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Barbershops „Torreto“ : Bändiger bärtiger Horden

  • -Aktualisiert am

Hier findet der Kunde, was ein „echter“ Mann braucht

Alex hatte eine Friseurlehre angefangen in Deutschland. Aber da lernt man nicht, was ein Barbier können muss, wie er findet. Deshalb hat er abgebrochen. „Du kannst keinen Mann rasieren, wenn eine Frau mit Strähnen im Haar daneben sitzt und über ihren Freund jammert.“ Und man kann schlecht über Fußball, Nutten und Sex reden. Alex will die Männer erziehen. Er versucht ihnen zu erklären, warum Männer zum Barbier gehen sollten und Frauen zum Friseur.

Über seinen Barbershop sagt er: „Jetzt weiß der Mann, wo er hingehen soll.“ Samstags, wenn die Männer auch ohne Termin kommen dürfen, warten die bärtigen Horden schon um sechs Uhr darauf, dass er um neun aufschließt. Es gehe beim Besuch des Barbershops nicht nur darum, ob man sich zu Hause rasiert oder nicht, sagt Alex. Bei ihm gibt es, was ein Mann braucht: Kaffee, Bier, Whisky, Handyverbot, einen Haarschnitt, gute Gespräche und Ruhe vor der Ehefrau. Alex hat nichts gegen Frauen. Die werden dieses Gefühl nur nie verstehen.

„Ein guter Barbier bist du, wenn ein Kunde dir bis zum Tod treu ist“

Lange Haare, „Hippiefrisuren“, schneidet Alex nicht, die schneidet er nur ab. „Hier geht auch keiner mit einem Irokesen oder Vokuhila raus“, sagt er. Viele Kunden mit längeren Haaren kommen eigentlich nur zum Bartschneiden und gehen dann doch mit kurzen Haaren raus. „Wir dissen sie nicht“, schiebt Alex gleich hinterher. Sie sehen im Barbershop nur einfach, wie eine gute Frisur aussieht, und die wollen sie dann natürlich auch. Barbiere sind dazu da, Traditionen hochzuhalten, und in denen haben Männer nun mal kurze Haare und Frauen lange. Alex gehört zu der von ihm so bezeichneten männlichen Mittelschicht, die er in seinem Shop stärken will: nicht Weichei, nicht Macho, guter Haarschnitt, gepflegtes Gesicht, ordentliche Kleidung.

„Viele Männer danken mir, wenn sie den Shop verlassen“, sagt Alex. Endlich konnten sie wieder einmal sie selbst sein. Einige kriegen aber nie die Chance dazu. Es passiert öfter, dass er Männern rät, lieber zum Friseur zu gehen. Alex findet das nicht arrogant, nur ehrlich. Man kann es ja nicht jedem recht machen. Konservative Deutsche, die sich über den Barbershop-Hund Kani oder das Rauchen im Laden aufregen, passen einfach nicht. Manchmal riefen Sekretärinnen an, um einen Termin für den Chef zu machen, erzählt Alex. Denen sagt er dann, dass der Chef im „Torreto“ nicht Müller heiße, sondern einen Vornamen habe. Und wie alt sei der Chef? 42? Dann sei er alt genug, um selbst anzurufen und einen Termin zu machen. Von Mann zu Mann. Die meisten machen das dann auch: „Es gibt auch coole Banker.“

„Als Barbier muss man Politik- und Sportexperte sein, Kabarettist, Philosoph, Geschichtenerzähler und Seelenklempner“, meint Alex. Viele Männer erzählen im Laden von Problemen, von denen nicht einmal die Frauen wissen, von Schicksalsschlägen und Affären. Um das auszuhalten und den passenden Tipp zu geben, muss man einen starken Charakter haben. Einen sehr starken Charakter. „Ein guter Barbier bist du erst, wenn du einem Mann von der Kindheit bis zum Tod die Haare geschnitten hast und er dir immer treu geblieben ist.“

Für Frauen verboten
Das Ordnungsamt der Stadt ist der Meinung, es verstoße nicht gegen gewerbliches Recht, wenn ein Geschäftsinhaber Frauen grundsätzlich den Zutritt zu seinem Laden verbiete. Es gebe nicht nur viele Herrenfriseure, sondern zum Beispiel auch Damenschneider in Frankfurt; das sei gleichzusetzen. Manche Juristen hingegen sind der Ansicht, in einem Fall wie dem des Barbershops kollidierten der Artikel drei des Grundgesetzes, wonach niemand wegen seines Geschlechts bevorzugt oder benachteiligt werden darf, und der Grundsatz der Gewerbefreiheit. In juristischen Datenbanken findet sich keine Entscheidung zu diesem Thema in Deutschland. In den Vereinigten Staaten musste in diesem Jahr ein Barbier eine Strafe von 750 Dollar zahlen, weil der Inhaber sich geweigert hatte, einer Frau die Haare zu schneiden.

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