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Beratung in der Not : Plötzlich ist die Wohnung weg

  • -Aktualisiert am

Auf Wohnungssuche: Wenn plötzlich der Auszug droht. Bild: dpa

Wenn eine Beziehung zerbricht, dann kann auch einer der Partner das Dach über dem Kopf verlieren. Im hessischen Rödermark kann man sich dann an Malvina Schunk wenden.

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          Es gibt viele Gründe, warum jemand seine Wohnung verliert. Die Trennung vom Partner, der Auszug aus dem gemeinsamen Domizil und die vergebliche Suche nach einer neuen Bleibe können dafür die Ursache sein. Auch eine Räumungsklage, wenn die Miete nicht gezahlt wird, ein Schicksalsschlag, der jemanden aus der Bahn wirft, Arbeitslosigkeit, Alhohol- oder Drogensucht, physische oder psychische Krankheiten und Überschuldung kommen als Erklärung für Wohnungslosigkeit in Frage.

          Wenn es so weit gekommen ist, sind die Kommunen gefragt: Zu ihren Aufgaben gehört es, eine drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden und die Betroffenen in Notunterkünften unterzubringen, wenn es keine andere Bleibe für sie gibt. Malvina Schunk will verhindern, dass es dazu kommt. Seit 2016 gibt es in der Fachabteilung Senioren und Sozialer Dienst der Stadt Rödermark eine Wohnungssicherungsstelle. Seither berät Schunk Menschen, denen der Verlust der Wohnung droht, und hilft Personen, die schon in diese Situation gekommen sind. Rund 60 Beratungsgespräche führte sie in diesem Jahr; insgesamt 19 wohnungslose Menschen aus Rödermark begleitete sie in den vergangenen zwölf Monaten.

          Einzelgespräche mit den Klienten

          Schunk besucht ihre Klienten auch und führt mit ihnen Einzelgespräche Sie unterstützt die Menschen beim Ausfüllen der Anträge für die Übernahme von Mietschulden, weist auf Beratungsstellen und Anwälte hin und hilft bei der Wohnungssuche. Als Schunk vor zwei Jahren anfing, lebten 24 Menschen in städtischen Notunterkünften. Aktuell sind es nur noch zwölf. Eine Notunterkunft, in der bis zu acht Menschen untergebracht waren, wurde im Mai 2017 geschlossen. Inzwischen werden Betroffene dezentral in Wohnungen im ganzen Stadtgebiet untergebracht. Mehrere Personen leben dort jeweils gemeinsam; Küche und Bad müssen sie sich teilen. Dabei seien auch Konfliktsituationen zu bewältigen, sagte Schunk, die eine 65-Prozent-Stelle besetzt. 50 Prozent sind für die Arbeit mit wohnungslosen Menschen vorgesehen; mit weiteren 15 Prozent ist sie als externe Frauenbeauftragte der Stadt tätig.

          Den Menschen müsse geholfen werden, hob der Erste Stadtrat Jörg Rotter (CDU) hervor. Er sprach vom „Rödermärker Weg“. Sozialberatung sei eigentlich Sache des Kreises, machte Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste/Die Grünen) deutlich; „Wohnungslosigkeit schlägt aber bei den Kommunen auf“. Wenn weniger Menschen auf Notunterkünfte angewiesen seien, spare die Kommune Geld. Kern wies darauf, dass das für Rödermark zuständige Amtsgericht Langen die städtische Fachabteilung Senioren und Sozialer Dienst informiere, sobald dort eine Räumungsklage eingehe.

          Wohnungssicherungskonzept

          Je früher man von einem solchen Fall erfahre, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, die Wohnungslosigkeit vermeiden zu können, ist im Wohnungssicherungskonzept der Stadt Rödermark zu lesen, das Schunk jetzt vorlegte. Mieter und Vermieter wolle man frühzeitig davon in Kenntnis setzen, dass es Ansprechpartner bei der Stadt gebe, die bei Mietrückständen und Mietangelegenheiten berieten. Von Immobilienunternehmen und Privatpersonen mietet die Stadt Wohnungen, die als Notunterkünfte zur Verfügung stehen. Beim Einzug wird mit den Klienten zunächst eine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen. Erst nach einer ein- bis zweijährigen Bewährungsphase wird dies in ein reguläres Mietverhältnis umgewandelt. Man vermittele aber nur Menschen, die auch „wohnfähig“ seien, sagte Schunk.

          In dem Konzept werden ebenfalls die Kooperationspartner angeführt, darunter das Kommunale Jobcenter Pro Arbeit des Kreises und das dortige Jugendamt, aber auch Polizei, Amtsgericht und Gerichtsvollzieher. Bei Bedarf leitet Schunk Klienten an den Sozialpsychiatrischen Dienst und andere Beratungsstellen weiter. Schunk und die Leiterin der Fachabteilung Wohnen und Sozialer Dienst, Katja Merten, initiierten dazu ein Wohnungslosennetzwerk der Kommunen im Kreis Offenbach. Zweimal im Jahr finden Treffen statt; sie dienen dazu, sich auszutauschen, gemeinsame präventive Projekte zu entwickeln und einheitliche Standards im Kreis zu etablieren.

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