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Stars in Frankfurt : Ein Bembel für Rocky

Schobbepetzer: Sylvester Stallone (links) bekommt bei der Grundsteinlegung für ein Planet Hollywood Restaurant in Frankfurt einen Bembel von Ordnungsdezernent Udo Corts. Bild: ISG FFM Georg Kumpfmüller

Was macht einen Star zum Star? Die Ausstellung „Abgelichtet!“ im Institut für Stadtgeschichte geht der Frage auf den Grund. Sie würdigt Persönlichkeiten von Copperfield bis Grzimek und von Kilius bis Setlur.

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          Eine Schau voller Weltstars von Mick Jagger über Steven Spielberg bis Steffi Graf – und auf dem Ausstellungsplakat sind lauter Namenlose zu sehen: Fotografen, dicht gedrängt, bewaffnet mit riesigen Blitzlichtern. Wen die Reporter auf dem Bild, das um 1960 entstand, vor der Linse hatten, ist unbekannt. Aber so viel steht fest, so viel ist am Gedränge, so viel an der Intensität des Moments abzulesen: Es muss ein Star gewesen sein.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Ohne die bewundernden Blicke des Publikums und ohne Medien, die diese Bewunderung vermitteln, gibt es keine Stars. Und so, wie auf dem Ausstellungsplakat das unsichtbare Idol in der Aufregung der Fotografen zu erkennen ist, scheinen umgekehrt in den Posen der Stars diejenigen auf, für die sie posieren: die Reporter und mit ihnen die Fans. Wie Kurator Markus Häfner sagt, ist das die Idee der Ausstellung „Abgelichtet! Stars in Frankfurt“ im Institut für Stadtgeschichte: zu zeigen, was einen Star ausmacht und welche Wechselwirkungen mit Fans und Medien bestehen.

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          Alle Prominenten in der Schau sind irgendwie mit Frankfurt verbunden. Manche hatten hier denkwürdige Auftritte: John F. Kennedy beispielsweise, der von 60.000 Menschen auf dem Römerberg gefeiert wurde, oder Queen Elizabeth, die gleich zweimal zu Besuch war. Madonna und Michael Jackson sangen im ausverkauften Waldstadion, wo auch Muhammad Ali gegen Karl Mildenberger boxte. Udo Jürgens ist beim Signieren an der Hauptwache zu sehen, Claudia Schiffer beim Small Talk mit Elton John in der Festhalle und Shaquille O’Neal beim Streetball an der Konstablerwache.

          Starstatus liegt im Auge des Betrachters

          Und dann gibt es die Stars, die aus Frankfurt kommen oder hier bekannt wurden: Liesel Christ, Bernhard Grzimek, Albert Mangelsdorff, Sabrina Setlur, Steffi Jones – um nur einige wenige zu nennen. Von manchen gibt es in der Ausstellung nicht nur Zwei-, sondern auch Dreidimensionales zu sehen: Nadia Benaissa hat den „Goldenen Bravo-Otto“ zur Verfügung gestellt, den sie mit ihrer Band No Angels 2001 gewonnen hatte. Im Video erzählt sie von ihrer Karriere und ihrer Beziehung zu Frankfurt. Von Schwimm-Olympiasieger Michael Groß stammt eine zerschlissene Badehose, daneben stehen die abgelaufenen Schuhe von Ironman-Germany-Sieger Lothar Leder. In einer anderen Vitrine liegt die E-Gitarre, auf der Andreas Gutjahr von der Trash-Metal-Band Tankard die Eintracht-Hymne beim Pokalsieg 2018 gespielt hat.

          Nicht nur die Frisur sitzt: Auch auf die richtige Starpose versteht sich Magier David Copperfield, hier 1993 am Frankfurter Hof. Bilderstrecke
          Ausstellung „Abgelichtet“ : Von Copperfield bis Grzimek, von Kilius bis Setlur

          Die Aufzählung macht deutlich, dass der Starstatus im Auge des Betrachters liegt. Während die Gitarre für eingefleischte Eintracht-Fans eine Art Reliquie ist, werden Fußball- und Trash-Metal-Verächter nur mit den Schultern zucken. Und ist es nicht so, dass andere Frankfurter bedeutender waren? Man denke etwa an Paul Ehrlich, Ernst May und Theodor W. Adorno. Eine gewisse Vorauswahl liegt in der Natur der Schau begründet, die sich einerseits auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert und andererseits aus dem Bestand des Instituts für Stadtgeschichte schöpft. Gezeigt wird also nur, was irgendwann einmal, zum Beispiel durch Nachlass oder Kauf, ins Stadtarchiv gekommen ist. Im Fall von „Abgelichtet!“ stammt ein großer Teil der Bilder von der Frankfurter Rundschau, deren Archiv 2011 übernommen wurde. Der Bestand sei inzwischen erschlossen und werde nun erstmals präsentiert, sagt die kommissarische Institutsleiterin Alexandra Lutz.

          Wie schnell der Sternenglanz verblassen kann, führt ein Foto vom 14. Mai 1997 vor Augen. Zu sehen ist Sylvester Stallone, der vom damaligen Baudezernenten Udo Corts einen Bembel bekommt. Der Darsteller von Rocky und Rambo ist auf Frankfurt-Besuch, um Werbung für sein geplantes „Planet Hollywood“-Restaurant in der Zeilgalerie zu machen. Rund 2000 Fans erwarten ihn auf der Zeil – aus der geplanten Eröffnung wird allerdings nichts: Die Restaurantkette gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten und macht zwei Jahre später Pleite. Auch die als Einkaufszentrum der Zukunft gefeierte Zeilgalerie bewährt sich nicht und wird abgerissen.

          Am Tag des Rocky-Auftritts trägt sich übrigens noch ein anderes Ereignis in Frankfurt zu: Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet die Deutsche Nationalbibliothek. Ohne Hollywoodstar und ohne 2000 Fans, aber mit nachhaltiger Wirkung.

          Die Ausstellung ist bis Ende August 2022 zu sehen, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen und Begleitprogramm unter www.stadtgeschichte-ffm.de.

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