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Beschäftigungsprognosen : Unternehmen wollen auch 2012 und 2013 einstellen

Stabil: Die Unternehmen in Rhein-Main sind trotz nachlassenden Wachstums guten Mutes für die nächsten Jahre. Bild: Sick, Cornelia

Beschäftigungsprognosen des Frankfurter Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur sowie von Hessenmetall gehen trotz abgeschwächten Wachstums von steigender Beschäftigung aus.

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          In der Region Rhein-Main ist auch im nächsten und im übernächsten Jahr mit einem Anstieg der Beschäftigung zu rechnen. Das geht aus der jüngsten Studie hervor, die das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (Iwak) der Universität Frankfurt gestern vorgelegt hat. Die Untersuchung, die das Iwak seit 1995 erstellt, ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Arbeitsagentur Hessen entstanden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Basis der Studie ist die Befragung von 1300 Unternehmen in Rhein-Main. Die hat nach Angaben des Institutsleiters Alfons Schmid trotz der allgemein erwarteten Abschwächung des Wirtschaftswachstums ergeben, dass in den Unternehmen eine „weitgehend positive Beschäftigungserwartung“ besteht. Bis Ende 2013 ergibt sich demnach ein Beschäftigungszuwachs von gut 1,6 Prozent. Das verteilt sich auf ein Plus von einem Prozent im nächsten Jahr und einem in Höhe von 0,6 Prozent im Jahr darauf. Wie Schmid allerdings weiter sagte, nimmt der Prognose zufolge die Beschäftigung, bei der Sozialversicherungsbeiträge fällig werden, im nächsten Jahr lediglich um 0,5 Prozent zu.

          Befürchtung vor Fachkräftemangel

          Alles in allem erwarten die mittelgroßen Betriebe mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 249 den größten Beschäftigungszuwachs. Das gilt dort sowohl für die Gesamtbeschäftigung wie auch für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (siehe Grafik links). Großbetriebe gehen dagegen zwar eher von einer Stagnation aus. Da sie in den Jahren zuvor aber in den Prognosen immer mit einer deutlich negativen Beschäftigungsentwicklung auffielen, ist das auch schon wieder ein eher positiver Befund der Untersuchung, wie es gestern weiter hieß.

          Im Vergleich zum Jahr 2007 hat sich aber die Befürchtung in den Unternehmen verstärkt, von einem Mangel an Fachkräften betroffen zu sein. Vor vier Jahren war es noch ein Fünftel aller befragten Betriebe, die sich deshalb sorgten, inzwischen sind es knapp 30 Prozent. Am häufigsten reagieren die Betriebe der Studie zufolge auf die steigende Sorge mit einer Intensivierung der betrieblichen Ausbildung.

          Verhalten optimistisch

          „Die anhaltend positiven Beschäftigungserwartungen der Betriebe sind erfreulich und lassen durchaus mit Optimismus in die Zukunft blicken. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass sich die Betriebe zunehmend mit möglichen Auswirkungen der demographischen Entwicklung auseinandersetzen und entsprechend agieren“, kommentierte Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, die Ergebnisse der Iwak-Betriebsbefragung.

          Zumindest verhalten optimistisch blickt auch die Metall- und Elektroindustrie zwischen Kassel und dem Odenwald in die nähere Zukunft. Nach einem deutlichen Umsatzzuwachs und einem Beschäftigungsaufbau rechnet der Arbeitgeberverband Hessenmetall für das erste Halbjahr 2012 mit schwächer steigenden Erlösen, aber mehr Arbeitsplätzen. Dies sagte Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender gestern in Frankfurt bei der Präsentation der Herbst-Konjunkturumfrage des Verbands, für die 238 Unternehmen mit 113.000 Mitarbeitern befragt wurden. Demnach schätzen nur acht Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als schlecht ein. In elf Prozent der Fälle ist von einer sehr guten und in 51 Prozent von einer guten Geschäftslage die Rede. Für das nächste halbe Jahr rechnen laut Fasbender zwei Drittel der Betriebe mit einer Stagnation und 13 Prozent mit besseren Geschäften. Ein Fünftel stelle sich „eher“ auf einen Abschwung ein.

          Mehr Geld als zuletzt in Erweiterungsinvestitionen und die Mitarbeiterqualifikation

          Diese Einschätzungen spiegeln die Auftragslage wider: Für gut die Hälfte der Betriebe sind die Auftragsbestände ausreichend, gut ein Drittel bezeichnet sie als verhältnismäßig groß, ein Zehntel ist unzufrieden. Für das Frühjahr 2012 erwarten fast zwei Drittel der Betriebe unveränderte Auftragsbestände.

          Vergangene Woche hatte das Statistische Landesamt einen sinkenden Auftragseingang für Teile der Metallindustrie gemeldet. Im Maschinenbau ging der Wert der Bestellungen binnen Jahresfrist um 2,6 Prozent zurück, unter Autobauern und Autozulieferern aber um 19 Prozent. Hessenmetall sehe angesichts dessen noch keine dramatische Eintrübung, aber schon eine Abschwächung nach einem absehbaren Umsatzplus von 15 Prozent auf rund 60 Milliarden Euro in der Branche bis Jahresende. Zumal die Betriebe in der Mehrheit mit gleichbleibenden (57 Prozent) oder steigenden Erlösen (22 Prozent) kalkulierten und weitere Stellen schaffen wollten. Nach einem Zuwachs um 3,2 Prozent auf gut 210.000 Stellen seit Herbst 2010 sei mit einem weiteren Plus von 0,7 Prozent oder 800 Stellen zu rechnen. Die Industrie in Hessen festige ihre Rolle als Wachstumstreiber, nachdem das „Jobwunder“ seit der großen Krise 2008/09 in weiten Teilen dem verarbeitenden Gewerbe zu verdanken gewesen sei.

          Wie sich aus der Herbstumfrage ergibt, wollen die Unternehmen in den nächsten Monaten sogar mehr Geld als zuletzt in Erweiterungsinvestitionen und die Mitarbeiterqualifikation stecken. 22 Prozent bilden über Bedarf aus, um dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. Allerdings nehmen sich nur zwölf Prozent ausdrücklich auch „förderungsbedürftiger“ junger Menschen an. Der für das Tarifwesen zuständige Geschäftsführer Helmut Rau gestand zu, dass die Unternehmen sich noch mehr anstrengen müssten. Hessenmetall fordert auch mehr Einsatz der Schulen für naturwissenschaftliche Fächer. In den Klassen 5 und 6 sollte nach dem Vorbild Baden-Württembergs das Fach „Naturphänomene“ eingeführt werden.

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