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Beruf des Busfahrers : Bespuckt, bedroht und angeschrien

Mehr Nähe zum Kunden: Fahrkartenkontrolle direkt beim Busfahrer. Bild: Cornelia Sick

Busfahrer sollen ihre Fahrgäste besser in Augenschein nehmen können: Deswegen müssen Kunden der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft künftig vorne einsteigen.

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          Busfahrer sollen nicht nur die Gäste pünktlich zum Zielort befördern, sondern sind auch für die Sicherheit im Fahrzeug verantwortlich. Keine einfache Aufgabe, denn in Zeiten der immer rauher werdenden Umgangsformen fehlt es häufig am nötigen Respekt gegenüber den Kapitänen der Straße. Gewalt und geringe Wertschätzung ist mittlerweile trauriger Bestandteil des Berufs. Dem will will die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) nun entgegenwirken.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Die Busfahrer in den 100 Fahrzeugen sollen von ihren Fahrgästen künftig wieder mehr wahrgenommen werden. Mit der Aktion unter dem Motto „Vorne einsteigen im MTK“ will die MTV die Wertschätzung der oftmals einer Bedrohung durch Fahrgäste ausgesetzten Fahrzeugführer verbessern. Wie MTV-Geschäftsführer Roland Schmidt erläuterte, würden alle Fahrgäste künftig gebeten, durch die Fahrertür in den Bus einzusteigen und unaufgefordert ihr Billett zu zeigen. Die hinteren Türen würden im neuen Jahr nur noch zum Ausstieg geöffnet. Von der Regelung seien allein in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen, Mütter mit Kinderwagen, Radfahrer oder Menschen mit sehr sperrigem Gepäck ausgenommen.

          Verrohung in der Gesellschaft

          Die Verkehrsgesellschaft reagiert laut Verkehrsdezernent Johannes Baron (FDP) ein Stück weit auf die Verrohung in der Gesellschaft, die Busfahrer hautnah erleben müssten. Es wäre doch schön, wenn Fahrer und Kunde wieder in Kontakt träten und sich vielleicht beim Einstieg grüßten. Derzeit stiegen Fahrgäste zumeist wortlos und ohne Kommunikation hinten ein. Wichtig sei aber, dass der Busfahrer wieder als eine Respektsperson wahrgenommen werde, der im Bus Hausrecht ausspreche und dessen Ansagen befolgt werden, sagte Baron. Das klappe auch bei den Beförderungen von Schülern immer weniger. Die jungen Menschen stiegen mit ihren großen Rucksäcken hinten ein und versperrten zumeist die Türen, ohne in die Gänge zu rücken oder ihre Rucksäcke abzunehmen. In der Folge müssten zusätzliche Busse eingesetzt werden, die eigentlich nicht gebraucht würden, wenn sich jeder Fahrgast vernünftig und rücksichtsvoll verhalten würde, berichtete Baron.

          Als einen wichtigen Nebeneffekt führte Schmidt die Bekämpfung der Schwarzfahrer an. Von den täglich 15. 000 Gästen führen nach Durchschnittswerten etwa vier bis sechs Prozent ohne einen Fahrschein. Konkrete Erhebungen gebe es nicht, da die Verkehrsgesellschaft im vergangenen Jahr genug damit zu tun gehabt habe, die chaotischen Fahrplanänderungen zu bewältigen. Künftig aber würden 2020 verstärkt in den Bussen Kontrolleure eingesetzt und das besondere Augenmerk auf das Thema Sicherheit gelenkt, sagte Schmidt.

          Wie „die ärmste Sau“

          Wie sehr die Fahrer unter den teilweise heftigen verbalen Beschimpfungen, Bedrohungen und teilweise sogar Handgreiflichkeiten litten, beschrieben Vertreter von DB Region Bus Mitte. Ein Busfahrer müsse sich heutzutage fühlen wie „die ärmste Sau“, sagte Silvio Büchner. Sie würden mitunter absichtlich mit Kaffee überschüttet oder bespuckt und die Solidarität anderer Fahrgäste mit demjenigen, der sie ja sicher an ihren Bestimmungsort bringe, fehle gänzlich. Fahrgäste schauten nur betreten auf den Boden und schwiegen. Bedrohungen richteten sich oft auch gegen die Familien der Busfahrer. Oft bekämen sie zu hören: „Warte, wenn ich dich privat erwische.“

          Wie wenig Unterstützung ein Busfahrer im Ernstfall sogar von den Ordnungshütern erhalten habe, machte Uwe Pusztai an einem Beispiel fest. Ein Busfahrer habe einen Fahrgast des Busses verwiesen, worauf dieser ihn in einem Privatfahrzeug verfolgt und dem Bus mit dem Auto den Weg versperrt habe. Als der Busfahrer den Rowdy, der auch noch handgreiflich wurde, anzeigen wollte, habe ihm die Polizei vermittelt: „So etwas muss ein Busfahrer aushalten.“ Erst im dritten Anlauf mit Unterstützung übergeordneter Stellen sei die Anzeige aufgenommen worden, berichtete Pusztai.

          MTV-Geschäftsführer Schmidt hofft nun darauf, dass solche Situationen bald zur Seltenheit werden. Die Busfahrer würden ebenso geschult, deeskalierend auf ihre Fahrgäste einzuwirken. Bis sich das neue Einsteige-System eingespielt habe, könne es zu kleinen Verspätungen kommen. Falls jeder Kunde seinen Fahrschein schon beim Einstieg bereithalte, sei dies eine große Mithilfe. An allen Haltestellen und in den sozialen Netzen macht die MTV die Fahrgäste auf die neue Regelung aufmerksam.

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