten insgesamt 254 Titel für die Auszeichnung eingereicht. Nominiert waren neben Mora auch Mirko Bonné, Reinhard Jirgl, Clemens Meyer, Marion Poschmann und Monika Zeiner. Während der Buchpreis mit 25000 Euro dotiert ist, erhalten die fünf anderen auf der Shortlist vertretenen Autoren jeweils 2500 Euro. Mora ihrerseits hält im Januar die nächste Frankfurter Poetikvorlesung. Dann wird sie genauer ausführen, was es heißt, wenn sie sagt, es gelte am Buch zu arbeiten, „bis es so gut ist, dass ich es nicht mehr besser machen kann“.

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