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Basketball-Bundesliga : „Ich brauche noch mehr gesunden Egoismus“

  • Aktualisiert am

Sieht als „Jugendspieler, der eine ganz solide Saison spielt“: Danilo Barthel von den Frankfurt Skyliners Bild: Wonge Bergmann

Der 22 Jahre alte Frankfurter Basketballprofi Danilo Barthel gehört zu den Gewinnertypen bei den Skyliners. Das Allstar-Spiel machte ihm Lust auf mehr: Die starke Konkurrenz im Nationalteam motiviert ihn zusätzlich.

          2 Min.

          Zum ersten Mal in Ihrer Bundesliga-Karriere waren Sie ein Allstar-Spieler am Samstag in Bonn. Als Zweiundzwanzigjähriger sind Sie in der Liga der effektivste deutsche Spieler. Sind Sie jetzt der neue Star der Fraport Skyliners?

          Nein. Ich bin immer noch ein Jugendspieler, der eine ganz solide Saison spielt. Die Stars in Frankfurt sind Quantez Robertson und Andrew Rautins.

          Was für ein Typ sind Sie?

          Ich bin sehr zurückhaltend. In dieser Saison habe ich es jedoch schon geschafft, auf dem Spielfeld einen gesunden Egoismus zu entwickeln, zumindest ein bisschen. Daran muss ich jetzt weiter arbeiten. Von der Körpersprache her kann ich noch einiges mehr machen.

          Wie versuchen Sie, Ihr Naturell zu verändern?

          Unter der Woche am Mittwoch arbeiten wir mit einem Sportpsychologen. Ich mache mir bewusst, wie ich mehr Emotionen ins Spiel bringen kann. Unmittelbar vor einer Partie heize ich mich im Kopf selbst an und gehe gute Szenen von mir in der Saison durch.

          Sind Sie überhaupt zum Star geboren?

          Es gibt auch bodenständige Stars. Wenn ich mich in der Bundesliga weiter gut entwickle und in der Nationalmannschaft die Chance bekomme, dann denke ich, dass es dazu kommen kann.

          Im „Team National“, das im Allstar-Spiel gegen das „Team International“ 116:121 verloren hat, haben Sie 17 Minuten gespielt und dabei acht Punkte erzielt und vier Rebounds geholt. Hatten Sie bei der Veranstaltung das Gefühl, ein besonderer Spieler zu sein?

          Ja, sicherlich. Es sind alles große Basketball-Namen in Deutschland. Und ich habe noch nie so viele Autogramme am Stück geschrieben. Es war eine große Ehre für mich. Da ich zum ersten Mal dabei war, habe ich mir gedacht, etwas zurückhaltender zu sein und eher die soliden Sachen zu machen.

          Aber Ihnen sind dann ein furioser Monsterblock und ein zweihändiger Dunking aus dem Schnellangriff heraus gelungen.

          Wenn es die Situation erlaubt, zeige ich natürlich gerne, dass ich spektakuläre Aktionen machen kann. Das hat man in dem einen oder anderen Bundesligaspiel ja schon gesehen.

          Kommt Ihr Aufschwung für Sie überraschend?

          Dass es jetzt so gut läuft, ist vielleicht ein bisschen überraschend. Aber ich wusste, dass ich mich verbessern werde, weil ich im Sommer viel trainiert und die Zeit effektiv genutzt habe. Ich habe viel im athletischen Bereich gemacht. Heute bin ich sieben, acht Kilo schwerer.

          Ist es als Talent unter Cheftrainer Gordon Herbert leichter zu reifen als unter dessen Vorgänger Muli Katzurin?

          Ja, denn Gordon Herbert verzeiht den einen oder anderen Fehler, den man macht. Er wechselt einen dann nicht sofort aus. Er schafft es, uns besser zu puschen. Muli Katzurin hingegen war es gewohnt, mit erfahrenen Profis zu arbeiten. Er hatte dementsprechende Erwartungen. Gleichzeitig war es aber auch eine wichtige Erfahrung für mich. Muli Katzurin ist ein sehr guter Trainer mit vielen Erfolgen. Bei ihm habe ich gelernt, wo es im Basketballprofigeschäft langgeht.

          Träumen Sie von einem Wechsel zu einem Spitzenklub?

          Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Außerdem habe ich im Sommer 2013 einen neuen Vertrag in Frankfurt bis mindestens 2015 unterschrieben. Im Moment sind die Skyliners die perfekte Situation für mich.

          Bundestrainer Frank Menz wird Sie im Sommer wohl in den Kreis der Nationalspieler holen. Können Sie sich dort schnell etablieren?

          Natürlich werde ich das versuchen. Aber gerade auf der Position vier ist die Konkurrenz groß - auch mit anderen jungen deutschen Spielern.

          Einer davon ist der Neu-Bamberger Elias Harris, der seinen Traum von der NBA erst einmal zurückstellen musste. Wo sehen Sie Ihren Vorteil im Vergleich mit ihm?

          Gegen ihn wird es natürlich schwer. Er hat sehr viel Erfahrung und kommt aus der NBA. Da ziehe ich auf jeden Fall noch den Kürzeren.

          Darf man so etwas als ambitionierter Profi sagen?

          Natürlich gehe ich mit Selbstbewusstsein an die Sache ran. Aber momentan könnte ich nicht sagen, was mein Vorteil ihm gegenüber ist.

          Die Fragen stellte Jörg Daniels.

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