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Habicht, Bussard und Falke : Manche Jäger haben einen Vogel

  • Aktualisiert am

Müssen sich nicht anschleichen: Kai Siebert ist mit Habicht Brocks und Hündin Emma auf der Pirsch. Bild: dpa

Habicht, Bussard und Falke sind im Auftrag des Menschen unterwegs. In Nordhessen sind es insgesamt etwa 55 Tiere. Doch Umweltschützer sehen die sogenannte Beizjagd nicht gern.

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          Wenn Kai Siebert auf die Jagd geht, braucht er kein Gewehr. Seine Waffe sitzt auf seinem Arm, schaut aufmerksam über die Felder und hört auf den Namen Brocks. Es handelt sich um ein Habichtweibchen, das nur einer von mehreren Jagdvögeln des Falknermeisters aus Grebenstein im Landkreis Kassel ist.

          Trotz einer langen Tradition in Hessen ist die sogenannte Beizjagd selten geworden. Die Zahl der Falkner wird laut dem Deutschen Falkenorden auf 80 bis 100 geschätzt, die Zahl der aktiven auf 40 bis 50. Die Mitgliedzahlen in den Verbänden stiegen aber tendenziell wieder. Das Interesse wachse, auch weil seit 2017 die Falknerprüfung in Hessen absolviert werden kann. Die Unesco hat die Falknerei in Deutschland als immaterielles Kulturerbe eingestuft.

          Siebert geht nicht allein auf die Pirsch: Hündin Emma springt in freudiger Erwartung aus dem Auto und steckt die Nase in den Schnee im westfälisch-hessischen Grenzgebiet nördlich von Liebenau. Der Kontrast zu Brocks könnte nicht größer sein, die ruhig auf dem Handschuh des Falkners sitzt. „Ein Vogel ist kein Hund“, sagt Siebert. Brocks gibt die Beute freiwillig nicht her, apportiert nicht und hört auch nicht auf ihren Namen. Nur im Austausch gegen ein Stück Fleisch rückt der Vogel erlegtes Wild heraus.

          Falkner, Habicht und Hund gehen die Gräben am Rand eines schneebedeckten Ackers ab. Die Strategie: Hasen aufscheuchen. Im Gegensatz zur normalen Jagd muss Siebert dabei nicht leise durchs Unterholz pirschen. Brocks bleibt die ganze Zeit auf dem Handschuh sitzen. „Der Habicht jagt aus der Deckung heraus“, sagt er. Statt am Himmel zu kreisen, fliegt der Vogel direkt vom Arm des Falkners die Beute an. Der Jäger muss zuvor allerdings zwei Lederriemen loslassen. Er hat also die Kontrolle darüber, wann Brocks startet.

          Keine Angst vor großer Beute

          Das spürt offenbar ein freches Rotkehlchen, eigentlich ein Beutetier des Habichts. Aus kurzer Distanz beobachtet es, wie Siebert zu einem Waldstück geht. Er lässt den Vogel los, der sich sofort in die Bäume setzt. Glöckchen an seinen Fängen lassen erahnen, wo Brocks gerade steckt. Für den Notfall hat Siebert ein Ortungsgerät, ein Sender steckt an den Schwanzfedern des Vogels. Trotzdem kann das Tier ausbüxen.

          Jäger und Hund verschwinden im Dickicht, scheuchen das Wild auf. Das funktioniert, führt aber nicht zum Erfolg: Immer wieder flitzen Rehe aus dem Wald und rennen über die Felder, doch auf sie hat Brocks es nicht abgesehen. Angst vor großer Beute hat der Vogel jedoch nicht: Mit seinen 995 Gramm Körpergewicht kann Brocks es mit einem drei Kilogramm schweren Hasen aufnehmen. Auch Kaninchen, Fasan und Ente sind potentielle Jagdbeute. Dabei seien Habichte Grifftöter, sagt Siebert. Sie malträtieren ihr Opfer solange mit den Fängen, bis es stirbt.

          Auf Hasenjagd: Siebert ruft seinen Habicht Brocks zurück.

          Eingesetzt werden für die Jagd verschiedene Arten von Greifvögeln. In Nordhessen beispielsweise sind laut dem Regierungspräsidium Kassel unter anderen 16 Wanderfalken, neun Sakerfalken, elf Habichte, drei Steinadler und 13 Wüstenbussarde gemeldet. „Als Besonderheit werden auch drei Uhus zur Beizjagd eingesetzt“, sagt ein Sprecher.

          Gefährliche Fehlschüsse sind unmöglich

          Im Gegensatz zur Jagd mit Waffen sind gefährliche Fehlschüsse bei der Beizjagd unmöglich. Daher können die Vögel in belebteren Gebieten jagen. Sie werden beispielsweise zur Vertreibung von Krähen eingesetzt oder zur Bekämpfung von Kaninchenplagen. In Parks und Friedhöfen dürfen keine Schusswaffen eingesetzt werden, Vögel aber schon. „Es kann ja nichts passieren“, sagt Siebert. Und auch die Sympathie von Zuschauern ist ihm eher gewiss als bewaffneten Kollegen.

          Viele Naturschützer dagegen sehen die Jagd grundsätzlich kritisch und machen bei der Beizjagd keine Ausnahme: „Das Halten und Abrichten von Greifvögeln sowie die Jagd mit ihnen widersprechen dem Natur- und Tierschutzgedanken“, sagt Kathrin Klinkusch, Sprecherin des Naturschutzbundes Nabu. Die Beizjagd müsse abgeschafft werden, fordert sie.

          Behauptungen von Jagdgegnern, die Falkner ließen ihre Vögel tagelang hungern, widerspricht Siebert. Allerdings mache es auch keinen Sinn, den Vogel mit vollem Bauch auf die Jagd zu schicken. Dass Brocks Hunger hat, nutzt an diesem Tag wenig. Nur einmal lässt sich ein Hase blicken – und entkommt. Möglicherweise hat ein anderer Greifvogel den Habicht irritiert. „Der Hase hat seine Chance genutzt, alles gut“, sagt Siebert, als er durch den Schnee zum Auto stapft. Für Brocks hat der Tag da schon ein glückliches Ende gefunden: Als der Vogel auf dem Handschuh des Falkners landet, wartet eine Kaninchenkeule auf ihn.

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