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Bauwirtschaft : Rumänische Arbeiter sehen sich um Lohn geprellt

Nicht gut gerüstet: Laut Verein für Wanderarbeiterfragen ist Hessen relativ schlecht auf die Betreuung von Arbeitern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten vorbereitet. Bild: dpa

176.000 Euro - das ist die Summe, die den 50 rumänischen Bauarbeitern seit November 2013 vorenthalten werden soll. Die Bögl-Baugruppe schließt eine falsche Entlohnung nicht aus - sieht sich aber nicht in der Verantwortung.

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          Um betrogene und scheinbar rechtlose Arbeiter zu sehen, müsse man nicht erst nach Sotschi oder Qatar reisen, sie finde man auch mitten in Frankfurt, schimpft Gewerkschafter Ralf Helwerth. Der IG-Bau-Sekretär betreut die rund 50 rumänischen Arbeiter, die sich vor der Baustelle eines Hotels an der Europaallee, direkt neben der Halle 3 der Messe Frankfurt, versammelt haben, um mit einer Protestversammlung auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Helwerth zufolge wird den Männern seit November alles in allem Lohn in Höhe von gut 176.000 Euro vorenthalten.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Rumänen im Alter zwischen 20 und vielleicht 60 Jahren haben auf der Baustelle der Max Bögl Gruppe gearbeitet. Angeheuert hat sie aber die Firma K&T aus Sachsen, wie sie sagen. Das bestätigt auch ein Sprecher der Bögl-Gruppe. Man bedauere eine möglicherweise nicht korrekte Entlohnung, sei aber selbst dafür nicht verantwortlich zu machen. Denn durch einen Pfändungsbeschluss des Finanzamtes Chemnitz gegen den Subunternehmer K&T vom Januar dieses Jahres sei Max Bögl verpflichtet, Zahlungen nun direkt an die Finanzbehörden zu richten. Das freiwillige und „aus humanitären Erwägungen“ unterbreitete Angebot seines Hauses, die Rücktransport- und Verpflegungskosten zu erstatten, hätten die Arbeiter jedoch abgelehnt.

          Kein Arbeitsvertrag, keine Rechte?

          In den vergangenen Jahren sind bei Mihai Balan und seinen Kollegen nach eigenem Bekunden rund 5000 Anfragen von Arbeitnehmern in solchen oder ähnlichen Fällen eingegangen. Balan ist Organisationssekretär des in Frankfurt ansässigen Europäischen Vereins für Wanderarbeiterfragen. Aus seiner Sicht ist Hessen vergleichsweise schlecht auf die Betreuung von Arbeitnehmern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten vorbereitet, in anderen Bundesländern würden Beratungsstellen für diese Arbeitnehmer finanziert.

          Ihre Ansprüche können die Männer aus der Europaallee nicht nur wegen fehlender Sprachkenntnisse nur schwer durchsetzen, sondern auch deshalb, weil keiner von ihnen einen Arbeitsvertrag oder eine Lohnabrechnung vom Arbeitgeber vorlegen kann. Wie Balan und Helwerth berichten, haben sie zwar Arbeitsverträge unterschrieben, selbst aber nie ein Exemplar erhalten. Harald Fiedler, Vorsitzender des DGB-Stadtbezirks Frankfurt, sagte, dass das keineswegs eine Ausnahme auf Baustellen in Frankfurt sei. Diesem Missbrauch der Freizügigkeit von deutschen Unternehmern müssten Politik und Ordnungsbehörden endlich gesetzlich Einhalt gebieten.

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