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Wo Start-ups mietfrei arbeiten : Berlin? Eschborn!

Wahl-Eschborner: Alexander Avramopoulos mit Gründern in Räumen seiner Holding Triple-A in Eschborn Bild: Wolfgang Eilmes

Eine Beteiligungsgesellschaft zieht von Berlin nach Eschborn. Die Firma, die Start-ups nach vorne bringen will, muss keine Miete zahlen. Dafür enthält ihre Übereinkunft mit ihrem Vermieter eine ungewöhnliche Vorgabe.

          Berlin, Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: Was Fußballfans in der Hoffnung auf das Pokalfinale gerne lauthals singen, gilt auch für Start-ups. Ist Berlin doch ohne Zweifel die deutsche Hauptstadt der Unternehmensgründer. Vertreter der Finanztechnologie etwa berichten über Dutzende Start-ups aus ihrer Branche, während Frankfurt lediglich auf gut ein Dutzend sogenannter Fintechs komme. Doch es muss nicht immer Berlin sein. Alexander Avramopoulos ist der lebende Beweis.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die von ihm geführte Beteiligungsgesellschaft Triple-A-Holding sitzt zwar formal in Berlin, doch seinen Alltag verbringt Avramopoulos längst vor allem im Rhein-Main-Gebiet. „Wir dachten, wir würden den Fokus auf Berlin halten, aber tatsächlich sind wir jetzt hauptsächlich hier“, sagt er. Hier - das sind die Geschäftsräume in Eschborn. Dort hat sich die Triple-A-Holding im Souterrain eines Bürohauses eingemietet. Um diesen Ort rankt sich eine ganz lustige Geschichte. Aber bevor die zu erzählen ist, stellt sich eine ganz grundlegende Frage: Weshalb hat die Beteiligungsgesellschaft, die junge Unternehmen zum Erfolg führen möchte, nur noch ihr Spielbein in Berlin, ihr Standbein aber in der reichsten Kommune in Hessen?

          Was Frankfurt so kaum bietet

          Eschborn ist eine Standort-Liebe auf den zweiten Blick. Der erste Blick in das Rhein-Main-Gebiet ging naturgemäß nach Frankfurt. Wegen des Flughafens und weil viele Investoren hier sitzen, wie Avramopoulos sagt. Er kennt die Stadt von früher, er hat Wirtschaftsrecht an der European Business School (EBS) studiert. Ganz altmodisch nennt er die EBS „meine Alma Mater“.

          Wer Frankfurt kennt, der weiß: Leerstand prägt den Markt für Büroimmobilien. Rund 1,8 Millionen Quadratmeter sollen unbelegt sein. Dass Triple-A dennoch nicht in Frankfurt ein Büro gefunden hat, hängt mit den Anforderungen der jungen Firma zusammen: „Viele Stellplätze, eine niedrige Miete und ein Aldi gegenüber“ - das sollte der neue Standort im Rhein-Main-Gebiet bieten. Der Haken: „Das trifft auf viele Frankfurter Lagen nicht zu“, wie Christian Lanfer vom Maklerunternehmen JLL weiß.

          Doch nicht nur das: Lanfer kannte die Firma von Avramopoulos schon von gemeinsamen Begegnungen in Berlin. Nachdem er von dessen Wunsch gehört hatte, sich auch im Frankfurter Raum niederzulassen, ließ Lanfer seine Kontakte spielen und vermittelte Avramopoulos zur Phoenix Real Estate Development. Dieser Immobilienentwickler sitzt zwar in Frankfurt, zieht aber in Eschborn derzeit für den Schweizer Uhrenkonzern Swatch die neue Deutschland-Zentrale hoch. Zudem verfügt Phoenix schon über Bürohäuser in der Taunusstadt. Aber nicht alle Räume sind vermietet. Ein Bürokomplex steht nach den Worten von Phoenix-Prokurist Roger Haag vor dem Abriss. Gut zwanzig Jahre sei der Bau an der Frankfurter Straße alt - „da zieht keiner mehr rein“. Ein Bürogebäude ein paar Schritte weiter gehört ebenso zu Phoenix. Da kam Haag nach Gesprächen mit den Berlinern auf die Idee, Triple-A und ihren Töchtern Räume zu überlassen - und das sogar mietfrei.

          „Kleiner Samen für die Zukunft“

          Allerdings ist Triple-A nicht ganz ohne Auflage davongekommen: Jeden ersten Donnerstag im Monat müssen die Gründer für die Mitarbeiter im Haus und in den umliegenden Firmen grillen, dafür steht eine Art Western-Planwagen bereit. Und die Würstchen bezahlt sogar Phoenix. Auf die Frage, was der Entwickler davon habe, antwortet Haag mit einer Gegenfrage: „Wo gibt es einen solchen Ort für Start-ups in Rhein-Main?“ Dies sei ein „kleiner Samen für die Zukunft“. Was daraus werde, sei nicht planbar. Phoenix mache, was die Wirtschaftsförderung tun könnte - „im Prinzip“.

          Für Avramopoulos gleicht das Büro-Arrangement einem Geschenk. In den Räumen sitzen junge Männer an Laptops, für Präsentationen und Gespräche mit Geldgebern gibt es einen Besprechungsraum, wer müde ist, kann auf einem Sofa ein Nickerchen machen. Und Kaffee gibt’s auch, nicht nur zum Wachwerden. Nicht jeder kommt zum Arbeiten nach Eschborn - andere sitzen im Homeoffice in Mörfelden-Walldorf oder Niederrad. Falls sie doch ins Büro müssen, sind sie von dort aus schnell da. Auch deshalb ist Eschborn für Triple-A „sehr attraktiv“.

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