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Kommentar : Beiseitestehen? An die Wahlurnen!

  • -Aktualisiert am

Urnengang: Da gehören Wahlberechtigte hin Bild: dpa

Beiseitestehen war bei Wahlen schon früher nicht heldenhaft. Vor zwei Wochen hat in der Schweiz nur eine relativ hohe Wahlbeteiligung verhindert, dass die selbsternannten Ausmister die Oberhand gewannen.

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          „Na, wie ist die Lage?“ Vor der Kommunalwahl lautet die Antwort auf die Alltagsfrage: unklar. Die Sonntagsfrage nach der Stärke der Parteien, soweit sie bei Kommunalwahlen mit ihren eigenen Gesetzen überhaupt einen Sinn ergibt, offenbart jedenfalls große Ungewissheit, wo immer man hinschaut.

          Vor fünf Jahren grünte es in Hessen so grün, wie der Grünen Blüten wohl nie wieder blühen werden. Obwohl kein Bürgermeister und kein Landrat für das Reaktorunglück in Japan etwas konnte, kannte die Wählerwanderung damals nur eine Richtung: Im Landesergebnis verdoppelten die Grünen ihren Anteil, in Frankfurt überflügelten sie die SPD, in Darmstadt sind sie seitdem die stärkste Kraft.

          Umgehungsstraße statt Westbalkan-Route,

          An diesem Sonntag dürfte das Wahlverhalten wiederum ein Thema beherrschen, dessen Epizentrum nicht in Hessen liegt. Wie viele werden bei der möglicherweise wahlentscheidenden F-Frage weder an Fahrradwege noch an Flächennutzungspläne denken? Wie viele werden sich in der Wahlkabine die Hand vom Verdruss über die Bundespolitik führen lassen? Verboten ist das nicht, aber ist es vernünftig?

          Wer in Ruhe darüber nachdenkt, wird vielleicht zu folgender Abwägung kommen: Klar, ein Signal wäre es schon, wenn ich meinem Unmut auf dem Wahlzettel Luft mache. Aber was handle ich mir damit ein? Wo verläuft die Obergrenze des Zumutbaren, wenn Leute in Stadtverordnetenversammlungen geraten, die ausweislich des Wahlkampfs außer Sprüchen nichts zu bieten haben? Denn von Montag an geht es in den Städten und Gemeinden nicht um die Westbalkan-Route, sondern um Umgehungsstraßen und Schulentwicklungspläne.

          Oder, weil das alles kompliziert ist, am besten gar nicht zur Wahl gehen? Bloß nicht! Wer nämlich aus Gleichgültigkeit zu Hause bleibt, ist nicht etwa ein besonders empfindsamer Zeitgenosse, sondern ein bequemer Absahner, der gerne mitnimmt, womit die Kommunalpolitik ihm den Alltag einrichtet, von Radwegen bis zu Gewerbegebieten.

          Dieses Beiseitestehen war schon bisher keine besonders heldenhafte Einstellung. Diesmal allerdings könnten sich die Polit-Hedonisten verdutzt die Augen reiben, wenn sie am Montag aufwachen. Denn diejenigen, die den Stall in ihrem Sinne einmal so richtig ausmisten wollen, die stehen morgen ganz sicher auf der Matte. Also rein ins Wahllokal. Vor zwei Wochen hat in der Schweiz nur eine relativ hohe Wahlbeteiligung verhindert, dass die selbsternannten Ausmister die Oberhand gewannen.

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