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Bankhaus Metzler : Der erste Umzug seit 1826

Heute: Im neuen Bankhaus an der Untermainanlage können die Partner Emmerich Müller und Harald Illy von der Dachterrasse aus das ganze Mainufer sehen. Bild: Wonge Bergmann

Das Bankhaus Metzler verlässt seinen Stammsitz im Frankfurter Bankenviertel. Anlass für Wehmut und Aufbruchstimmung. Aber auch für den Versuch, alles so aussehen zu lassen wie früher.

          Moritz von Metzler ist schon da. Das Gemälde seines Großvaters hängt bereits hinter dem Schreibtisch von Friedrich von Metzler, das persönliche Briefpapier des Bankiers ist fein sortiert in mehreren Pappkartons gestapelt, private Bilder liegen auf seinem Schreibtisch; wo sie in seinem neuen Büro Platz finden, muss er noch entscheiden. Den Rest haben die Umzugshelfer besorgt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Bankhaus Metzler zieht um. Zum ersten Mal seit 1826 lautet die Adresse der feinsten Frankfurter Bank nicht mehr Große Gallusstraße 18. Fortan steht Untermainanlage 1 auf den Briefbögen. Seit mehreren Wochen nutzt das Umzugsunternehmen nun schon die Wochenenden, um am Freitagnachmittag die vielen Antiquitäten und historischen Bilder, Kartons und Computer im Haus an der Großen Gallusstraße einzupacken und bis zum Montagmorgen in dem modernen Bürohaus hinter den Städtischen Bühnen, schräg gegenüber dem Nizza, wieder auszupacken.

          Baustelle Bank

          Auch das legendäre blaue Sofa, das seit 140 Jahren der Bank gehört und längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist, steht schon im neuen Gästeempfang. Hier, wo die gehobene Kundschaft mit ihren Vermögensverwaltern zusammentrifft, soll alles ein bisschen einem edlen Wohnzimmer ähneln. Renate von Metzler hat die Einrichtung der Beletage übernommen, jeder Besprechungsraum folgt einem eigenen Farbkonzept, stets musste eine Melange aus Antiquitäten und modernen Möbeln gelingen, und Videowände durften natürlich auch nicht fehlen.

          Im Aufbau: In den Besprechungsräumen ist noch einiges zu tun.

          In wenigen Wochen will die Bank hier ihre Kunden empfangen. Ende Oktober soll es eine große Eröffnungsfeier für Mitarbeiter, Familienmitglieder und die neuen Hausnachbarn, die Anwälte von Hogan Lovells, geben. Noch klaffen aber viele Löcher in der Einrichtung. Handwerker hämmern und schleifen. Farbeimer, Leitern und Abdeckplanen bilden einen wilden Kontrast zum Sekretär aus dem 19.Jahrhundert. Am Boden steht eine gerahmte Urkunde von 1779.

          Wiederaufbau nach Bombenhagel

          An der Großen Gallusstraße war die Illusion perfekt. Auch wenn der schmucklose Nachkriegsbau von außen wenig von der langen Tradition des Standorts preisgab: Wer in einem der Besprechungszimmer begrüßt wurde, wähnte sich zwischen all den Originalen wirklich in der Stadtvilla von 1810, die Johann Friedrich von Metzler 1826 zum Geschäftssitz der Bank gemacht hatte. Die Straße hatte erst kurz zuvor ihren funktionalen Namen Galgengasse abgegeben. Alte Gemälde, auf denen Pferdeschlitten durch die verschneite Gasse vom Roßmarkt her pflügen und ein Husarenregiment vor den Fenstern des Hauses paradiert, geben einen Eindruck davon, wie lange diese Zeit her ist.

          Markenzeichen: Das blaue Sofa steht schon im neuen Empfangsraum.

          Im Zweiten Weltkrieg wurde das gesamte Anwesen zerstört. Nur die Tresorräume im Keller samt Wertpapieren, Akten, Schreib- und Rechenmaschinen hielten dem Bombenhagel stand, was alles in der schönen Chronik „Einblicke“ des Bankmitarbeiters Stefan Ohmeis nachzulesen ist. Für kurze Zeit kamen die Metzler-Mitarbeiter beim Bankhaus Cüppers& Co. an der Taunusanlage unter – etwa an der Stelle, wo heute die Doppeltürme der Deutschen Bank stehen. Doch schon 1945 war aus Gebäuderesten und Schutt an der Großen Gallusstraße wieder eine Notunterkunft errichtet, in der das Bankhaus Metzler die Arbeit wiederaufnahm. Das heutige Gebäude wurde 1954 fertiggestellt. Die Familie von Metzler zog in das sechste Stockwerk, Friedrich von Metzler wuchs dort auf. Seine Mutter lebte in dem Haus bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr.

          Der Blick nach vorn

          So klingt auch Wehmut mit, wenn der Bankier über den Umzug spricht. „Natürlich ist der Standort Große Gallusstraße mit vielen Erinnerungen verknüpft: Dort war mein Elternhaus, dort begann 1969 – zusammen mit meinem Cousin Christoph – meine Laufbahn im Bankhaus“, erzählt er. Dort seien auch die Pläne zur Weiterentwicklung von Metzler hin zu einer modernen Investment- und Vermögensverwaltungsbank vorangetrieben worden. Doch er richtet schnell den Blick nach vorn: Auch das neue Domizil an der Untermainanlage, das die Bank 2004 erbaute, sei in der Großen Gallusstraße entwickelt worden. Und auch wenn dort erst Sal. Oppenheim und später kurz die australische Bank MacQuarie residierten, so sei es doch von Anfang an das Ziel gewesen, das Bankhaus dorthin zu verlagern, sagt Metzler. „Für mich ist der stetige Wandel präsenter und wichtiger als die Beharrung auf einem Status quo.“

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