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Batschkapp in Frankfurt : Die Gudd Stubb der Herzen

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Groß, ganz anders, aber mit bewährtem Konzept: Die neue Batschkapp in Frankfurt-Seckbach hat im Januar geöffnet und zieht eine positive Bilanz. Bild: Finger, Stefan

Einst sollte sie eine „linke Gegenkultur“ in Frankfurt etablieren. Vierzig Jahre später ist die Batschkapp eine Institution. Eine, die sogar den Umzug vor einem halben Jahr gut verkraftet hat.

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          Wer die Büroräume der alten Batschkapp an der Maybachstraße in Frankfurt-Eschersheim kannte, reibt sich erst einmal verwundert die Augen. Die neuen Räumlichkeiten in der Seckbacher Gwinnerstraße sind das ganze Gegenteil. Einst saßen die Mitarbeiter auf drei knarzende, angejahrte Stockwerken verteilt in engster Tuchfühlung, dagegen zeigt sich die neue Schaltzentrale des Rock- und Pop-Geschäfts nüchtern modern. Aber freundlich, hell und regelrecht großzügig, mit viel Platz für die Belegschaft.

          Ungemein ruhig ist es in dem langgezogenen Flachbau auch. Selbst bei abendlichen Gastspielen: Denn der Weg zur „um einiges imposanteren Konzerthalle“, wie Doro Weikert, zuständig für Booking, Promotion und Event-Management, ein wenig süffisant betont, dauere „etwas länger, als wir es früher gewohnt waren“.

          Auch der infernalische Lärm des Zugverkehrs fällt weg, den das Team in der direkt an der S-Bahn-Haltestelle Eschersheim gelegenen alten Batschkapp auszuhalten hatte. Da schepperte es ordentlich in den alten Gemäuern, ganz so, als würden sie gleich einstürzen. Der historische Ort soll nach seinem Abriss für neue Wohnungen genutzt werden.

          Mit ausgezeichneter Akustik

          Um eine „autonome und linke Gegenkultur“ zu etablieren, hob ein Sponti-Kollektiv 1976 den Konzertclub Batschkapp aus der Taufe. Immer wieder hatte es Krisen des alternativen Zentrums gegeben, dann wurde Mitbegründer Ralf Scheffler zum Chef, die Batschkapp zur „Gudd Stubb’ der Herzen“. Seit einem halben Jahr nun behauptet sie sich an neuem Ort.

          Vor allem kurz nach dem Umzug und der Wiedereröffnung Ende Januar hatte der eine oder andere, der Jahre und Jahrzehnte regelmäßiger Gast am alten Ort war, der alten „Kapp“ öffentlich hinterhergetrauert, vor allem in den sozialen Netzwerken und auf der hauseigenen Homepage. Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier und tut sich mit Neuerungen erst einmal schwer. Doch über das Kollektivgejammer hat längst die Neugier gesiegt. Und mittlerweile gilt die „neue Batschkapp“ beim Gros der Besucher als vollständig akzeptiert, wie nicht nur Urgestein Ralf Scheffler beim Jour fixe mit der Crew im Konferenzraum mit sonorer Stimme zu verstehen gibt. Auch Tresenchefin Sabine Rebel zieht nach sechs Monaten eine durchweg positive Bilanz: „Vor allem der Tresen im Foyer erfreut sich beim Publikum ungeheurer Beliebtheit - dort lässt sich auch mitten im Konzert mal ein Bierchen ohne opulente Lautstärke zischen.“

          Generell werden das weitaus großzügigere Ambiente auf zwei Ebenen und die ausgezeichnete Akustik gelobt. Und nicht zuletzt gefällt auch den Künstlern, dass es mittlerweile ordentliche sanitäre Einrichtungen gibt: Die Zustände backstage in der alten Batschkapp sind zwar geradezu legendär, bequemer geht es aber jetzt allemal zu. Vor allem muss die Batschkapp bei einem Fassungsvermögen von rund 1500 Besuchern nun nicht mehr auf andere Konzertsäle im Rhein-Main-Gebiet ausweichen, wenn mehr als die früher zugelassenen etwa 400 Besucher erwartet werden. Und fällt der Kartenabsatz mal geringer aus, lässt sich die Halle mit wenigen Handgriffen durch Raumteiler auf eine Spielfläche für 1000 oder auch nur 600 Besucher verkleinern.

          Aus Alt mach Neu - gelungen

          Die Suche nach einem neuen Ort war schwer und zog sich über Jahre: Bis man beim ehemaligen Fabrikgelände für Trevira-Verarbeitung der Firma Zimmer fündig wurde, machte sich zwischendurch auch mal schiere Verzweiflung breit. „Es gab zwar diverse verlockende Angebote, doch die verpufften nacheinander wie Luftschlösser“, sagt Scheffler mit seinem unnachahmlichen Brummbär-Charme. „Eine Zeitlang hoch im Kurs standen das Offenbacher Capitol und das Gelände, wo nun der Hafen 2 eine neue Heimat gefunden hat“, lässt der Weggenosse von Joschka Fischer die schwierige Phase noch einmal Revue passieren. Über den Leiter des Frankfurter Liegenschaftsamts Alfred Gangel landete man schließlich auf dem heutigen Gelände, das etwa 1500 Quadratmeter umfasst. Auf 650 Quadratmeter erstreckt sich die Halle, es gibt Parkplätze auf dem Gelände und in der Umgebung, und prinzipiell füllt die neue Batschkapp jene Lücke, die das Volksbildungsheim und die Music-Hall, einst beliebte Veranstaltungsorte, schon in den neunziger Jahren hinterließen.

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