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Oper Frankfurt : Leistungssport für Streicher

Probe für „Figaros Hochzeit“: Der Kontrabassist Peter Josiger (links) übt in der Oper Frankfurt mit den Stipendiaten Bogdan Kisch (Cello), Lucie Leker (Geige) und Paula Heidecker (Bratsche). Bild: Etienne Lehnen

Die Paul-Hindemith-Orchesterakademie der Oper Frankfurt bereitet Musiker auf das Leben nach dem Studium vor. Denn das ist hart.

          5 Min.

          Wenn sich am Donnerstag in der Oper Frankfurt die Blicke vieler Zuhörer auf sie richten, wird sie tief Luft holen, lächeln und den Bogen an die Bratsche setzen. Ohne zu zittern, ganz ruhig und bedacht. Zumindest hofft Paula Heidecker das. Und sie hat allen Grund dazu, denn auf diesen Moment ist sie im vergangenen Jahr zusammen mit vier anderen Stipendiaten an der Paul-Hindemith-Orchesterakademie gut vorbereitet worden. Um das zu zeigen, gibt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester mit allen fünf Akademisten am Donnerstag ein Benefizkonzert. Neben Mozart, Beethoven und Schubert steht auch Hindemith auf dem Programm, den die jungen Musiker solistisch spielen. Der Erlös kommt der Akademie zugute, die sich der Ausbildung des Nachwuchses verschrieben hat. Sie soll junge Musikstudenten an das Leben als Berufsmusiker im Orchester heranführen.

          Livia Gerster
          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn der Weg vom Studienabschluss bis zur Festanstellung ist lang und oft beschwerlich. Der Musikbetrieb sei oft gnadenlos, sagt Peter Josiger, seit vier Jahren Kontrabassist im Orchester der Oper und Mitglied im Vorstand der Akademie: „Dafür wollen wir die Leute fit machen.“ Die Akademie soll den Stipendiaten helfen, den großen Sprung von der Theorie in die Praxis in kleinen Schritten zu gehen. Denn wie beim professionellen Sport gelte: „Nichts als die Leistung zählt.“ Und die müsse man im entscheidenden Moment zu hundert Prozent abrufen können.

          Internationale Ausrichtung als Beitrag zur Völkerverständigung

          Wie das geht, lernen die fünf Frankfurter Stipendiaten, die seit vorigem Herbst in der Stadt leben, mit Mentaltraining, Probespielsimulationen und Einzelunterricht. Sie kommen aus Australien, Spanien, Frankreich, Rumänien und Deutschland und sind so international wie das Frankfurter Orchester selbst. „Der Klang eines Ensembles spiegelt die Stadt wider“, sagt Josiger. So offen und bunt wie Frankfurt sei, klinge auch das Museumsorchester. „Groß, voluminös, näselnd - das passt nicht zu uns“, pflichtet ihm Generalmusikdirektor Sebastian Weigle bei. Die internationale Ausrichtung ist für Josiger ein Beitrag zur Völkerverständigung. Er werde immer wichtiger angesichts europäischer Zerfallserscheinungen, die auch vor dem Europäischen Jugendorchester nicht haltmachten: Es steht vor dem Aus, weil die EU kein Geld mehr gibt.

          Die Hindemith-Orchesterakademie hingegen steht erst am Anfang. Sie ist aus der Frankfurter Orchesterschule hervorgegangen und wurde im vergangenen Jahr neu gegründet. Weigle hofft auf Unterstützung durch Firmen und Privatleute und somit auch auf mehr Stipendienplätze. Denn je bekannter die Akademie wird, desto mehr junge Musiker werden sich bewerben.

          Gegen rund 300 Bewerber musste sich Heidecker im vorigen Jahr bei der Auswahl für den ersten Jahrgang durchsetzen - in einem jener Probespiele, deren Durchstehen in der Akademie auch weiterhin geübt werden muss. „Das war schon sehr aufregend“, erinnert sie sich. Fünf Minuten lang spielte sie Stamitz, lang genug, um die Jury zu überzeugen. Fünf Minuten gegen 300 Bewerber, das ist vergleichsweise harmlos, aber nur der Beginn eines langen Konkurrenzkampfes, den die jungen Musiker vor sich haben. Geht es um die Aufnahme in ein Orchester, gelten andere Maßstäbe: „Da fliegt man schon mal Hunderte Kilometer, um dann irgendwo im Ausland eine Minute vorzuspielen. Und das macht man 50, 60 Mal“, erzählt Josiger.

          „Oper ist etwas völlig anderes“

          Nur: Fehlerloses Spiel und perfekte Technik machen noch niemanden zum Gewinner. Vielmehr, so Josiger, müsse man als eigene Musikerpersönlichkeit überzeugen, individuell und ausdrucksstark und zugleich flexibel und anpassungsfähig sein. Denn ein Orchester suche weniger Solisten als Musiker, die sich in das große Ganze einfügen könnten. Das „Wir-Gefühl“ nennt Weigle das. Um zu erläutern, welcher Musikertyp nicht über dieses Gefühl verfügt, setzt der Dirigent eine imaginäre Geige an seinen Hals, wirbelt wild herum und wirft den Bogen samt Kopf ruckartig vor und zurück. „Den kann man nicht reduzieren“, ruft er zum Finale der Darbietung. Der, das ist der von ihm karikierte Geiger. Er hat das Probespiel nicht bestanden. Heidecker muss lachen.

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