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Belästigungen in Darmstadt : „Integration ist auch Vermittlung von Werten“

Partymeile: Die Stimmung auf dem Darmstädter Schlossgrabenfest war gut, das Gedränge groß. Gruppen von Männern, mutmaßlich Asylbewerber, haben das ausgenutzt und Besucherinnen sexuell bedrängt. Bild: Picture-Alliance

Bisher gingen 26 Anzeigen wegen sexueller Belästigung beim Schlossgrabenfest ein. Das Vorgehen der Täter erinnert an die Kölner Silvesternacht. Wie lassen sich derartige Übergriffe unterbinden?

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          Während des Darmstädter Schlossgrabenfests am vergangenen Wochenende sind mehr Frauen sexuell belästigt worden als bisher angenommen. Nach Angaben der Darmstädter Polizei haben sich bisher 26 Opfer gemeldet. Die meisten gaben an, dass Männer in Gruppen von bis zu zehn Personen sie zunächst im dichten Gedränge der Tanzfläche auf dem HR-Disco-Areal „angetanzt“ und dann unsittlich berührt hätten. Die Frauen beschrieben die Männer als dunkelhäutig, mit afghanischem und pakistanischem Aussehen. Da die ersten Opfer schon in der Nacht zum Sonntag Anzeige erstattet hatten, konnte die Polizei noch während der Veranstaltung drei Verdächtige festnehmen. Bei ihnen handelt es sich um pakistanische Asylbewerber.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es sei bei Festen dieser Art „immer mal wieder“ zu sexuellen Belästigungen gekommen, vor allem bei Großveranstaltungen wie dem viertägigen Schlossgrabenfest mit rund 400.000 Besuchern und dem traditionellen Heinerfest, teilte die Darmstädter Polizei auf Anfrage mit. Eine solche Häufung von Vorfällen habe es aber noch nicht gegeben.

          „Nein heißt nein“ - bald auch als Gesetz

          „Selbstverständlich müssen solche Übergriffe geahndet werden“, sagt die Darmstädter SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries. Es sei völlig berechtigt, dass die Frauen Anzeige erstattet hätten. Denn leider „leben wir noch nicht in Zeiten sexueller Gleichberechtigung“. Nun sei es Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, zu ermitteln, was tatsächlich beim Schlossgrabenfest vorgefallen sei.

          Zypries wie auch die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen verweisen darauf, dass der Bundestag derzeit daran arbeite, das Sexualstrafrecht so zu verändern, dass „Grapscher“ künftig nicht mehr ungestraft davonkämen. „Wir kämpfen darum, dass eine entsprechende Formulierung ins Gesetz aufgenommen wird“, sagte Nissen. Die SPD stehe in „guten Gespräche mit CDU-Abgeordneten“. Die Gesetzesreform firmiert unter dem Schlagwort „Nein heißt nein“.

          Keine Pauschalurteile über Migranten

          „Sexismus muss immer geahndet werden, egal welche Nationalität der Täter hat“, sagte Nissen. Ihrer Ansicht nach hat es auf Volksfesten schon immer sexuelle Übergriffe gegeben. Doch seit den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln gebe es eine andere Sensibilität. Ohne Köln, so Nissen, wäre die Verschärfung des Sexualstrafrechts nicht denkbar. Auch die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) verurteilt Übergriffe wie die in Darmstadt, „egal von wem auch immer sie begangen werden“. Dass die Täter Asylbewerber sein sollen, zeige, dass zur Integration außer Bildung auch die Vermittlung von Werten gehöre, und zu diesen zähle, „dass Frauen im westlichen Kulturkreis Rechte haben“. Die Übergriffe dürften jedoch nicht zu Pauschalurteilen über Migranten führen. Unter den Flüchtlingem seien viele, die die Taten von Köln verabscheuten und sich von den Übergriffen distanzierten.

          Für Elvira Niesner von der Frankfurter Beratungsstelle FIM (Frauenrecht ist Menschenrecht) zeigen die Ereignisse von Darmstadt, dass „unsere Integrationsleistungen noch nicht optimal erbracht werden“. Vor allem müsse man versuchen, diejenigen Flüchtlinge einzubinden und zu gewinnen, die das tradierte Frauenbild ihrer Herkunftsländer nicht vertreten. Zugleich, so Niesner, sei es aber auch wichtig, kulturelle und strukturelle Unterschiede und Probleme benennen zu können, ohne zu stigmatisieren.

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