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Banker in Frankfurt : Commerzbank größter Arbeitgeber am Finanzplatz

  • -Aktualisiert am

Am Ende des Tages: Viele Banken in Frankfurt senken ihre Bilanzsummen, einige auch vorsätzlich. Bild: dpa

Zur Normalität nach der Finanzkrise ist das Bankenviertel noch längst nicht zurückgekehrt. Das zeigt ein Blick in die Zahlen der größten Kreditinstitute der Stadt.

          Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Mit 13300 Beschäftigten ist die Commerzbank der mit Abstand größte Arbeitgeber unter den Finanzinstituten in Frankfurt. In ganz Hessen beschäftigt das Kreditinstitut sogar so viele Mitarbeiter wie die Deutsche Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen zusammen, wie eine Studie der Landesbank (Helaba) zeigt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Größe der Belegschaft, die noch aus der Übernahme der Dresdner Bank 2008 herrührt, steht im Widerspruch zu der stetig schrumpfenden Bilanzsumme und noch stärker zu dem, was die Bank in den vergangenen Jahren erwirtschaftet hat – rote oder bestenfalls sehr niedrige schwarze Zahlen. Wenngleich die einzelnen Häuser sehr unterschiedlich strukturiert sind, gibt der Vergleich mit den übrigen Kreditinstituten der Stadt doch einen Eindruck davon, wie viel Wegstrecke die Commerzbank noch vor sich hat. Bis Ende 2016 will sie die Mitarbeiterzahl im ganzen Konzern um 5200 verringern.

          Rasanter Aufstieg der Förderbank vom Staat

          Die Geschäftszahlen sind schneller. Das muntere Hin und Her in den Bilanzen der Großbanken gibt einen Eindruck davon, wie unterschiedlich stark die einzelnen Häuser noch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen haben. Zur Normalität sind die Verhältnisse im Bankenviertel noch längst nicht wieder zurückgekehrt.

          Vor allem der rasante Aufstieg der staatlichen Förderbank KfW im Vergleich zu den privaten Geschäftsbanken spiegelt die verqueren Verhältnisse. Mit mehr als 2,3 Milliarden Euro erwirtschaftete das Haus an der Bockenheimer Landstraße unterm Strich 2012 mehr als die vier anderen Frankfurter Großbanken zusammen. Dass der Gewinn der KfW im ersten Halbjahr 2013 deutlich unter dem des Vorjahreszeitraums lag, liegt nur daran, dass die Politik ihr Förderinstitut kräftig hat in einen Klimafonds einzahlen lassen.

          Vorsätzliches Verringern der Bilanzsummen

          Während die Commerzbank schon seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 – kurz nach der Übernahme der Dresdner Bank – ins Straucheln geraten war, hatte sich die Deutsche Bank nach einem kurzen Tief eigentlich recht rasch wieder davon erholt. Erst seit Jürgen Fitschen und Anshu Jain im vergangenen Jahr die Führung der Bank von Josef Ackermann übernommen haben und seither Milliardenbeträge für die juristische Aufarbeitung früherer Missetaten zurückstellen müssen, werden auch in den Doppeltürmen an der Taunusanlage nur noch mickrige Gewinne verbucht. Schon das Jahresergebnis 2012 musste aus diesem Grund nachträglich kräftig nach unten korrigiert werden. Im dritten Quartal dieses Jahres führte eine abermalige Rückstellung für Rechtsrisiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro dazu, dass die Bank gerade noch 18 Millionen Euro als Gewinn für diesen Zeitraum ausweisen konnte.

          Doch nicht nur schlechtere Geschäfte und Rechtsstreitigkeiten sind für die Schrumpfkur der beiden größten Frankfurter Geldhäuser verantwortlich. Beide verringern ihre Bilanzsummen auch vorsätzlich. Die Commerzbank tut das, weil die Europäische Kommission es ihr im Gegenzug für die Erlaubnis staatlicher Finanzspritzen verordnet hat. Die Deutsche Bank reagiert auf teils verschärfte Regularien und Kapitalvorschriften, indem sie eine Reihe von Geschäften aufgibt. Gleiches gilt auch für die DZ-Bank und die Helaba.

          Zahl der Banker sinkt

          Die Volkswirte der Landesbank stimmen solche Ankündigungen für den Gedeih des gesamten Finanzplatzes allerdings nicht pessimistisch. Zumindest was die Zahl der Bankbeschäftigten angeht, erwartet die Studienautorin Ulrike Bischoff keine dramatischen Einbrüche. Zumindest eine Umfrage unter den größten Instituten hatte ergeben, dass die Zahl von derzeit 62250 Bankern bis Ende 2015 nur auf 61300 sinken dürfte. In diese Prognose ist eingerechnet, dass die Europäische Zentralbank 1000 neue Mitarbeiter für die Bankenaufsicht in Frankfurt einstellen will.

          Dass die DZ-Bank in ganz Hessen auf die stolze Zahl von 11800 Mitarbeitern kommt, liegt daran, dass die Helaba-Volkswirte die gesamte Konzerngruppe zusammengerechnet haben. So fallen etwa die R+V-Versicherungen in Wiesbaden und die VR-Leasing in Eschborn ins Gewicht. Innerhalb Frankfurts seien nur gut 3000 Mitarbeiter für die eigentliche Bank tätig, sagte eine Sprecherin der DZ-Bank gestern, dort kämen zum Beispiel noch die Beschäftigten der Fondstochter Union Investment hinzu.

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