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Museumsuferfest : Frankfurts Fest der Feste

Drei Tage am Fluss: Vor allem am Abend wird es stimmungsvoll. Bild: Wonge Bergmann

Am Museumsuferfest nehmen dieses Jahr 25 Museen teil. Und für Musik sowie Kulinarisches ist reichlich gesorgt. Entspannt kommen Besucher mit Bus und Bahn ans Ziel.

          Den Menschen die Museen und ihre Inhalte näherzubringen, sie zu ermuntern, den Schritt in die Hallen, die längst keine heiligen mehr sind, zu lenken, sie zu interessieren für Dinge und Gedanken, die ihnen sonst vielleicht fernliegen: Das war die Idee hinter dem Museumsuferfest, das mittlerweile jedes Jahr im Spätsommer die beiden Mainufer in eine der weltweit längsten kulinarischen und musikalischen Flaniermeilen verwandelt. Wo es überdies unzählige Angebote von Kunst und Kunsthandwerk gibt sowie zahlreiche Institutionen und Initiativen mit Werbematerial und Darbietungen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf 16 großen Bühnen (siehe Grafik) wird ein vielgestaltiges, vielstimmiges Programm geboten. 550 Einzelveranstaltungen sind angekündigt, drei Tage, vom 23. bis 25. August, währt am Fluss der Ausnahmezustand. „Das macht uns so schnell keiner nach“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Und Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH, spricht vom „Fest der Feste“. Er erwartet anderthalb Millionen Gäste. Auch verweist er darauf, dass es „Feste im Fest“ gibt: das Drachenbootrennen, Musikfestivals, die Antiquariatsmeile am stadtauswärts gelegenen Ende des Sachsenhäuser Schaumainkais.

          Die längste Bibel der Welt

          25 Museen nehmen dieses Mal teil, öffnen ihre Räume mit Dauer- und Sonderausstellungen, offerieren Führungen und eigens für das Fest kreierte Veranstaltungen rund um ihren Bestand und ihre Aufgaben, die im Wesentlichen darin bestehen, Kunstwerke und Kulturgüter zu bewahren und dem Publikum ihre Bedeutung zu vermitteln. Auch nicht unmittelbar am Ufer liegende Museen machen mit. Zum Beispiel das Bibelhaus, das zum Fest die längste Bibel der Welt vorstellt, die es auch ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Das 1,7 Kilometer lange Leporello mit biblischen Geschichten stammt von dem Stuttgarter Künstler Willy Wiedmann (1929 bis 2013). Oder das Archäologische Museum, das ganz auf die Kelten und die Faszination setzt, die dieses geheimnisumwitterte Volk auf viele Gegenwartsmenschen ausübt. So erfährt man etwas über die Textilien, die sie hergestellt haben, aber auch, mit welchen Mitteln Archäologen tatsächlich arbeiten. Es ist nicht ganz so wie in den Indiana-Jones-Filmen.

          Infografik Museumsuferfest 2019
          Vergrößern

          Hinter die Kulissen der großen Illusionsmaschinerie aus Hollywood oder Babelsberg lässt das Deutsche Filmmuseum blicken, unter anderem mit der Sonderschau über die digitale Revolution in der Filmindustrie oder mit der allseits beliebten Bluebox und ihren verblüffenden Effekten.

          Wer nach einer Rückzugsmöglichkeit sucht, findet sie gewiss im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, wo nicht nur Jörg Ratgebs Fresken und andere Kunstwerke zu bestaunen sind, sondern auch das Festival „Klang im Kloster“ stattfindet mit Musik, die auf Originalinstrumenten gespielt wird. 13 Konzerte an zwei Tagen gibt es in der Reihe mit Orgel- und Chorkonzerten, etwa in der Liebfrauenkirche oder der frisch renovierten Sankt-Leonhards-Kirche. Und auch die Alte Nicolaikirche lädt ein, musikalisch zur Besinnung zu kommen, während die Menschen in Feierlaune Hibbdebach und Dribbdebach bevölkern.

          Bienenhotels zum Selberbasteln

          Das Museum Angewandte Kunst wartet nachmittags an allen drei Festtagen mit Bienenhotels auf, die sich die Besucher selbst zusammenbasteln können, am Abend jeweils mit dem derzeit bei Kindern und Jugendlichen ungemein beliebten K-Pop und mit der „El Barrio“ genannten Clubnacht am Samstag zwischen 24 und 5 Uhr im Foyer des Hauses, „mit Jazz, Beats und Kulinarik“.

