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Bau nicht zu sanieren : Oberfinanzdirektion weicht Bank-Hochschule

Die unter Denkmalschutz stehende frühere Oberfinanzdirektion an der Adickesallee in Frankfurt wird abgerissen Bild: Dreisen, Linda

Das denkmalgeschützte frühere Gebäude der Oberfinanzdirektion in Frankfurt ist nicht zu sanieren. Es weicht dem Neubau der Frankfurt School of Finance.

          Die unter Denkmalschutz stehende frühere Oberfinanzdirektion an der Adickesallee in Frankfurt wird abgerissen. Das aus den fünfziger Jahren stammende Gebäude ist nicht zu sanieren. Es weicht dem Neubau der Frankfurt School of Finance, die ihren Standort im Ostend aufgibt und auf das Gelände im westlichen Nordend zieht.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie der Oberkonservator Heinz Wionski ausführt, kann das in den siebziger Jahren fehlerhaft sanierte Gebäude nicht gerettet werden. Das mit rötlichen Keramikplatten verkleidete und seit 2009 leerstehende Haus sei zu stark beschädigt. Um die Keramikplatten, die sich gelöst hatten, wieder zu befestigen, wurde damals ein giftiger Teerkleber verwendet, der laut Wionski tief in das Gebäude eingedrungen ist. Man habe den Zustand des Baus mehrfach geprüft. Der vorgelagerte, auf Stützen ruhende Pavillon sei aber nicht kontaminiert und müsse erhalten werden.

          Baustein der Hochschullandschaft

          Die Frankfurt School verhandelt derzeit mit dem Land, dem Eigentümer des Geländes, der das Grundstück als neuen Standort zur Verfügung stellen soll. Der Raumbedarf habe so stark zugenommen, dass ein neuer Campus benötigt werde, teilt die private Hochschule mit. Die Details des Grundstücksgeschäfts stehen noch nicht fest. Eine denkbare Variante ist, dass die Stadt das Areal vom Land erwirbt und an die Frankfurt School ein Erbbaurecht vergibt.

          Für das Gelände bereitet die Stadt derzeit einen Bebauungsplan vor. Wie es heißt, soll der Magistrat die Verlagerung stadtplanerisch und, soweit erforderlich, „auch liegenschaftlich“ ermöglichen. Der Aufstellungsbeschluss, der der Rhein-Main-Zeitung vorliegt, umfasst auch das westlich an die Oberfinanzdirektion anschließende Gelände bis zur Bertramstraße, wo unter anderem Wohnungen geplant sind, und ein von einer Tankstelle genutztes Grundstück östlich des unter Schutz stehenden Gebäudes. Dieses Areal ist als Reservefläche für die Nationalbibliothek vorgesehen.

          Die Frankfurt School of Finance bilde einen bedeutenden Baustein der Hochschullandschaft der Region, heißt es in dem Beschluss. Wegen wachsender Studentenzahlen sei ein neuer Standort nötig. Wegen der zentralen Lage, guten Erreichbarkeit, der Größe und der einheitlichen Eigentumsverhältnisse eigne sich das Grundstück für die Zwecke der Hochschule. „Darüber hinaus besteht hier die Chance, die für die Hochschulnutzung erforderlichen großen Gebäudekubaturen stadtverträglich in die Reihe der großen öffentlichen Nutzungen am Alleenring einzufügen.“ Auch das parkähnliche Areal vor dem Gebäude trage zu einem „unverwechselbaren städtebaulichen Profil“ bei.

          Nach einem städtebaulichen Modell des Architekturbüros MOW soll die Frankfurt School die städtebauliche Figur der Hochhausscheibe der alten Oberfinanzdirektion aufgreifen. Das Nachfolgegebäude soll eine identische Länge und Höhe haben. Das aufgeständerte Kantinengebäude soll erhalten bleiben. Das endgültige städtebauliche Konzept und die Architektur müssen allerdings erst in einem Wettbewerb gefunden werden.

          Wie die Oberfinanzdirektion stehen noch drei weitere Bürogebäude zwischen dem Polizeipräsidium und dem Hauptfriedhof leer oder sind nur noch spärlich genutzt. Ehemals befanden sich dort das Sozialgericht, das Landesarbeitsgericht und die im Volksmund „Kartoffelministerium“ genannte Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Der Standort war als Behördenzentrum der Justiz im Gespräch gewesen. Seit sich die Pläne, das Justizviertel von der östlichen Zeil dorthin zu verlagern, zerschlagen haben, kommt die Entwicklung nicht voran.

          „Hochschulaffine Nutzungen“

          Diese westlich der ehemaligen Oberfinanzdirektion gelegenen Grundstücke, die dem Bund und dem Land gehören, sollen laut Bebauungsplan als Misch- und Kerngebiet für Wohnungen und andere Nutzungen festgesetzt werden, die das Wohnen und die Hochschule ergänzen. Das direkt an die Hochschule angrenzende Grundstück ist für „hochschulaffine“ Nutzungen geeignet. Der Wohnanteil soll dort nur zirka 30 Prozent betragen, um dort Gastronomie, eine Kindertagesstätte, ein Studentenwohnheim, kleine Läden für den täglichen Bedarf und ein Hotel unterzubringen.

          Wegen des Verkehrslärms ist eine Wohnnutzung erst in zweiter Reihe geplant - hinter einer gewerblich genutzten Pufferbebauung. Wer die Wohnungen errichten könnte, ist offen. Die von Süden auf die Adickesallee stoßenden Straßen sollen über die Straße hinaus verlängert werden und das neue Gebiet gliedern.

          Nach den Vorstellungen des städtischen Bildungsdezernats soll der Wegzug der Frankfurt School dazu genutzt werden, das Bildungszentrum Ostend auszubauen. Dessen Gebäude liegen auf dem angrenzenden Areal in Richtung Paul-Arnsberg-Platz und auf der anderen Seite der Sonnemannstraße an der Ecke zur EZB-Baustelle. Genutzt werden sie von der Volkshochschule, von Dr. Hoch’s Konservatorium, vom Abendgymnasium Frankfurt und von der Bethmannschule, einer Schule für kaufmännische Berufe.

          „Bedenkenswerte Option“

          Ein Sprecher von Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Die Grünen) sagte gestern, sowohl die Volkshochschule als auch die anderen Schulen hätten Raumbedarf. Deshalb habe das Bildungsdezernat großes Interesse, das Gebäude der Frankfurt School, sollte es frei werden, zu nutzen. Dort könnte aber auch eine zusätzliche Einrichtung einziehen, die „thematisch zu den anderen Institutionen passt“ und das Bildungszentrum somit ergänzt.

          Die in der Nähe liegende Uhlandschule, die den Ganztagsunterricht einführen will und dafür am derzeitigen Standort nicht genügend Platz hat, kommt hierfür eher nicht in Frage. Schulleiterin Ursula Böttcher-Sagebiel sagte auf Anfrage, eine Grundschule benötige einen Pausenhof, den das Areal der Frankfurt School nicht biete. Möglich erscheint allerdings, dass die Stadt in dem Hochschulgebäude das geplante neue Oberstufengymnasium einrichtet. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Rita Streeb-Hesse (SPD), sagte, ein Standort im Ostend, nahe der Innenstadt, wäre nach ihrer Ansicht eine bedenkenswerte Option.

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