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Schöneberger in der Alten Oper : „Thermomix der Showbranche“

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Multitalent: Barbara Schöneberger kann nicht nur quasseln, sondern auch singen. Bild: Wonge Bergmann

Nach langer Tourneepause ist Barbara Schöneberger in der Alten Oper in Frankfurt aufgetreten. Dort gab sich das Multitalent gekonnt selbstironisch, teilte aber auch genau so zielsicher gegen Kollegen aus.

          Perfekt inszenierte Illusionen im Rampenlicht sind nicht so ihr Ding. Wenn Barbara Schöneberger nach mehrjähriger Tourneepause in die ausverkaufte Alte Oper Frankfurt anrückt, entlarvt sie alles und jeden – am liebsten sich selbst. Es ist eine geradezu notorische Selbstdenunziation mit viel Ironie. Zu so einer offen vorgetragenen Selbstkritik sind nur wenige Künstler fähig. Auch weil trotz eines sicherlich vorhandenen Skripts vor allem ein von Spontaneität betriebenes Schnellfeuermundwerk vorhanden sein muss.

          Deutschlands Allzweck-Entertainerin, längst ob ihrer zahlreichen Moderationen bei Gala-Shows flapsig „Award-Babsi“ tituliert, wie sie in einem Nebensatz erwähnt, scheint geradezu erpicht darauf zu sein, sich selbst bloßstellen zu wollen. Da entpuppt sich das silberne Bühnensitzpodest als ein schnöder Bierkasten mit glitzerndem Überzug. Barbara Schöneberger entfährt, als sie das Ding umdreht, die Bemerkung: „Auch hier ist alles wie beim NDR!“

          Über ihre körpernahe Paillettenrobe, die sie beim Einstieg zum selbstverständlich selbstironischen Selbstporträt „Jetzt singt sie wieder“ trägt, frotzelt sie: „Wie aus Bastelfolie gefertigt, oder?“ Wenig später mokiert sie sich über ihr mindestens zwei Nummern zu kleines schwarzes Frack-Oberteil zu Hot Pants und Netzstrumpfhosen: „Mein kroatisches Oberkellner-Kostüm. Sieht es sehr schlimm aus?“ Dass der Frack mitten im Destiny’s-Child-Medley anfängt empfindlich zu kneifen und Barbara Schöneberger sich mit permanentem Ziehen Erleichterung verschafft, beinhaltet jede Menge Komik. Eine Textilie sitzt hautenger als die andere. Darunter ist auch ein schwarzer Glitzer-Catsuit, den die britische Geheimagentin Emma Peel seinerzeit sicherlich gerne für die Schurkenjagd übergestreift hätte.

          Spitze Bemerkungen über Prominente

          Rund ein halbes Dutzend Kostümwechsel legt Barbara Schöneberger, deren Name nach ihrer Heirat ja nun eigentlich Barbara von Schierstädt lautet, im zweigeteilten, insgesamt zwei Stunden dauernden Programm hin. Schließlich möchte sie der gebannt auf Erheiterung fixierten Besucherschar etwas bieten. „Ich nenn mich selbst Thermomix der Showbranche“, fällt sie sich selbst ins Wort, „ich mache quasi alles.“

          Schier endlos ist die Kette an spitzen Bemerkungen über Prominente: von Helene Fischer („Die hat jetzt einen muskulösen Akrobaten – da würde ich meinen Mann auch verlassen!“) bis Heidi Klum („Schon süß der Tom Kaulitz – wenn der erst mal in den Stimmbruch kommt!“). Es mutet an, als würde man sich zu Barbara Schönebergers One-Woman-Show „Eine Frau gibt Auskunft“ parallel auch noch diverse Boulevard-Magazine reinziehen.

          Eigenwerbung betreibt sie auch – natürlich mit einem Augenzwinkern: „Ich bin ja sowas von präsent! Eine eigene Frauenzeitschrift seit 2015, im vergangenen Jahr startete mein Barba Radio, Moderationen noch und nöcher, sowie sensible Bewerbung von Ultraschallzahnbürsten und Fleischsalat – was will man mehr?“ Dass ihre vierte CD sich nicht gerade als Verkaufsschlager erwies, nimmt sie gelassen hin: „Ich dachte mir, wenn sich das Ding nicht ordentlich absetzen lässt, dann komme ich eben zu euch – übrigens: in der Pause lassen sich meine Alben erstehen.“

          Schöneberger kann tatsächlich auch singen

          Zum Appetitanregen geht sie dann mit einer Handvoll CDs durch die Sitzreihen – wer sich traut, mit ihr Schlagerevergreens zu singen, bekommt ein Exemplar überreicht. Damit die Fangemeinde möglichst zahlreich am Verkaufsstand erscheint, bittet Barbara Schöneberger dort auf Zettel notierte Fragen zu hinterlassen, die sie im zweiten Teil dann auch tatsächlich beantwortet. Wann sie Sendepause hat, weiß sie auch: Als es einer Dame im Auditorium schlechtgeht, unterbricht sie ihre Show rücksichtsvoll.

          Barbara Schöneberger kann nicht nur hingebungsvoll quasseln, sie kann tatsächlich auch singen. Im Rücken eine mehr als kompetente Band, beinhaltet das Repertoire immerhin 21 patent dargebotene Songs. Es ist ein facettenreicher Mix aus Angejazztem, Lateinamerikanischem, Chansonhaftem und Poppigem in lässigen Sixties-Arrangements mit Burt-Bacharach-Touch. Pointiert berichtet sie über Patchwork-Familien, Ehegattinnen-Nöte in Northeim an der Leine und eine nicht mehr ganz standfeste männliche Libido auf der Wohnzimmer-Couch. Dazu gibt es noch Coverversionen von Songs von Dolly Parton, Donna Summer und Gloria Gaynor. Nachhaltig eindrucksvoll gelingt ihr ein Geständnis: Sie wäre so gerne wie die mondän-coole Isabelle Huppert.

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