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Bankenaufsicht in Frankfurt : Sicheres Domizil für 1000 Mitarbeiter gesucht

Überwachungszone: Nicht nur die Frankfurter Bankentürme stehen unter Beobachtung. Ob die Aufseher am Rand sitzen oder mittendrin, ist noch nicht entschieden. Bild: Röth, Frank

Die EZB bereitet die Gründung der Bankenaufsicht vor: Das heißt, 1000 sehr attraktive Arbeitsplätze entstehen. Als Sitz wäre das Hochhaus Pollux geeignet. Noch ist nichts entschieden, doch die Zeit drängt.

          Die Gründung der Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank ist beschlossene Sache. Am Dienstag haben die EU-Finanzminister dem Aufbau der Behörde zugestimmt, die vom Herbst 2014 an von Frankfurt aus die 130 wichtigsten Banken der Eurozone beaufsichtigen wird. Für die Stadt hat das konkrete Folgen: Rund 1000 hochattraktive Arbeitsplätze entstehen, gut ausgebildete Mitarbeiter aus vielen europäischen Ländern ziehen mit ihren Familien nach Frankfurt. Und Büroflächen von der Größe eines Hochhauses finden einen neuen Mieter.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Noch ist nicht entschieden, welches Gebäude die Bankenaufsicht beziehen wird. Weil die ersten Mitarbeiter schon im Lauf dieses Jahres eingestellt und eingearbeitet werden, drängt aber die Zeit. Eine Mannschaft von 200 bis 300 Mitarbeitern will die EZB nach Auskunft einer Sprecherin schon am Ende des ersten Quartals 2014 beisammenhaben. Die Gründung der Bankenaufsicht bezeichnete sie als „eine Mammutaufgabe“. Etwa 770Aufseher werden gesucht, hinzu kommen weitere rund 230Fachkräfte, darunter Juristen für die Rechtsabteilung sowie Mitarbeiter im Personalwesen, in der Kommunikationsabteilung und in den Sekretariaten.

          Büros für erste Mitarbeiter im Japan-Center

          Um für die Bankenaufsicht tätig zu werden, benötigen sie einen europäischen Pass. „Wir legen Wert darauf, dass die Leute aus aller Herren Ländern kommen“, sagte die Sprecherin. Einige Aufseher werden womöglich von nationalen Behörden kommen, aber auch für Banker und Wirtschaftsprüfer dürfte die Bankenaufsicht ein interessanter Arbeitgeber sein.

          Zum 1.November hat die Zentralbank schon Büros und Trainingsräume für die ersten 200 Mitarbeiter im Japan-Center im Bankenviertel gemietet. Der Sprecherin zufolge hat man sich unter anderem für dieses Haus entschieden, weil es nah am Eurotower liegt, dem bisherigen Hauptsitz der EZB. Das wegen seiner Bauform so genannte Japan-Center steht teilweise leer und könnte auch noch weitere Mitarbeiter beherbergen. Noch steht aber nicht fest, ob es auf Dauer das Zuhause der Bankenaufsicht wird.

          Dass die Aufseher ebenso wie die übrigen EZB-Mitarbeiter in den Neubau der Notenbank im Ostend ziehen, scheitert am fehlenden Platz. Schon heute ist das Gebäude für sämtliche Notenbanker zu klein. Zwar gibt es auf dem Grundstück an der Großmarkthalle Erweiterungsflächen. Doch ein Neubau für die Bankenaufsicht sprengt den Zeitrahmen.

          Sicherheitsauflagen schränken Auswahl ein

          Daher richtet die EZB nun ihren Blick auf Bestandsgebäude. Um 1000Mitarbeitern Platz zu bieten, müssen sie groß genug sein; etwa 25000Quadratmeter Bürofläche sind nötig. Es sei denn, man verteilt die Bankenaufsicht auf mehrere Gebäude. Weil die Notenbank erst Ende 2014 ihren Neubau bezieht, dürfte ihr bisheriges Domizil, der Eurotower, nicht als Sitz der Bankenaufsicht in Frage kommen. Er wird nicht früh genug frei.

          Wie für die EZB gelten auch für die Bankenaufsicht besondere Sicherheitsauflagen. Daher kommen Bürohäuser wie der zum Palais Quartier zählende und seit seiner Fertigstellung vor drei Jahren fast komplett leerstehende „Nexttower“, unter dem eine öffentliche Tiefgarage liegt, nicht in Frage. Ähnliches gilt für den Marriott-Turm an der Messe. Die dortige Bürofläche wäre nicht nur zu klein. Die Aufseher müssten sich das Gebäude auch mit Hotelgästen teilen.

          Pollux: Halb so teuer wie ähnliche Bauten

          Das neue Domizil muss also groß und sicher genug sein und auch kurzfristig zur Verfügung stehen. Bürogebäude, die diese Kriterien erfüllen, sind trotz des hohen Leerstands in Frankfurt rar. Der neue Taunusturm im Bankenviertel käme in Frage. Er kann zu Jahresbeginn 2014 bezogen werden. Allerdings sind in ihm auch schon Banken und Kanzleien untergebracht, die Bankenaufsicht müsste sich diese Adresse also teilen.

          Das Japan-Center könnte die EZB erst sukzessive komplett mieten, sofern bisher anderweitig vermietete Flächen frei würden. Außerhalb der Innenstadt und somit auch außerhalb des zu beaufsichtigenden Bankenviertels läge das Hochhaus Pollux neben dem Messeturm. Von dort aus hätten die Aufseher den Blick auf das Bankenviertel und wären nicht mittendrin. Das bis vor kurzem von der Commerzbank genutzte Gebäude steht fast komplett leer, ist ausreichend groß und nur halb so teuer wie vergleichbar moderne Büroflächen in der Innenstadt. Schließlich gibt es in der City West noch das „Cielo“, ein auf drei Gebäude verteiltes Bürohaus.

          Für welches Domizil sich die EZB auch entscheiden wird, den Büromarkt wird die Ansiedlung beleben. Derzeit liegt der in Frankfurt traditionell lebhafte Handel mit Büroflächen rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.

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