https://www.faz.net/-gzg-7dqvt

Bereitschaftsdienst der Kassenärzte : Erstdiagnose per Telefon

Und manchmal eine Nachfrage auf Türkisch: Umut in der Telefonzentrale des Bereitschaftsdienstes der Kassenärzte in Eckenheim. Bild: Fiechter, Fabian

Wer nachts oder am Wochenende medizinische Hilfe braucht, aber seinen Hausarzt nicht erreichen kann, wird an den Bereitschaftsdienst der Kassenärzte verwiesen. Die Mitarbeiter dort veranlassen Hausbesuche oder schicken die Patienten in eine Ambulanz.

          4 Min.

          “Haben Sie Fieber?“ Das ist eine der Standardfragen von Stefanie und Umut. Die 27 Jahre alte Rettungsassistentin und der vierundzwanzigjährige Student, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollen, arbeiten in der Telefonzentrale des Bereitschaftsdiensts der Kassenärzte in Frankfurt. Unter der Rufnummer 1 92 92 melden sich dort Menschen, die abends oder am Wochenende medizinischen Rat brauchen. In der Dispositionszentrale wird dann entschieden, ob ein Arzt zu dem Kranken kommen muss, ob der Patient selbst einen Doktor aufsuchen kann oder ob vielleicht sogar der telefonische Rat eines Mediziners ausreicht.

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Zentrale, in der Stefanie und Umut als Angestellte der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) arbeiten, befindet sich in der Hauptfeuerwache in Eckenheim. Große Glaswände trennen die Telefonplätze von der Rettungsleitstelle der Feuerwehr - entsprechend eng ist die Zusammenarbeit. Wenn das Leben eines Patienten akut bedroht sei, werde der Anruf gleich an die Notrufnummer 112 weitergeleitet, berichtet der Leiter der Dispositionszentrale, Jan Riehle. Das sei in sieben bis elf Prozent der Fälle nötig. Andererseits bekomme der Bereitschaftsdienst von der Feuerwehr die weniger dringenden Fälle, was wiederum gut acht Prozent der Anrufe ausmache. „Wir können so auch viele unnötige Rettungsdiensteinsätze verhindern“, sagt Riehle.

          „Wir sind nicht an Hilfsfristen gebunden“

          Seine Zentrale ist schon seit einiger Zeit nicht mehr nur für die Stadt Frankfurt, sondern auch für Offenbach, die Wetterau sowie für Teile des Main-Kinzig- und des Main-Taunus-Kreises zuständig. Selbst Anrufe von Hilfesuchenden aus Nordhessen landen hier, weil sich zum Beispiel auch Melsungen, Wolfhagen und der Werra-Meissner-Kreis angeschlossen haben. Insgesamt 1,4 Millionen Menschen, also rund ein Viertel aller Hessen, werden von Frankfurt aus betreut. Nach der geplanten Reform sollen es noch mehr sein.

          Während die Mitarbeiter in der Rettungsdienst-Leitstelle alle Notrufe innerhalb von einer Minute aufnehmen müssten, könnten sich seine Leute mehrere Minuten Zeit für die Anrufer nehmen, sagt Riehle. „Wir sind nicht an Hilfsfristen gebunden.“ Manchmal sei sogar ein Rückruf notwendig. Und wegen dieser Erfahrungen aus dem Modellprojekt in Frankfurt habe man sich gegen die Zusammenlegung mit den Rettungsleitstellen entschieden. In den vergangenen sechs Jahren hat Riehle, der früher für das Rote Kreuz den Rettungsdienst koordinierte, die Zentrale ausgebaut.

          Medizinisches Verständnis müssen alle haben

          Tatsächlich ist kaum ein Gespräch von Stefanie oder Umut nach nur einer Minute beendet. Die Gesprächspartner sind oft aufgeregt, wissen nicht, wie sie ihre eigenen oder die Beschwerden eines Angehörigen beschreiben sollen. Einige der Hilfesuchenden sprechen undeutlich, haben einen starken Dialekt oder können kaum Deutsch. Rettungssanitäter Umut fragt dann mitunter auf Türkisch nach und führt das Gespräch gegebenenfalls in seiner Muttersprache weiter - ein glücklicher Zufall für die Anrufer, denn eigentlich werden von den Mitarbeitern der Zentrale lediglich gute Englischkenntnisse erwartet.

          Eines allerdings müssen alle 40 Kollegen mitbringen, die haupt- oder nebenberuflich in der Zentrale Anrufe entgegennehmen: medizinisches Verständnis. Sie haben Ausbildungen als Arzthelferin, Krankenschwester, Krankenpfleger, Rettungsassistent oder Sanitäter absolviert oder studieren Medizin. Derzeit sind stets fünf Mitarbeiter zur gleichen Zeit anwesend, nach der Reform bis Ende 2014 sollen dann 20 statt sechs Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Topmeldungen

          Atomkraft: Zu Unrecht undiskutabel?

          Energiewende unter der Ampel : Die Atom-Diskussion wagen

          Die Energiewende ist kein einfaches Unterfangen. Die Ampel möchte vermehrt auf erneuerbare Energien setzen, aus Gründen des Klimaschutzes. Eine andere Energiequelle fällt aus der Diskussion.
          Angela Merkel auf ihrem wohl letzten EU-Gipfel

          EU-Streit mit Polen : Keine Lösung, aber auch kein Eklat

          Angela Merkel hat in ihren 16 Jahren als Kanzlerin etliche Konflikte auf EU-Gipfeln erlebt. Bei ihrem wohl letzten Auftritt auf europäischem Parkett bringen ihre Vermittlungsversuche im Konflikt mit Polen keine konkreten Fortschritte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.