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Barbara Honigmann in Frankfurt : Georgs viele Leben

Erzählt in „Goerg“ von ihrem Vater: Barbara Honigmann Bild: dpa

Barbara Honigmann erzählt in „Georg“ das Leben ihres Vaters. Es ist diesmal kein Roman, sondern ein knapp 160 Seiten langes Stück erzählter Erinnerung über den Wiesbadener, Juden und Kommunisten.

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          Die Lebensgeschichte der Tochter ist so bunt wie die ihres Vaters. Barbara Honigmann kommt Anfang 1949, noch vor der Gründung der DDR, in Ost-Berlin zur Welt, studiert an der Humboldt-Universität Theaterwissenschaften, wird Dramaturgin und Regisseurin an Theatern in der Provinz und in der Hauptstadt der DDR und geht 1984 in den Westen, kurz nachdem sie begonnen hat, sich intensiv mit ihrer jüdischen Herkunft zu beschäftigen. Sie lässt sich im französischen Straßburg nieder, wo ihr Mann, der Sohn eines an der Ost-Berliner Akademie der Wissenschaften tätigen Historikers, ein Talmudstudium aufnimmt und von wo aus er später das 1987 in Heidelberg gegründete Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland leitet. In Straßburg lebt Honigmann bis heute, hier kommt ihre schon im Osten begonnene Karriere als deutschsprachige Schriftstellerin erst so richtig in Gang.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Romanen und Erzählungen wie „Roman eines Kindes“, „Alles, alles Liebe“, „Eine Liebe aus Nichts“ und „Chronik meiner Straße“ hat sie Motive ihres eigenen Lebens zwischen den Welten immer wieder anklingen lassen. Vor gut einer Woche hat sie „Georg“ veröffentlicht, diesmal keinen Roman, sondern ein knapp 160 Seiten langes Stück erzählter Erinnerung, das noch wilder durch die Zeiten, Staaten, Weltanschauungen und Emotionen wechselt. Am Mittwoch stellt die Autorin es in Frankfurt vor – einen Tag nach ihrem 70. Geburtstag.

          Exil in Großbritannien und die Hinwendung zum Kommunismus

          Der Vater, Georg Honigmann, kommt Ende 1903 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Wiesbaden zur Welt, wo er die ersten Lebensjahre verbringt, geht später auf die Odenwaldschule, studiert in Gießen, wo er mit einer Arbeit über Georg Büchner promoviert wird, und erzählt seiner nach dem Krieg geborenen Tochter noch bei Spaziergängen im Ost-Berlin der sechziger Jahre voller Liebe von seiner Darmstädter Großmutter, der Tochter des Hofbankiers der Großherzöge von Hessen-Darmstadt, die ihn nach dem frühen Tod der Mutter und dem Tod eines älteren Bruders im Ersten Weltkrieg zu sich nimmt.

          Dazwischen liegen das Exil in Großbritannien und die Hinwendung zum Kommunismus, mit dem ihn seine erste Frau Litzy, die Mutter der Autorin, bekannt macht, die zu diesem Zeitpunkt noch mit dem sowjetischen Spion Kim Philby verheiratet ist. Von Georgs vier Frauen und seinen vielen Geliebten, seiner Untreue und seiner Staatstreue berichtet Honigmann nun in der Stadt des Palmengartens, in dem ihr Vater einst fleischfressende Pflanzen kennenlernte, die große Liebe seiner Kindheit, wie sie schreibt. Denn er hat es ihr erzählt. Die Erinnerung geht seltsam schöne Wege.

          Am 13. Februar ist Barbara Honigmann um 20 Uhr in der Romanfabrik in Frankfurt.

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