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Kommentar : Vertreibung aus dem Paradies

Für die Courtage der Makler gilt nun das Bestellerprinzip. Wer den Wohnungsvermittler beauftragt, bekommt auch die Rechnung. Vorbei die paradiesischen Zustände in Frankfurt - die Branche ist in der Marktwirtschaft angekommen.

          Für viele Mieter war die beim Bezug einer neuen Wohnung fällige Maklercourtage ein besonders lästiges Übel. Oft hatte man den Eindruck, dass sie ungerechtfertigt verlangt wurde. Zumindest die Höhe - zwei Monatsmieten - stand in keinem Verhältnis zum Aufwand. Auf einem begehrten Wohnungsmarkt wie in Frankfurt blieb den Mietern aber nichts anderes übrig, als zu zahlen. Friss oder stirb, lautete die Ansage: Nur wer zahlt, bekommt den Wohnungsschlüssel.

          Für Makler war diese Situation ein Paradies, aus dem sie nun vertrieben wurden. Zwei Monatsmieten war für die Provision zwar nur die Höchstgrenze, es konnte natürlich auch weniger verlangt werden. Weil die Makler aber von der angespannten Marktsituation in Frankfurt profitierten, verlangten sie alle stur den maximalen Satz. Zwei Monatsmieten - ganz gleich, wie hoch der Aufwand tatsächlich war. Es wundert nicht, dass bei derart günstigen Verdienstmöglichkeiten die Branche auch einige schwarze Schafe anzog.

          Vermieter sitzt am längeren Hebel

          Es ist erfreulich, dass das Bestellerprinzip, bis auf Einzelfälle, gut funktioniert und die neuen Regeln eingehalten werden. Nun wird endlich auch für die Branche der Makler die Marktwirtschaft eingeführt. Künftig gilt auch hier: Wer bestellt, der zahlt.

          Ein Eigentümer sitzt am längeren Hebel als ein Mieter. Wenn er einen Auftrag zur Vermittlung der Wohnung erteilt, kann er nicht nur verschiedene Angebote vergleichen. Er wird auch auf einer genauen Abrechnung der tatsächlich erbrachten Leistung bestehen. Nicht immer ist sie zwei Kaltmieten wert. Ein professioneller Makler mit viel Berufserfahrung, der sich bemüht und nicht nur einen einzigen Besichtigungstermin für alle Interessenten ansetzt, muss die Neuregelung nicht fürchten.

          Bestellerprinzip ist gerechter

          Es ist gut, dass die Leistung der Makler endlich angemessen entlohnt wird. Denn wer eine schwer vermietbare Wohnung in Frankfurt- Sindlingen sechs verschiedenen Interessenten präsentiert und sich zudem Gedanken darüber macht, wer gut in die Hausgemeinschaft passt, der hat zu Recht eine höhere Gebühr verdient als ein Makler, der im Frankfurter Westend nur einmal die Tür aufschließt und zwischen vierzig solventen Interessenten wählen kann.

          Die neue Regelung ist demnach nicht nur gerechter als die alte. Dank ihrer dürfte sich auch das Berufsbild des Maklers wandeln. Eine Professionalisierung der Branche ist überfällig. Auch im Sinne der sehr guten Makler, die es ebenfalls gibt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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