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Wetz verlässt Hochschule : „Mischung aus Pedant und Luftikus“

Das Ende einer prägenden Zeit: Bernhard Wetz verlässt die Frankfurter Musikhochschule. Bild: Wonge Bergmann

Nach 35 Jahren verlässt Bernhard Wetz die Frankfurter Musikhochschule. Jetzt möchte er ein Buch schreiben, ein Post-College gründen und mit dem Wohnmobil reisen.

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          Viele seiner Vorfahren seien Gaukler gewesen, sagt Bernhard Wetz. Noch seine Urgroßmutter sei in der Wetterau, wo die Familie herkommt und er bis heute wohnt, singend durch die Straßen der Orte gezogen und habe Kurzwaren verkauft. Sein Vater sei ebenfalls ein Geschichtenerzähler und Musikant gewesen, der bei jedem Fest die Quetschkommode, die Gitarre oder ein anderes Instrument zur Hand genommen habe. Dass der Sohn einmal Professor für Klavier und Präsident der Frankfurter Musikhochschule werden sollte, ahnte der Vater da allerdings wohl noch nicht. Bernhard Wetz, der in diesem Frühjahr sogar vom Weltstar Lang Lang als Didaktik-Dozent zu zwei Festivals nach China eingeladen wurde, scheint durchaus stolz auf seine Wurzeln zu sein und glücklich darüber, dass er „in einfachen Verhältnissen“ zur Musik kam. „Das Musikantische, das ich von Kindheit an kennengelernt habe, geht klassisch ausgebildeten Musikern oft ab.“

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar konnte er als Kind früher Noten lesen als Wörter. Doch habe er, als er mit elf Jahren in Gottesdiensten die Orgel zu spielen begann, immer nur nach Gehör begleitet und improvisiert. Geboren 1954, sei er zudem mit den Beatles und den Rolling Stones aufgewachsen und so mit 14 Jahren „in die Popszene geraten“. Von da an ist er als Keyboarder einer Band aufgetreten, etwa in von amerikanischen Soldaten besuchten Nachtclubs. Ende der sechziger Jahre hatte Wetz aber ein Erweckungserlebnis, als er den Pianisten Radu Lupu in Frankfurt beim Hessischen Rundfunk mit dem d-Moll-Klavierkonzert von Brahms hörte. „Die Musik“, erzählt er, „hat sich da so eruptiv, so gesangvoll, aber auch voller Energie und Trotz vermittelt, dass ich heute noch Gänsehaut bekomme, wenn ich daran denke.“ Er fasste an diesem Abend den Entschluss: „Das will ich auch mal spielen, richtig mit Orchester.“ Von da an habe er ernsthaft Klavier geübt und die Popmusik als passé betrachtet.

          Die Liebe zu Brahms ist Wetz bis heute geblieben. Wenn er nun zum Ende dieses Wintersemesters nach 35 Jahren und damit als derjenige, der hier am längsten in Kontinuität gelehrt hat, in den Ruhestand geht, so geschieht das mit Musik des Komponisten, den er für die Kombination aus Konstruktionskunst und „gigantischem menschlichen Ausdruck“ am höchsten schätzt: Schüler, Freunde und er selbst führen am Wochenende von Freitag bis Sonntag an drei Abenden fast das gesamte Solo-Klavierwerk von Brahms in der Musikhochschule auf.

          Großer Teil der Identität

          Dass diese Musikhochschule einen großen Teil seiner Identität ausmacht, wie Wetz sagt, leuchtet unmittelbar ein. Schließlich begann er hier schon 1974 seine Ausbildung. Parallel durchlief er in jeweils verkürzter Studienzeit und mit Auszeichnung in allen Examina die Ausbildung zum Klavierpädagogen, die künstlerische Ausbildung als Pianist und ein Musiktheoriestudium. Mit gerade einmal 26 Jahren bekam er einen Lehrauftrag für Gehörbildung und Tonsatz. Nebenbei habe er sich „selbst vermarktet“, viele Konzerte gegeben, aber auch „die Einsamkeit des umjubelten Pianisten“ und das anstrengende Tourneeleben fürchten gelernt. Er wollte lieber Hochschullehrer werden, zumal das seiner „Lust zu sprechen und etwas weiterzugeben“ entgegenkam.

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