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Eintracht Frankfurt : Hoffnung in homöopathischer Dosis

Keine besonders komfortable Situation: Marco Russ und die Eintracht brauchen dringend Erfolgserlebnisse, sonst folgt den vielen Ausrutschern noch der Absturz. Bild: Reuters

Das fünfte Spiel in Folge ohne Sieg setzt die Eintracht vor der Reise nach Berlin noch mehr unter Druck: „Der Kopf macht schwere Beine.“ Fragezeichen hinter Zambrano.

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          Der Zustand bleibt angespannt. An der unschönen Lage am unteren Ende der Tabelle hat sich nichts gebessert. Wenigstens ist sie aber nach der Begegnung mit den Schalkern nicht noch schlechter geworden. Wer, wie die Eintracht, lediglich drei Mannschaften hinter sich weiß, aber von vierzehn, teilweise um Längen, abgehängt wurde, kann nicht sonderlich wählerisch sein, wenn es darum geht, die nötigen Zähler zusammenzukratzen, um im Kampf gegen den Abstieg nicht hinten runterzufallen. Für das zweite torlose Remis (und das fünfte Spiel ohne Sieg) in Folge gab es immerhin den 23. Punkt. Er sorgte dafür, dass der Abstand nach unten gewahrt wurde: Bremen auf dem Relegationsplatz (21), Hoffenheim (18) und Hannover (17) stehen weiterhin noch schlechter da.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Gegen jeden dieser Klubs müssen die Frankfurter noch antreten; zweimal haben sie dabei Heimrecht, das könnte sich als Vorteil erweisen, ehe es zum Saisonfinale im Mai, wenn in den verbleibenden elf Partien nichts Außergewöhnliches passiert, dann zum Showdown an der Weser käme. Die Hoffnung der Eintracht, dass es mit dem Klassenverbleib tatsächlich etwas wird, ließ sich durch das Unentschieden gegen die über weite Strecken einfallslosen Gelsenkirchner allenfalls in homöopathischer Dosis steigern. „Der Punkt ist vermeintlich zu wenig. Aber es ist wichtig, dass wir nicht verloren haben“, lautete das Fazit von Trainer Armin Veh.

          „Wir haben den Schulterschluss mit den Fans hingekriegt“

          Es war bereits das sechste Mal in dieser Saison, dass die Frankfurter Anhänger gar keine Treffer ihrer Lieblinge zu sehen bekamen. Buhrufe, wie unlängst nach der Enttäuschung gegen Hamburg blieben am Sonntag beim Abpfiff aber aus. Stattdessen wurden die bemühten, aber bis zum Schluss ohne Struktur anrennenden Profis mit Applaus verabschiedet. „Wir haben den Schulterschluss mit den Fans hingekriegt“, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Aus seinen Worten klang Erleichterung heraus, denn mit Spannung war erwartet worden, wie das Publikum auf die unglücklichen Aussagen von Veh nach dem HSV-Spiel reagieren würden. Die anschließenden Appelle von Kapitän Alexander Meier und die Botschaften des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, die Rückendeckung für Veh signalisieren sollten, zeigten – vorerst – Wirkung.

          Veh sagte zum Ausgang des Abends: „Wir müssen es positiv sehen.“ Er, dem nur Erfolgserlebnisse wirklich helfen, um mit neuem Kredit weiterarbeiten zu können, musste sich in den zurückliegenden Wochen oft den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Sache mit falschem Augenmaß angeht: Er gilt grundsätzlich als Befürworter einer offensiven Taktik, wobei auf die Absicherung nach hinten nicht ganz so viel Wert gelegt wird. Außenverteidiger stehen bei ihm üblicherweise in der Grundordnung auf Höhe der Mittellinie, was sie im besten Fall zu verkappten Flügelstürmern umfunktioniert; gleichzeitig nach Ballverlusten aber dem Gegner Einfallsschneisen aufzeigt, in die er in den Rücken der Abwehr vorstoßen kann. Gegen Schalke drohte diese Gefahr nicht, auch weil fast achtzig Prozent der Frankfurter Zuspiele ihren Abnehmer fanden. Die Eintracht hatte den Gegner, der kürzlich in der Europa League krachend scheiterte, über weite Strecken unter Kontrolle.Bei den meisten Aktionen handelte es sich freilich um Querpässe, ansehnliche Ballstafetten, zum Beispiel über die Männer am Spielfeldrand, kamen kaum zustande.

          Spieler kommen mit der Erwartungshaltung nicht klar

          „Das war kein attraktives Spiel für die Zuschauer“, sagte André Breitenreiter anschließend, was nicht zuletzt an seiner Elf lag, von der nicht klar wurde, ob sie nicht konnte oder nicht wollte. Der Eintracht spielte das in die Karten. Sie übernahm in der zweiten Halbzeit die Hoheit auf dem Platz – ohne daraus zählbaren Gewinn zu erwirtschaften. Die Schalker beschränkten ihren Beitrag zur Unterhaltung der Zuschauer auf ein Mindestmaß und konnten von Glück sagen, dass Meier nach einer Stunde ihre Lethargie nicht bestrafte. Chancen wie diese, die sich dem Kapitän der Eintracht mit dem Kopf bot, lässt sich der Goalgetter in aller Regel nicht entgehen. Doch er bekam keinen Druck hinter den Ball, so dass Schlussmann Ralf Fährmann, einst von 2009 bis 2011 sein ehemaliger Mitspieler bei der Eintracht, mit einem Satz zur Seite die Kugel noch mit der Hand abwehren konnte. Der Führungstreffer wäre zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient gewesen, denn zuvor hatte schon Marco Russ nach einem Freistoß das Spielgerät gegen die Latte gesetzt, bevor David Abraham mit dem Nachschuss an Fährmann gescheitert war (24.).

          Hellmann wertete den Verlauf der Partie als leichtfertig vergebene Chance. „Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Champions-League-Teilnehmer so präsentiert. Wir haben drei Punkte auf dem Silbertablett serviert bekommen – aber wir haben nicht zugegriffen“, ärgerte er sich. Für Bruchhagen sah es so aus, als seien die Profis einmal mehr mit der Erwartungshaltung nicht klargekommen: „Als ob unsere Spieler einen Rucksack aufgehabt hätten.“ Einer Einschätzung, der Russ nicht widersprach: „Die Situation ist schwierig“, sagte der Routinier, der sich nach Kräften mühte und dem dabei immer wieder Stockfehler unterliefen, doch mit seiner Einsatzbereitschaft auch Zeichen setzte. „Mit dem einen Pünktchen kommen wir nicht weit. Wir können froh sein, dass unter uns nur Hannover gewonnen hat“, sagte er. Die Verunsicherung sei allenthalben zu spüren, sowohl „Lockerheit als auch Glück“ hätten gefehlt, „Wir waren verkrampft und haben nicht das abgerufen, was wir können“, sagte Russ. Die Konstellation beschäftigte alle: „Wir haben Druck.“

          Und der wird so schnell nicht abnehmen. Nun droht der Ausfall von Carlos Zambrano. Der Innenverteidiger wurde wegen eines Pferdekusses am Oberschenkel vorzeitig ausgewechselt. „Es wird eng“, lautete die persönliche Prognose des Peruaners für das Hertha-Spiel an diesem Mittwoch. Für das gesamte Team hat diese Aussage noch weit über den 24. Spieltag hinaus Gültigkeit.

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