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Vergleich regionaler Banken : Beim Dispo ist keine Rede von Null-Zinsen

Bringt auch nicht weniger als das Einzahlen aufs Sparbuch: die Geldanlage zu Hause Bild: plainpicture/Lubitz + Dorner

Die Senkung des Leitzinses auf null Prozent fordert auch die regionalen Kreditinstitute heraus. Beim Sparbuch liegt der Zins kaum höher. Das Konto zu überziehen, kostet dafür kräftig.

          3 Min.

          Die Zeiten, in denen Banken und Sparkassen in großen Lettern für hohe Zinsen auf Einlagen warben, sei es auf Plakaten, in Anzeigen oder im Internet, sind vorerst vorbei. Nur im Kleingedruckten trauen sie sich noch, ihre Konditionen anzugeben. Mit gerade noch 0,05 Prozent verzinsen zum Beispiel die Frankfurter Sparkasse und die Frankfurter Volksbank derzeit die Einlagen ihrer Kundschaft auf einem klassischen Sparbuch. Bei 10.000 Euro kommen also nach einem Jahr gerade einmal fünf Euro dazu - nie war der Weg zur ersten Million weiter.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Immerhin: Bis zur Stunde haben die regionalen Kreditinstitute davon abgesehen, die Sparbuch-Zinsen noch weiter zu reduzieren. Grund genug hätten sie, denn die Europäische Zentralbank hat in der vergangenen Woche den Leitzins von 0,05 auf null Prozent gesenkt. Man beobachte den Markt, heißt es bei der Frankfurter Volksbank, und das gilt sicherlich auch für andere Häuser.

          Dispozinsen - schöne Einnahmequelle für Banken

          Etwas anders sieht es beim Tagesgeld aus. In diesem Punkt lässt die Frankfurter Sparkasse wissen, sie werde die Einlagen von April an niedriger verzinsen. Für Beträge unter 5000 Euro gibt es dann noch 0,1 statt 0,15 Prozent, für Beträge darüber und bis 500.000 Euro gerade noch 0,02 statt 0,05 Prozent. Dass man bei der Konkurrenz von der Frankfurter Volksbank nicht von Änderungen infolge der Leitzinssenkung spricht, ist für deren Kunden nur ein schwacher Trost: Dort wurden und werden unabhängig vom Geldbetrag 0,05 Prozent gezahlt. Damit liegt die Sparkasse nun bei niedrigeren Beträgen etwas besser, bei höheren etwas schlechter. Viel tun die beiden führenden Bankhäuser im Privatkundengeschäft in der Mainmetropole nicht.

          Auch im Frankfurter Umland sieht es nicht anders aus. Taunus-Sparkasse, Nassauische Sparkasse, Wiesbadener Volksbank und Sparkasse Darmstadt: Alle verzinsen Einlagen auf das Sparbuch mit bescheidenen 0,05 Prozent. Beim Tagesgeld zeigt der Vergleich eine kleine Spannweite; gerade 0,01 Prozent meldet die Wiesbadener Volksbank, 0,05 die Taunus-Sparkasse. Einzig bei der Nassauischen Sparkasse heißt es, über eine Zinssenkung im Einlagengeschäft werde nachgedacht. Bei den anderen Häusern wird man abwarten müssen.

          Etwas mehr Bewegung ist bei den Dispozinsen zu spüren. Die Zinsen, die fällig werden, wenn man sein Girokonto überzieht, sind für die Banken und Sparkassen eine schöne Einnahmequelle, allerdings waren sie in den vergangenen Jahren wiederholt von Verbraucherschützern wegen der zum Teil üppigen Zinssätze kritisiert worden. Wenn man bedenkt, dass sich sonst alle Konditionen irgendwo zwischen null und einem Prozent bewegen und auch die Zinsen für Baukredite inzwischen spektakulär niedrig sind, so fallen die Dispozinsen immer noch auf.

          Manche senken Dispozins leicht

          Bei der Frankfurter Volksbank heißt es, der bei Überziehung fällige Zinssatz sei bonitätsabhängig und betrage maximal 10,8 Prozent, bei der Frankfurter Sparkasse ist von einer Spannweite zwischen 6,78 und 11,03 Prozent die Rede. Auch von den vier erwähnten Kreditinstituten in Bad Homburg, Wiesbaden und Darmstadt werden durchweg zweistellige Zinssätze gemeldet.

          Allerdings ist hier nach der Leitzinssenkung etwas mehr Bewegung zu spüren als bei den Konditionen der Einlagen. „Ab 1.4. reduzieren wir den Dispozinssatz auf 11,08 Prozent“, lässt die Taunus-Sparkasse wissen, die bisher noch 11,29 Prozent verlangt, und die Sparkasse Darmstadt verlangt von April an nur noch 10,25 statt 10,5 Prozent. Eine Sprecherin der Frankfurter Sparkasse weist darauf hin, dass man doch die Dispozinsen schon im Februar leicht reduziert habe. Nach wie vor bleibt aber der beste Rat für Kunden, die regelmäßig ihr Girokonto überziehen, mit ihrem Bankberater zu sprechen, ob nicht ein regulärer Kredit besser ist, der dann auch langsam getilgt werden kann.

          Auch ein Wechsel innerhalb eines Hauses kann helfen

          Nach wie vor ist es auch nicht falsch, bei größeren Beträgen zu schauen, ob es nicht ein solides Kreditinstitut gibt, das zumindest etwas mehr zahlt als die regionalen Häuser, die auch von der Trägheit ihrer Kunden leben. Ein Vergleichsrechner findet sich zum Beispiel hier. Wenn man von den Lockvogelangeboten absieht, sind bei Häusern mit deutscher Einlagensicherung doch immerhin noch 0,7 Prozent auf Tagesgeld drin. Die ING-Diba, auch ein Frankfurter Kreditinstitut, zahlt Bestandskunden noch 0,5 Prozent. Selbst ein Wechsel innerhalb eines Hauses kann helfen: Während die Frankfurter Sparkasse bei Einlagen knauserig ist, verzinst ihre Direktbank-Tochter 1822 Direkt Tagesgeld noch mit 0,4 Prozent.

          Wer sich über all das grämt, sollte sich aber auch darüber klar sein, dass die Inflationsrate derzeit gering ist. Im Februar lag sie bei minus 0,3 Prozent. Da bleibt selbst bei den traurigen Zinssätzen der regionalen Häuser unter dem Strich real noch ein kleiner Gewinn.

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