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Basketball : Skyliners sorgen in Frankfurt für neues Sportwunder

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Die Sportstadt Frankfurt ist hin- und hergerissen. Kaum ist die Enttäuschung über den Abstieg der Frankfurter Eintracht aus der Ersten Fußball-Bundesliga halbwegs verkraftet, sorgen andere Profiklubs ...

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          Die Sportstadt Frankfurt ist hin- und hergerissen. Kaum ist die Enttäuschung über den Abstieg der Frankfurter Eintracht aus der Ersten Fußball-Bundesliga halbwegs verkraftet, sorgen andere Profiklubs für eine wesentlich angenehmere Stimmung: Die Footballprofis von Frankfurt Galaxy stehen im Finale um die World Bowl, und nun haben auch noch die Opel Skyliners den Vorstoß ins Finale der Basketball-Bundesliga geschafft - der traditionsreiche Eintracht-Adler im Sinkflug, die ehrgeizigen amerikanischen Sportarten schwingen sich zu ungeahnten Höhen auf. Nicht zuletzt auch wegen der fetten Beute, die die Eishockey-Mannschaft der Frankfurt Lions mit dem Titelgewinn gemacht hat. Beim Wechselbad der Frankfurter Sportgefühle spielt schließlich sicher auch der aufstrebende FSV Mainz05 eine Rolle; die Regionalrivalen haben seit vergangenem Sonntag das geschafft, was den Fußballprofis der Eintracht versagt blieb: die Zugehörigkeit zur ersten Liga.

          Trainer Herbert im Interview 82

          Nun ruhen die Hoffnungen also auf der Galaxy und den Skyliners. Vor allem die Basketballspieler von Trainer Gordon Herbert haben die Fans und die Fachwelt überrascht, als sie am Dienstag abend bei den Telekom Baskets in Bonn im fünften und entscheidenden Spiel der nach dem "Best of five"-Modus ausgetragenen Halbfinalserie einen 76:63-Erfolg errangen und damit in die letzte Runde einzogen. Gegner ist nun das Team von GHP Bamberg, das sich überraschend souverän gegen den bisher überragenden Verein der Basketball-Bundesliga, Alba Berlin, ebenfalls erst im fünften Halbfinalspiel durchgesetzt hat. Am Pfingstsonntag wird das erste Spiel gegen Bamberg in der Ballsporthalle in Höchst ausgetragen, Anwurf ist um 14Uhr. Die zweite Partie soll am Donnerstag in Bamberg, das dritte Spiel am Montag, 7.Juni, wiederum in der Ballsporthalle stattfinden.

          Daß die Skyliners in dieser Saison derart in den Basketballhimmel aufsteigen würden, hatten auch die kühnsten Optimisten kaum zu hoffen gewagt. Das Team des kanadischen Trainers Herbert hat sich im Laufe der Serie ein paar Ausrutscher geleistet und zuweilen gegen vermeintlich schwächere Mannschaften sogar verloren. Ein herber Rückschlag war das Aus im Pokalfinale gegen Rheinenergie Köln. "Da war ich schon ein bißchen geschockt", gibt Pascal Roller zu. Der "Pointguard" und Spielmacher der Skyliners war in den zurückliegenden Spielen Dreh- und Angelpunkt im Frankfurter Angriff. Vor allem am Dienstag beim Triumph in Bonn hatte der mit 1,80 Meter Körperlänge kleinste Skyliners-Spieler den wohl größten Anteil am Einzug ins Finale. Roller ist ein bescheidener Mann und hebt die "großartige Teamleistung" hervor, die den Erfolg ermöglicht habe. Immerhin gibt er zu: "Es ist mir gelungen, das Spiel an mich zu reißen. Aber das versuche ich eigentlich immer."

          Tatsächlich überzeugt die Mannschaft von Trainer Herbert vor allem durch Ausgeglichenheit. Als sich der 2,15 Meter lange "Center" Robert Maras beim Europapokalspiel in Zagreb einen Kreuzbandriß zuzog, ahnten viele aus dem Umfeld des Basketballklubs Böses: ausgerechnet Maras, ausgerechnet der Spieler, der dabei war, die Führungsrolle in dem jungen Team zu übernehmen. Doch die Skyliners fingen sich wieder. Spieler wie der 2,13 Meter große Mario Kasun übernahmen die Verantwortung. Der kroatische "Center" ist zwar ein kommunikationsfreudiger Typ, der sich sogar auf seinem Porträtbild auf der Internetseite der Skyliners ein Handy ans Ohr hält, hatte aber im Laufe der Saison zeitweise mit seinen eigenen überschäumenden Launen zu kämpfen. Die hat Kasun inzwischen viel besser im Griff - und das tut auch den Skyliners gut.

          Hinzu kommen Riesentalente im doppelten Sinne: Malik Badiane ist eines. Der 20 Jahre alte, 2,11 Meter große Senegalese hat schon in der NBA in den Vereinigten Staaten mittrainiert und ist unter dem Korb ein Argument, um das die Gegenspieler schwer herumkommen. Badianes "Krakenarme" fangen fast jeden Rebound. Kapitän Roller bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Dieses Team hat Perspektive."

          Ob mit oder ohne Trainer Gordon Herbert, wird sich freilich nach Ende der Saison erst noch zeigen. Der Kanadier hat immer noch keinen Vertrag für die nächste Spielzeit unterschrieben. Vor dem Ende der Saison, so sagt Skyliners-Manager Gunnar Wöbke, werde dies auch nicht passieren. Solange darf also munter spekuliert werden, wer sich warum mit der Unterschrift ziert. Die Vermutung, der vom Rüsselsheimer Autokonzern Opel gesponserte Profiklub wolle abwarten, wieviel Erfolg Herbert mit dem Team habe, ist offenbar nicht ganz zutreffend. Denn der Erfolg ist da - zweifellos. Natürlich kann es auch sein, daß Herbert selbst anderes im Sinn hat als Frankfurt, wo er seit drei Jahren Trainer ist. Gerüchte, es ziehe ihn in den hohen Norden Europas, da seine Frau mit den beiden Söhnen in Finnland lebt, weist der Coach jedoch von sich. "Die Trainerjobs dort sind Halbtagsstellen. Die andere Hälfte des Tages muß du fischen gehen."

          In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie die Skyliners in die nächste Saison gehen: Als Meister ohne Trainer Herbert? Als Zweiter mit dem Kanadier? Oder umgekehrt? Ob der Headcoach dann an Fjorden angeln geht oder weiter am Main trainiert, wird man sehen. Angeln kann Herbert schließlich auch hier. Und zwar einen ganz großen Fisch: den deutschen Meistertitel. LEONHARD KAZDA

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