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Bankprovisionen abgezweigt : Bewährung für ehemaligen Landrat Eichenlaub

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Nach einem Mammutprozess mit einer Bewährungsstrafe davongekommen: der ehemalige Landrat Helmut Eichenlaub (rechts), hier mit seinem Anwalt Bild: dpa

Nach einem Mammutprozess ist der einstige Landrat Helmut Eichenlaub mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Er hatte Bankprovisionen auf sein Privatkonto abgezweigt. Allein mehr als zwei Stunden dauerte die Begründung des Urteils.

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          Weil er bewusst Provisionen aus Bankgeschäften für sich umgeleitet hat, ist der ehemalige Landrat Helmut Eichenlaub (CDU) zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Kassel sprach ihn am Mittwoch der Untreue und Vorteilsannahme sowie des Betrugs und der Steuerhinterziehung schuldig. Zudem muss er eine Geldstrafe von 18.000 Euro zahlen. Der Prozess hatte im September 2015 begonnen, an Dutzenden Verhandlungstagen waren zahlreiche Zeugen vernommen worden.

          Eichenlaub hatte demnach als Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg über mehrere Jahre insgesamt rund 100.000 Euro aus Bankgeschäften kassiert. Er hatte Geschäfte eingefädelt, durch die der Kreis und kreiseigene Betriebe insgesamt rund 38 Millionen Euro bei der damaligen Schweizer Bank LB Swiss anlegten. Die Provisionen dafür hatten der Sparkasse Waldeck-Frankenberg zugestanden, doch Eichenlaub ließ diese auf ein Privatkonto umleiten. Der Vorsitzende Richter sagte in seiner mehr als zweistündigen Begründung: „Der Angeklagte hatte sich dazu entschlossen, davon finanziell zu profitieren.“

          „Ich hätte mir ein anderes Signal gewünscht“

          Zudem wurde Eichenlaub verurteilt, weil er das Geld nicht versteuert hatte und eine Reparaturrechnung nach einem Autounfall seines Sohnes dem Landkreis untergejubelt hatte. „Das Urteil ist sachgerecht“, sagte Staatsanwalt Götz Wied. Er hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch in den Hauptanklagepunkten beantragt.

          Der heutige Landrat des Kreises Waldeck-Frankenberg, Reinhard Kubat (SPD), sagte, er sei mit dem Strafmaß nicht zufrieden. „Ich hätte mir ein anderes Signal gewünscht.“

          Mit angeklagt waren ein ehemaliger Chef der Sparkasse Waldeck-Frankenberg sowie der damalige Vorsitzende der Geschäftsleitung einer Schweizer Bank. Sie waren in die Geschäfte verwickelt und wurden zu einer Geldstrafe beziehungsweise zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt.

          Eichenlaub hatte schon 2007 Schlagzeilen gemacht, weil er sich in seiner Amtszeit unbezahlt für 20 Monate beurlauben lassen wollte, um einen angeblich lukrativen Posten in Österreich anzutreten. Zurücktreten wollte er aber nicht. Nach Protesten blieb er bis zur folgenden Landratswahl 2009 im Amt, trat dann aber nicht wieder an.

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