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Barbershops „Torreto“ : Bändiger bärtiger Horden

  • -Aktualisiert am

Männerladen: Für Alexandros Vellios sind Friseursalons Orte für Frauen und weiche Herren. Bild: Norbert Müller

Alexandros Vellios ist ein echter Mann. Die meisten Kunden des Barbershops „Torreto“ sind es noch nicht. Das meint zumindest Vellios. Frauen sind im Laden erst gar nicht erwünscht, denn: „Du kannst keinen Mann rasieren, wenn eine Frau mit Strähnen im Haar daneben sitzt und über ihren Freund jammert.“

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          Das F-Wort ist verboten. F, Sternchen, Sternchen, Sternchen, Sternchen, Sternchen, Sternchen. Alexandros Vellios ist nämlich kein Friseur. Er arbeitet auch nicht in einem Salon. Nicht bei einem Herrenfriseur. Nicht in einem Herrensalon. Er ist Barbier. Und er ist Inhaber des Barbershops „Torreto“ an der Alten Gasse.

          Die Barber-Lehrlinge heißen „Rookies“

          Der gebürtige Grieche heißt auch nicht Herr Vellios, sondern Alex. Nicht siezen. Siezen ist uncool. Alex ist schließlich erst 27 Jahre alt. Er trägt ein weißes Hemd, eine schwarze Hose, dunkle Hosenträger und Chucks. Hals und Hände sind tätowiert: auf sechs Finger das Wort Barber, auf die rechte Hand zwischen Daumen und Zeigefinger ein geöffnetes Rasiermesser. Die Haare, Seiten kurz, oben etwas länger, sind mit Pomade in Form gebracht. Nur mit Pomade, wohlgemerkt, Haarwachs ist die pure Chemie. Der Bart ist lang, aber gezähmt und mit Balsam gepflegt - die Gesichtscreme des Mannes. Warm und kuschelig findet Alex seinen Bart, seit fünf Jahren ist der so lang. Vorher habe er nur einen Dreitagebart gehabt. Dunkle Vergangenheit.

          Seit einem Jahr ist Alex Inhaber des Barbershops „Torreto“, im September ist er in die Alte Gasse gezogen. Angefangen hat er mit einem Barbierstuhl, einem Spiegel, einem Föhn, einer Haarschneidemaschine, zwei durchgesessenen Ledersesseln und den Scheren. Inzwischen hat er keine freien Termine mehr bis Ende Dezember und vier Rookies, so heißen die Barber-Lehrlinge. Die Wände des Shops sind dunkelgrün und üppig mit Bilderrahmen behängt. Die Lampen über den alten Barberstühlen, auf denen die Kunden mit blau-weiß gestreiften Umhängen liegen, haben die Form vom Straßenlaternen. Kämme, Rasierpinsel und Bürsten liegen auf einem dunkelbraunen Apothekerschrank. Vieles hat Alex auf Flohmärkten gekauft.

          „No Girls“ - Frauen sind unerwünscht

          Das Barbier-Zertifikat hat Alex vor sechs Jahren in einem kleinen Barbershop in Igoumenitsa im Norden Griechenlands gemacht. In Deutschland gibt es keine Ausbildung zum Barbier und auch keine Prüfung, deswegen werden die Rookies auch in die Niederlande fahren. Damit er seinen Barbershop eröffnen durfte, musste Alex mit einer Prüfung bei der Handwerkskammer sein griechisches Zertifikat anerkennen lassen.

          Als Kind war Alex oft mit seinem Großvater in Griechenland beim Barbier. Alte Männer, die in einem verrauchten Laden Backgammon und Karten spielten, Kaffee tranken und über Politik redeten. „Wie im Film. Ich konnte nur Barbier werden“, sagt Alex. Aber auch in Griechenland gab es nicht immer viele Barbiere. „Irgendwann kam Gillette mit Rasierern für zu Hause und diesem Quatsch“, sagt Alex. Aber langsam werden es wieder mehr Läden, auch in Deutschland, seit zehn Jahren muss es nicht mehr nur das Billigste sein. Das Trimmen des Bartes kostet im „Torreto“ 21 Euro, die Komplettrasur 25 Euro und ein Haarschnitt 31 Euro. Frauen sind nicht erwünscht, „No Girls“ steht auf einem Schild im Schaufenster.

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