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Zwischen Taunus und Wetterau : Wildkatzen auf der Spur

Scheue Samtpfoten: Der BUND untersucht den Bestand der Wildkatzen. Bild: dpa

Der Bund für Umwelt und Naturschutz will untersuchen, ob die scheuen Tiere auch am Übergang vom Taunus in die Wetterau leben. Dafür werden Pflöcke eingerammt.

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          Die Wildkatze führt ein Leben im Verborgenen. Meist hält sie sich tagsüber in Verstecken auf und ruht, bis es dunkel wird, um dann auf Beutefang zu gehen. Dass nur selten jemand sie zu Gesicht bekommt, hat auch damit zu tun, dass die einzelnen Populationen klein sind und häufig nur aus wenigen Tieren bestehen. Ob die scheuen Katzen auch die Butzbacher Wälder durchstreifen, das will jetzt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausfinden. Er wird dabei von der Stadt Butzbach und dem Forstamt Weilrod unterstützt. Geld für die Untersuchung, die bis April stattfinden soll, kommt aus einem Gewinn der Umweltlotterie.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Nachdem es in den vergangenen Jahren gelungen ist, Nachweise für das Vorkommen von Wildkatzen in den Waldgebieten des östlichen Taunus rund um den Kamm des Wintersteins zu erbringen, haben Naturschützer Hinweise darauf, dass auch in den Wäldern um Butzbach Wildkatzen leben. Diese Wälder bilden den Übergang vom Taunus in die Ebene der Wetterau. „Uns interessiert, ob und wie die Wildkatze diesen Randbereich besiedelt“, sagt Joachim Höller vom BUND Butzbach, der die Spurensuche federführend betreibt.

          Herausgefunden werden soll, ob die kleinen Raubtiere etwa den Griedeler Markwald als Lebensraum nutzen. Von Interesse ist auch, ob die Vierbeiner am von Ausflüglern häufig aufgesuchten Butzbacher Hausberg unterwegs sind, ob auch Hecken und Feldgehölze in der Verbindung zur offenen Landschaft der Wetterau ihnen als Unterschlupf dienen.

          Engagement zur Rettung der Wildkatzen

          Um den Tieren auf die Fährte zu kommen, werden Holzpflöcke mit Baldrian besprüht und an verschiedenen Stellen aufgestellt. Man hat herausgefunden, dass dieser Duft Wildkatzen vor allem in der Paarungszeit anzieht. Die Tiere reiben sich an dem Holz – und lassen dabei Haare zurück. Anhand gentechnischer Untersuchungen lässt sich dann herausfinden, ob diese tatsächlich von Wildkatzen stammen. Mit Hilfe dieser Methode ist es immer wieder gelungen, Vorkommen der Wildkatze zu belegen, so auch in der Gegend am Osthang des Taunus. Nicht zuletzt ermöglicht die umweltschonende Bewirtschaftung der großflächigen Laubmischwälder deren Ansiedlung.

          Der BUND engagiert sich seit gut einem Jahrzehnt mit dem unter anderem von der Bundesregierung geförderten Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz dieser Art und ihrer Lebensräume. Einst war die Wildkatze weitverbreitet. Sie ähnelt mit ihrem bräunlich gelb eingefärbten Fell der Hauskatze, unterscheidet sich von ihr allerdings durch einen kräftigeren Körperbau und vor allem das stumpfe Ende des Schwanzes. Besonders die Jagd dezimierte die Bestände, denn viele Jäger hielten die Tiere fälschlicherweise für verwilderte Hauskatzen, und auch freilaufende Hunde machten ihnen zu schaffen. Eingriffe in die Lebensräume der Wildkatze kamen hinzu: Straßen, die Wälder zerschneiden, Landwirtschaft und Siedlungen, die sich immer weiter ausbreiteten. Was zur Folge hatte, dass die Reviere der Wildkatze schrumpften, Rückzugsräume häufig nur noch isoliert bestanden. Damit verringerten sich die Populationen, zudem wurden die Bestände anfälliger für Krankheiten und Inzucht.

          Windkraftanlagen sind nicht das Problem

          Deshalb haben es sich Naturschützer zur Aufgabe gemacht, Waldstücke wieder miteinander zu verbinden. Wenn Wälder durch Korridore vernetzt sind, ist genetischer Austausch zwischen verschiedenen Populationen möglich. Bei der Erweiterung des Lebensraums geht es etwa darum, mit Bäumen, Büschen und Sträuchern bepflanzte Zonen zu schaffen, die es den Tieren ermöglichen, neue Reviere zu erschließen und sich mit Artgenossen anderer Populationen zu vermischen. Was im Übrigen nicht nur hilft, die Wildkatzenbestände zu stabilisieren und zu vergrößern, sondern auch anderen Waldbewohnern wie Rothirsch und dem seltenen Luchs zugutekommt.

          All diese Anstrengungen und strikter Artenschutz haben dazu geführt, dass Schätzungen zufolge heute wieder rund 1000 Wildkatzen in Hessen leben. An der weiteren Wiederausbreitung hindern Wildkatzen nach Ansicht des BUND derzeit vor allem Autobahnen und andere vielbefahrene Straßen. Tatsächlich gehe die größte Gefahr für Wildkatzen heutzutage vom Straßenverkehr aus, zahlreiche überfahrene Tiere in jedem Jahr belegten dies. Der Betrieb von Windkraftanlagen und die hohe Freizeitnutzung des Waldes hätten die Wildkatze nach bisherigen Erkenntnissen hingegen nicht aus ihrem Lebensraum vertreiben können. Es kommt also besonders darauf an, Korridore so anzulegen, dass die Tiere nicht unter die Räder kommen.

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