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„Schneller geht es nicht“ : Nieder müssen nach Unfall noch lange auf Unterführung warten

Bild: F.A.Z.-Karte Levinger

Verkehrsdezernent und Bahn-Bevollmächtigter haben Pläne für die Bahnunterführung in Frankfurt Nied vorgestellt. Noch fast zehn Jahre müssen Anwohner auf die Fertigstellung warten.

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          Wie kann es sein, dass zwischen dem Beschluss der Stadtverordneten, den Bahnübergang an der Oeserstraße zu beseitigen, und der Eröffnung der Unterführung, die als Alternative mehr Sicherheit bieten soll, voraussichtlich 24 Jahre liegen werden? Also ungefähr der Zeitraum, in dem der neue Gotthard-Basistunnel in der Schweiz beschlossen, geplant und realisiert werden konnte.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das fragt sich der SPD-Stadtverordnete Hubert Schmitt aus Nied. Schmitt, Mitglied des Verkehrsausschusses im Römer, hat nicht erwartet, bei der Sitzung des Gremiums am Dienstagabend eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Er forderte jedoch von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und dem ebenfalls anwesenden Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn, Klaus Vornhusen, die Zusage, dass jetzt zügig gehandelt wird. Es müsse alles getan werden, damit es bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2029 nicht „noch einmal neun Jahre Unsicherheit“ gebe. „Ich werde jedenfalls nicht lockerlassen“, sagte Schmitt.

          Er war an diesem Abend im Plenarsaal des Römers nicht der Einzige, der sich darüber empörte, wie viel Zeit sich Stadt und Deutsche Bahn bei der Beseitigung dieses Problems gelassen haben. Schließlich stand der Bahnübergang an der Oeserstraße, den es seit fast 200 Jahren gibt und der bis heute nur mit Schranken gesichert wird, wegen des tödlichen Unfalls am 7.Mai auf der Tagesordnung. An diesem Abend hatte die Schrankenwärterin den Übergang freigegeben. Kurz darauf erfasste ein Zug drei Personen, eine Sechzehnjährige starb, eine Radfahrerin und ein Autofahrer wurden schwer verletzt. Gegen die Schrankenwärterin wird ermittelt.

          Bau dauert länger als gehofft

          Es sei traurig, dass es dieses Anlasses bedurft habe, um endlich die Aufgabe anzugehen, den Bahnübergang zu beseitigen, sagte der Ausschussvorsitzende Wolfgang Siefert (Die Grünen). „Wir hätten die Angelegenheit ernsthafter, noch ernsthafter angehen müssen.“ Diese Situation zu ändern liege vor allem in der Verantwortung der Stadt. Als Vertreter des Stadtparlaments kündigte Siefert an, das Vorhaben „endgültig mit höchster Priorität“ voranzutreiben.

          Das klingt so, als würde es jetzt schnell gehen. Doch es wird noch Jahre dauern. Laut Oesterling ist die Vorplanung abgeschlossen und der nächste Planungsschritt mit der Bahn vereinbart worden: „Die Tinte unter dem Vertragswerk ist noch nicht trocken.“ Dennoch werde es 2025 beziehungsweise 2026, ehe mit dem Bau der Unterführung begonnen werden könne, sagte Oesterling. Für 2029 ist die Inbetriebnahme geplant, vorausgesetzt, dass gegen den Planfeststellungsbeschluss niemand klagt. Das ist laut Oesterling jedoch relativ unwahrscheinlich: „Ich bin da skeptisch.“ Schließlich wird die Oeserstraße für die Unterführung verlegt. 500 Meter Straße müssen neu gebaut werden, Kleingärten verschwinden, Höfe und Parkmöglichkeiten werden bebaut, und Anwohner in Mehrfamilienhäusern, die bisher ruhige Hinterhöfe hatten, sind künftig Verkehrslärm ausgesetzt. Die Unterführung, die etwa 300 Meter östlich des heutigen Bahnübergangs liegen wird, sieht auch Platz für Radfahrer und Fußgänger vor. Dennoch ist parallel eine weitere Unterführung nur für Radfahrer und Fußgänger geplant, die am derzeitigen Bahnübergang liegen wird, damit die Sportanlagen nördlich der Gleise zu erreichen sind. Das soll rund 30 Millionen Euro kosten.

          Behelfsbrücke keine Lösung

          „Kann man denn diesen Planungsprozess nicht beschleunigen?“, wollte Linken-Politiker Eyup Yilmaz wissen. Eine Frage, die viele an diesem Abend umtrieb, Stadtverordnete wie auch Bürger. Vielleicht könne man die Fußgänger-Unterführung schneller realisieren, schlugen einige vor, andere forderten ein Provisorium für den Übergang, etwa eine Behelfsbrücke.

          Die schnelle Realisierung der Fußgänger-Unterführung will Oesterling prüfen lassen, er zeigte sich aber im Ausschuss skeptisch. Ein vergleichbarer Antrag des Ortsbeirats sei vor zwei Jahren schon abschlägig entschieden worden. „Schneller geht es eigentlich nicht.“ Auch eine Behelfsbrücke ist nach Angaben von Vornhusen „keine schnelle Lösung“. Es brauche immer ein Planfeststellungsverfahren. Und eine solche Brücke müsste noch über die Oberleitung hinweggeführt werden. Sie gerate damit so steil, dass Fußgänger sie kaum und Radfahrer sie gar nicht passieren könnten.

          Unbeantwortet blieb die Frage, warum zwischen der Entscheidung, am Bahnübergang etwas zu ändern, und dem jetzt eingeleiteten zweiten Planungsschritt 15 Jahre liegen. Es habe in der Öffentlichkeit eine lange Diskussion gegeben, sagte Oesterling. Er wolle nach vorne schauen, alles andere sei „verschüttete Milch“. Vornhusen bestätigte, wie schwierig die Situation an diesem Übergang ist. 13 Varianten habe die Stadt 2011 präsentiert, das zeige, wie kompliziert es sei. Er hätte sich gewünscht, es wäre alles schneller gegangen, „dann hätten wir jetzt nicht diese Trauer“.

          Der SPD-Stadtverordneten Milkica Romic-Stojanovic, Mitinitiatorin der Online-Petition des Vereinsrings in Nied, sagten Vornhusen und Oesterling zu, die Liste mit fast 4000 Unterschriften für den schnellen Bau der Unterführung persönlich im Stadtteil entgegenzunehmen. Vornhusen sagte zudem zu, dass sich die Bürger in Nied darauf verlassen könnten, dass, wenn am nächsten Dienstag die Züge wieder führen, „der Übergang sicher ist“.

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