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Bauflächen in Frankfurt : Die Stadt wird durchforstet

Wachstumspotential: Brachfläche in der Bürostadt Niederrad. Bild: Frank Röth

Frankfurt wächst, aber hat zu wenig Wohnungen. Nun wird einiges getan. In zwei Jahren sollen Flächen für 7000 Wohnungen baureif sein.

          3 Min.

          Die Projekte, die auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt für Entspannung sorgen sollen, tragen Namen wie „An der Sandelmühle“ oder „Friedhof Westhausen“. So unspektakulär, wie sie klingen, sind sie auch: Kleinere Wohngebiete sollen an vielen Ecken und Enden der Stadt wachsen. Innerhalb von zwei Jahren soll Fläche für 6500 bis 7000 Wohnungen baureif sein. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) will die dafür nötigen Bebauungspläne forcieren und mit dieser Strategie „schnellstmöglich“ neues Wohnbauland zur Verfügung stellen: „Für mich ist entscheidend, dass wir eine Masse an Projekten voranbringen. Denn wenn es an einer Stelle stockt, kommen wir an vier oder fünf Stellen weiter.“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mehr als zwölf Bebauungspläne für neue Wohnviertel sind derzeit in Arbeit. Darunter sind vor allem Klassiker wie Bonames-Ost, der Kulturcampus oder die Umwandlung der Bürostadt Niederrad. Aber auch neuere Projekte wie das Avaya-Gelände im Gallus oder das Mercedes-Benz-Areal im Ostend werden schon vorbereitet. Cunitz hat seine Mitarbeitern in den Ämtern angewiesen, sich auf die Schaffung von Bauland zu konzentrieren. „Es ist eine klare Strategie“, sagt er. „In allen beteiligten Ämtern ist das Thema Wohnbauland-Entwicklung prioritär zu behandeln.“

          Schlag auf Schlag

          Die Früchte sollen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Im Herbst gehen vier Bebauungspläne in die Offenlage, für den Kulturcampus Bockenheim (Platz für 1200 Wohneinheiten), die Umwandlung der Bürostadt Niederrad (1000 bis 1200 Wohneinheiten), eine Fläche an der Dieburger Straße in Fechenheim (200 Wohnungen) und eine An der Sandelmühle (200 Wohneinheiten).

          Dann soll es Schlag auf Schlag gehen. Anfang 2014 wird der Bebauungsplan für das ehemalige Siemens-Areal südlich der Rödelheimer Landstraße offengelegt, auf dem sogar 2000 Wohnungen gebaut werden sollen. Das Projekt hat sich lange hingezogen, wenn auch nicht so lange wie Bonames-Ost. Für das zweite Halbjahr 2014 strebt Cunitz dort die erneute Offenlage an. Zuvor sind noch ein paar Nacharbeiten nötig: So soll die städtebauliche Struktur noch einmal leicht geändert werden und dichter an die geplante U-Bahn-Station heranrücken. Die Nassauische Heimstätte will dort bis 2016 350 Wohnungen bauen. In Bonames-Ost ist Platz für insgesamt 1500 Wohnungen.

          „Die nächste Welle“ rollt schon an

          Ebenfalls noch 2014 folgen „kleine, aber feine Pläne“, wie Cunitz sagt. Etwa für das Wohnhochhaus an der Stiftstraße, in dem 100 Wohneinheiten entstehen sollen. Oder für die ehemals gewerblich genutzte Fläche am Ben-Gurion-Ring in Nieder-Eschbach, wo Aurelis 350 Wohnungen errichten will. Auch dieser Bebauungsplan soll Anfang 2014 offengelegt werden.

          Die „nächste Welle“ kündigt Cunitz für „die nächsten zwei Jahre“ also bis Mitte 2015 an: Dazu zählen das Avaya-Gelände im Gallus, für das zunächst ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben wird. Durch eine Verdichtung der zu sanierenden Hochhaus-Siedlung Im Mainfeld in Niederrad mit niedrigeren Neubauten erhofft sich die Stadt ein Potential von rund 450 Wohnungen. Schließlich soll auch die Parkstadt Unterliederbach weiterentwickelt werden.

          Die Bauherren stehen zum Teil schon bereit

          Soweit die Projekte, die kurzfristig umsetzbar sind. Etwas weiter in die Zukunft gedacht sind die Pläne für das Mercedes-Benz-Areal an der Ferdinand-Happ-Straße. Wenn das Autohaus an den Kaiserlei umzieht, soll der alte Sitz im Ostend Wohnungen weichen. Cunitz ist sich sicher, dass die nahe Gefahrguthalle im Osthafen, zu der infolge der Seveso-II-Richtlinie ein Achtungsabstand eingehalten werden muss, das Projekt nicht behindert. Ebenfalls weiter entfernt liegt die Bebauung einer eigentlich für die Erweiterung des Friedhofs in Westhausen vorgesehenen Fläche, die als Teil eines „Sofortprogramms“ des Stadtplanungsamts schon einmal erwähnt wurde. Um günstigen Wohnraum zu schaffen, soll, wo dies sinnvoll ist, in den städtebaulichen Verträgen mit den Bauherren von Fall zu Fall ein Anteil von 30 Prozent für geförderten Wohnungsbau festgeschrieben werden.

          Vom Beginn der sechswöchigen Offenlage bis zum Satzungsbeschluss dauert es in der Regel ein halbes Jahr. Die Bauherren stehen zum Teil schon bereit. Die ABG, die in der Bürostadt Niederrad 140 Wohnungen und eine Kita bauen will, kann nach den Worten ihres Geschäftsführers Frank Junker „mehr oder weniger sofort anfangen“. Der Bauantrag sei schon eingereicht. Auf dem Kulturcampus wird die neue Bebauung ebenfalls schon vorbereitet. Vom Juli an wird der AfE-Turm abgerissen.

          Integrierte Stadtentwicklung

          Auch über die bisher genannten Projekte hinaus ist das Planungsdezernat auf der Suche nach neuen Flächen für den Wohnungsbau: das Gelände des sogenannten Kartoffelministeriums, einer früheren Bundeseinrichtung am Alleenring, oder das Institut für Botanik im Westend, das dem Land gehört, zählen zum Beispiel dazu. Das Stadtvermessungsamt hat auf Cunitz’ Bitte eine Liste mit sämtlichen Flächen erstellen lassen, die der Stadt, den städtischen Stiftungen, dem Bund oder dem Land gehören. Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe aus Stadtplanungsamt und Stadtvermessungsamt prüft die Flächen auf Tauglichkeit: „Wir gucken nach jedem Quadratmeter“, sagt Cunitz. Anschließend werden Steckbriefe angefertigt und mit Verkehr- und Umweltdezernat abgeglichen.

          Abseits dieser konkreten Arbeitsebene verfolgt Cunitz „auf der Metaebene“ weiterhin ein strategisches Konzept zur integrierten Stadtentwicklung, das mit den jeweiligen Plänen des Verkehrs- und Umweltdezernats abgestimmt und als Perspektive für die Jahre 2030 bis 2050 gedacht ist. Den Arbeitsaufwand dafür habe er unterschätzt, sagt Cunitz, der zurzeit vor allem mit den ausstehenden Entscheidungen zum Dom-Römer-Projekt stark beschäftigt ist. „Ich kann die Stadt nicht einfrieren und ein Jahr nur an der Strategie arbeiten“, sagt er. Daher dauert es wohl noch zwei Jahre, bis das grundlegende Konzept fertig sei.

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