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Palmengarten in Frankfurt : Schauhaus für flatternde Exoten

Anziehungspunkt: Das geplante Blüten- und Schmetterlingshaus im Palmengarten soll tropischen Faltern ein Zuhause geben. Bild: Simulation Kissler und Effgen Architekten

Im Palmengarten beginnt der Bau eines Blüten- und Schmetterlingshauses. Dass die Eröffnung erst im Herbst 2018 stattfinden soll, liegt auch an der angrenzenden Gärtnerei.

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          Ein Haus für exotische Schmetterlinge, das ist ein langgehegter Wunsch des Palmengartens und seines Direktors Matthias Jenny. Spätestens seit 1998. Damals wurde im Tropicarium ein provisorisches, kleines Schmetterlingshaus eingerichtet, und die Ausstellung dort wie auch zwei weitere Sonderschauen in der Galerie des Palmenhauses wurden zu Publikumsmagneten. Fortan arbeitete Jenny beharrlich daran, die Idee zu verwirklichen. Seit einigen Jahren steht für ihn außerdem fest: Das Haus muss nach der berühmtesten Frankfurter Schmetterlingsforscherin, Maria Sibylla Merian, benannt werden.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerorten wird zurzeit dieser herausragenden Frau gedacht, weil die 1647 in Frankfurt geborene Künstlerin am 13. Januar 1717, also vor 300 Jahren, in Amsterdam starb. Passend dazu wird im Palmengarten mit dem Bau eines Blüten- und Schmetterlingshauses begonnen. Eröffnet werden soll es im Herbst 2018.

          Exotische Welt im Winter

          Eigentlich sollte das mit 600 Quadratmetern großzügig geplante Glashaus der Wiesbadener Architekten Kissler und Effgen in diesem Sommer fertig sein. Das hätte wunderbar in das Jubiläumsjahr gepasst. Nun hat sich alles verzögert. Nach Angaben von Ingrid Edelmann, Verwaltungsleiterin des Palmengartens, ist ein Grund dafür, dass nicht nur das bisherige Blütenhaus, sondern auch Teile der angrenzenden Gärtnerei abgerissen und neu gebaut werden.

          Alle darin enthaltenen Pflanzen müssen je nach Jahreszeit unterschiedlich untergebracht werden. „Wir hängen bei unseren Bauvorhaben noch viel stärker als andere von der Witterung ab“, sagt Edelmann. Derzeit steht im temperierten Teil des sanierten Kalthauses der Gärtnerei die wertvolle Sammlung von rund 450 Kamelienpflanzen bereit; aus ihnen werden die schönsten Exemplare für die Kamelienausstellung ausgewählt, die am 26. Januar eröffnet wird und bis zum bis 19. Februar dauert.

          Ist das neue Blüten- und Schmetterlingshaus erst fertig, sollen die Besucher in den Wintermonaten in eine exotische Welt eintauchen. Darin können sie dann beobachten, wie aus Kokons handtellergroße Schmetterlinge schlüpfen und durch tropisches Grün flattern oder sich niederlassen, um aus prachtvollen, bunten Blüten Nektar zu saugen. Raupen dagegen werden nicht gezeigt. Der Palmengarten kauft die Tiere als Puppen von Zuchtfarmen ein, die Rede ist von Kooperationspartnern in London, die die Tiere aus den Tropen beziehen.

          Blüte, Tier und Bestäubung

          Es ist diese Entwicklung vom Ei zur Raupe und weiter zum Schmetterling sowie das einmalige Zusammenspiel zwischen Faltern und ihren Wirtspflanzen, die einst Maria Sibylla Merian so fasziniert haben. Schon als 13 Jahre altes Mädchen hatte sie in Frankfurt begonnen, Raupen zu sammeln, zu füttern und die sich daraus entwickelnden Schmetterlinge zu untersuchen, aufzuspießen und vor allem auf Papier und Pergament zu bannen.

          Wie einst Merian mit ihren Zeichnungen, so will auch Jenny mit seinem Schmetterlingshaus den Besuchern zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Blüte, Tier und Bestäubung gibt. Die meisten Besucher des Palmengartens, so hat es der Direktor schon vor Jahren einmal formuliert, ergötzten sich daran, wie schön und vielfältig die Blütenwelt sei. Doch sie übersähen, dass Farbe und Form von Blüten nur einem Zweck dienten: der Bestäubung.

          Neubau der Gärtnerei

          Damit Schulklassen das neue Haus für einen „lebendigen Biologieunterricht jenseits der Klassenzimmer“ nutzen können, soll ein pädagogisches Konzept entwickelt werden, heißt es in der Vorlage, die vor einem Jahr die Stadtverordneten im Römer beschlossen haben. Damals stimmte die Mehrheit der Politiker dem Acht-Millionen-Euro-Projekt zu. Wobei nicht alle Kosten vom Steuerzahler getragen werden: Die 2010 gegründete Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten steuert 2,5 Millionen Euro bei.

          Bild: F.A.Z.

          Der größte Teil der Gesamtkosten fließt nicht in das Blüten- und Schmetterlingshaus, sondern in den Neubau der Gärtnerei. Die alten Produktionsgewächshäuser stammten nach Angaben von Ingrid Edelmann zum Teil noch aus den fünfziger Jahren und waren „sehr marode“. Die Lüftungen wurden noch über Kurbeln von Hand geöffnet und geschlossen. Vom Energieverbrauch der Häuser ganz zu schweigen.

          Vorhaben könnte Erfolg werden

          Dabei muss dort mindestens eine Temperatur von 27 Grad samt hoher Luftfeuchtigkeit herrschen, sofern auch in den Wintermonaten die Besucher in ein Haus voller exotischer Schmetterlinge gelockt werden sollen. Im Palmengarten ist man überzeugt, durch die neue Attraktion gerade in der besucherschwachen kalten Jahreszeit viele anzulocken. Die Erfahrung hat der Garten bei den Sonderschauen vor zehn Jahren gemacht, als in zwei Monaten rund 130.000 Besucher zusätzlich kamen. Knapp 600.000 sind es üblicherweise in einem ganzen Jahr.

          Sollte es dem Garten darüber hinaus gelingen, den Bezug zu Maria Sibylla Merian aufzuzeigen, müsste das Vorhaben ein Erfolg werden. Denn als es vor 20 Jahren zum 350. Geburtstag der Künstlerin im Historischen Museum eine große Ausstellung gab, in der zum ersten Mal umfassend ihr Werk gezeigt wurde, führte das damals zu einer Verdoppelung der Besucherzahlen.

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