          Vor dem Museum für Kommunikation steht seit kurzem wieder der „Pre Bell Man“ von Nam June Paik oder vielmehr eine Nachbildung desselben, die aber als ebenso authentisch gilt wie die Urfassung. Mit Hilfe von Elektroschrott, der zur Verfügung gestellt wird, können sich Groß und Klein als „Pre Bell Man“ verkleiden. Das Museum Giersch zeigt derzeit eine Ausstellung über den im 18. Jahrhundert von Frankfurt nach Mailand gewechselten Kaufmann und Mäzen Heinrich Mylius und lädt passend dazu ein, hessisch-italienische Köstlichkeiten zu probieren. Direkt an den Ufern reiht sich Bühne an Bühne, am südlichen befinden sich die Radio-X-Bühne (auf unserer Karte die Nummer 22), die Journal-Frankfurt-Bühne (21), die Regenbogen-Area (20), die Maincafé-Bühne (19), die Binding-Bühne (18), die Rheinland-Pfalz-Wein-Bühne (17), die Foodtopia-Bühne (16), die Sontaino-Bühne (15), die We-Love-Frankfurt-Bühne (14) und die Feinstaub- und Tiefengrund-Bühnen (13). Auf der anderen Seite tummeln sich unter anderen VGF (12), Latino-Treff (11), das Afrika-Dorf Savanne (10), das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (9), das Eintracht Frankfurt Museum (8), die Frankfurter Musikbühne (7) und der Abenteuerspielplatz Riederwald (6). Zum ersten Mal dabei ist die Denkbar (4), die 17 Musik- und Comedy-Gigs beisteuert. Drei Tage Party sind garantiert.

          Buttons, Feuerwerk und Anreise: alle Informationen auf einen Blick

          Die Eintritts-Buttons für die Museen gibt es für je sieben Euro bei der Touristen-Information auf dem Römerberg und am Hauptbahnhof sowie in allen teilnehmenden Museen. Gültig ist der Anstecker von Freitag, 15 Uhr, bis zum Ende des Festes am Sonntagabend. Für Kinder bis zum Alter von sechs Jahren ist der Eintritt frei

          Die feierliche Eröffnung des Museumsuferfestes findet am Freitag um 17 Uhr auf den Treppen vor dem Eingang des Historischen Museums statt. Bis einschließlich Sonntag haben die Besucher dann die Möglichkeit, sich auf den Bühnen am Main entweder Soul, Rock oder Pop-Musik anzuhören oder aber eines der vielen Museen zu besuchen. Geöffnet ist das Fest am Freitag von 15 bis 1 Uhr, am Samstag von 11 bis 1 Uhr und am Sonntag von 11 bis Mitternacht.

          Das Abschlussfeuerwerk wird wie in jedem Jahr am Sonntagabend um 22 Uhr von einem Ponton auf dem Main abgeschossen und dauert etwa 20 Minuten.

          Zahlreiche Straßensperrungen werden schon Tage vor dem Fest in Kraft gesetzt: Der Schaumainkai kann seit gestern nicht mehr befahren werden, erst am nächsten Dienstag wird die Sperrung wiederaufgehoben. Gesperrt sind von morgen bis Montag auch die Seitenstraßen des Schaumainkais zwischen Alter Brücke und Friedensbrücke. Mainkai und Untermainkai zwischen Alter Brücke und Mainluststraße sind bereits seit Anfang August für den Verkehr gesperrt. Die Untermainbrücke wird von Freitag bis Montag gesperrt. Eigens für das Fest aus- gewiesene Parkmöglichkeiten gibt es nicht. Die Stadt verweist auf die öffentlichen Parkhäuser Dom/Römer, Alt-Sachsenhausen, Am Theater, Hauptwache und Konstabler, rät aber von einer Anreise mit dem Auto ab.

          Mit Bus und Bahn dürfte sich die Anreise auf jeden Fall deutlich entspannter gestalten. Auf folgenden Strecken kommen Besucher zum Fest: Die U-Bahn-Linien U4, U5, U7, U8 fahren am Wochenende die ganze Nacht durch. Zusätzlich werden auf den Linien U1, U2, U4, U6 und U8 weitere Bahnen eingesetzt. Am Sonntag endet der Betrieb planmäßig etwa um ein Uhr in der Nacht. Bei den Straßenbahnen fahren die Linien 11 und 16 sowie die Linie 12 zwischen Konstablerwache und Schwanheim und die Linie 18 zwischen Konstablerwache und Preungesheim, Gravensteiner Platz am Wochenende ebenfalls die ganze Nacht hindurch. Zusätzlich fährt die Linie 15 an allen drei Tagen bis zum normalen Betriebsende um ein Uhr zwischen Niederrad und Südbahnhof im 15-Minuten-Takt. Die Linie 16 fährt Freitag und Samstag von 21 Uhr an sowie am Sonntag ganztägig häufiger zwischen der Offenbacher Stadtgrenze und Frankfurt Hauptbahnhof. Am Sonntag endet der Betrieb planmäßig gegen ein Uhr. Die Buslinien 28, 29, 36, 39, 43, 46, 54, 55, 58, 59, 60, 61, 62, 63 und 72 fahren Freitag- und Samstagnacht als Nachtlinien und bieten Anschlüsse von den nächtlichen U- und S-Bahnen. Die Linie 36 wird am Freitag und Samstag von 20 Uhr an bis etwa 2 Uhr und am Sonntag von etwa 11 Uhr an zwischen Eschenheimer Tor und Hainer Weg verstärkt. Die S-Bahn-Linien S1, S2, S3, S4, S5, S7 und S8 fahren ebenfalls die ganze Nacht hindurch.

          Für Radfahrer werden spezielle Abstellplätze angeboten. So können Fahrräder am Bootshaus am Sachsenhäuser Ufer und am Eisernen Steg auf der Frankfurter Seite gegen drei Euro (Single) beziehungsweise fünf Euro (Paare und Familien) abgegeben werden. Das Angebot gilt am Freitag von 16 bis 22 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 22 Uhr. (isk.)

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