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„Batschkapp“-Chef Ralf Scheffler im Porträt : Links war einmal

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Gastronom und Konzertveranstalter Ralf Scheffler hat sich längst mit dem Kapitalismus ausgesöhnt: „Ich mache das, bis ich umfalle.“ Bild: Röth, Frank

Ralf Scheffler räumt seit Jahrzehnten auf in Frankfurt. Früher als Sponti, seit fast 40 Jahren als Chef der „Batschkapp“. Vieles hat sich seither geändert.

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          Zuerst war die Rebellion, irgendwann später kam die Politik. Vom Arbeitersohn über das Büro zum Taxifahrer, „Putztruppen“-Mitglied und letztendlich zur Größe der Frankfurter Clubszene: Ralf Schefflers Aufstieg begann mit Beatmusik und langen Haaren. „Lang“ war damals relativ, ein paar Zentimeter nur, bis zu den Ohren vielleicht. Doch das war die Zeit, als Frisuren noch in Millimetern gerechnet wurden, in der alles, außer einem feinsäuberlich getrimmten Militärhaarschnitt als Revolution galt. Der Vater, Arbeiter bei Opel, tobte vor Wut, der Rebell in Scheffler war erwacht. Ihn faszinierte diese „Anti-Haltung“ der linken Szene, wie er sie heute nennt: Erst einmal gegen alle rebellieren, die über ihn bestimmen wollten. Die Theorie kam später, nachdem er den elterlichen Hof für ein kurzes Zwischenspiel bei der Bundeswehr verlassen hatte.

          Das war Anfang der Siebziger, eine Generation demonstrierte; gegen Krieg und Spießertum, das Establishment und die Medien. Schefflers erstes Erlebnis in der linken Szene war eine Großdemonstration gegen den Springer-Verlag. Oder besser gesagt, das hätte es werden sollen, denn der Hochheimer kannte sich in Frankfurt nicht aus und fand vor lauter Wasserwerfern die Demo nicht.

          Die Revolution beim „Pizza Peter“

          Doch erste Kontakte wurden an diesem Tag geknüpft, die Politisierung hatte begonnen. Eigentlich wollte er zu den Fallschirmjägern, wie sein Vater im zweiten Weltkrieg. Doch dann kam alles ganz anders. Scheffler verweigerte den Kriegsdienst und zog nach Frankfurt. Er wollte dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund beitreten, doch da gab es einen Haken: Er war nicht an der Uni eingeschrieben, sein Antrag wurde abgelehnt. So gelangte er zum Verband der Kriegsdienstverweigerer, der in der linken Szene aktiv war. Tagsüber arbeitete Scheffler, der die kaufmännische mittlere Reife absolviert hatte, im Büro, abends mutierte er zum „Berufsrevolutionär“. Während seiner ersten Hausbesetzung am Grüneburgweg, lernte er Joschka Fischer kennen, mit dem er danach zehn Jahre lang in einer WG lebte. Auch Daniel Cohn-Bendit, heute Abgeordneter im EU-Parlament, und Johnny Klinke, Chef des Tigerpalast in Frankfurt, waren mit von der Partie. Zusammen sollten sie sich in der Sponti-Bewegung einen Namen als „Organisation Revolutionärer Kampf“ machen. Die „Putztruppe“ wurde Jahrzehnte später zur Legende, als Bilder von Gewaltattacken gegen Polizisten auftauchten, die den Außenminister als jungen wütenden Mann zeigten.

          Es ging um Klassenkampf und Arbeiterrevolution, der Hauptteil dieser ,Revolution‘ aber, so Scheffler, bestand darin, abends beim „Pizza Peter“ an der Glauburgstraße zu trinken und zu diskutieren. Nach einem Zerwürfnis - der Grund ist ihm entfallen - erhielt die Truppe dort jedoch Hausverbot, eine neue Stammkneipe musste her. So kam Scheffler nach Eschersheim. Dort, an der Maybachstraße, lag das Wohnzimmer der Szene, der „Elfer“.

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