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Betrogene Arbeiter : Zwei Monate auf dem Bau, aber kein vollständiger Lohn

Kriminelle Subunternehmen? Rumänische Bauarbeiter sollen um ihren Lohn betrogen worden sein. Bild: dpa

In Neu-Isenburg sollen rumänische Arbeiter um ihren Lohn geprellt worden sein. Nun stehen die Baumaßnahmen still. Ein Subunternehmen steht unter Verdacht des Betrugs.

          „Isenburger Gärten – Neubau von 57 Reihenhäusern im Birkengewann“ steht auf dem Schild vor einem halbfertigen Rohbau an der Anny-Schlemm-Straße in dem Neu-Isenburger Neubaugebiet. „Wir wurden auf der Baustelle betrogen“ und „Unsere Arbeit soll auch vergütet werden“ stand gestern auf den Schildern, die rumänische Bauarbeiter vor der Baustelle in die Höhe hielten. Die 18 Männer, die nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt bei der Firma CMF Constructions GmbH in Saarwellingen beschäftigt waren, haben am Montag vergangener Woche die Arbeit eingestellt und sich an die Frankfurter Beratungsstelle des DGB-Projekts „Faire Mobilität“ gewandt: Die Rumänen gaben an, seit April auf der Baustelle gearbeitet zu haben, für Mai und Juni aber nur Abschlagszahlungen erhalten zu haben.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          Die „Isenburger Gärten“ sind ein Kooperationsprojekt des Unternehmens GWH Bauprojekte, Frankfurt, das zur Helaba-Immobiliengruppe gehört, und der städtischen Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Neu-Isenburg (Gewobau). Als Generalunternehmer ist die Firma d&b Bau GmbH, Niederlassung Rhein-Main, Neu-Isenburg, tätig.

          Die Beratungsstelle „Faire Mobilität“ setzt sich für gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten ein. Sie nahm Kontakt zur IG Bauen-Agrar-Umwelt auf, die ausrechnete, dass den Rumänen für fast 4200 Arbeitsstunden im Mai mindestens rund 62.000 Euro brutto hätten bezahlt werden müssen. Tatsächlich hätten die Arbeiter jedoch nur Abschläge von 14.000 Euro netto bekommen. Im Juni hätten für rund 2020 Arbeitsstunden mindestens 30.000 Euro brutto vergütet werden müssen. Die Arbeit hätten die Rumänen auch wegen des Gerüchts eingestellt, dass ihr Arbeitgeber in eine Razzia der Finanzkontrolle Schwarzarbeit geraten und verhaftet worden sei.

          Kritik an öffentlicher Vergabe

          Gewerkschaftssekretär Johannes Schader von der IG Bauen-Agrar-Umwelt in Frankfurt wies gestern darauf hin, dass zwei Gesellschaften in öffentlicher Trägerschaft den Auftrag vergeben hätten. Der Vorgang zeige, „dass die öffentliche Vergabe nicht funktioniert“. Das Subunternehmen, das die Arbeiter angeheuert habe, müsse vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Schader forderte die d&b Bau GmbH als Generalunternehmer auf, die ausstehenden Löhne zu übernehmen. So sei es im Arbeitnehmerentsendegesetz geregelt. Die Unterkünfte, in denen die Rumänen wohnten, stünden nur bis Ende Juni zur Verfügung. „Vielleicht stellen wir den Leuten Zelte auf“, sagte Schader. Der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sprach von einem Skandal und forderte die Landespolitik auf, das Hessische Vergabe- und Tariftreuegesetz zu reformieren. Nötig sei eine landeseigene Kontrollbehörde für die öffentliche Auftragsvergabe, um staatliche Aufträge vor allem auf dem Bausektor zu kontrollieren.

          Der Geschäftsführer der Gewobau, Stephan Burbach, machte deutlich, das Unternehmen sehe sich mit in der Pflicht, obwohl es dies vertraglich nicht sei. Man bemühe sich um Klärung und wolle, „dass das mit den Leuten vernünftig geregelt wird“. Die d&b Bau GmbH teilte mit, man werde als Generalunternehmer „selbstverständlich ohne Einschränkung“ den Verpflichtungen nachkommen und die geprüften und berechtigten Lohnforderungen erfüllen. Die Ansprüche der Mitarbeiter würden so schnell wie möglich geprüft. Man führe auch direkte Gespräche mit der Gewerkschaft.

          Geschäftsführung festgenommen

          Laut der d&b Bau GmbH erhielt die Firma Igman GmbH in Dietzenbach den Auftrag, die Rohbauten zu erstellen. Mitte Juni habe man erfahren, dass die Arbeiten nicht fortgeführt würden und die Geschäftsführung des Unternehmens zusammen mit Verantwortlichen anderer Firmen festgenommen worden sei. Unterlagen seien beschlagnahmt und die Bankkonten gesperrt worden. Igman habe „vertragswidrig ohne unser Wissen und unsere Zustimmung“ einen Nachunternehmer beauftragt. Die CMF Constructions sei der d&b Bau GmbH unbekannt gewesen. Mitarbeiter von CMF Constructions und die Gewerkschaft hätten mitgeteilt, dass Löhne nicht vollständig gezahlt worden seien. Das verurteile man „auf das Schärfste“.

          Man habe alle Rechnungen der Firma Igman bezahlt; auch lägen alle erforderlichen Unbedenklichkeitsbescheinigungen dieses Unternehmens vor. Die d&b Bau GmbH hob hervor, man sei „selbstverständlich“ davon ausgegangen, „dass mit diesem Geld die Mitarbeiter ordnungsgemäß entlohnt werden“.

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